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Vom Hersteller abgeschaltet: Teuer gekauft und plötzlich nutzlos: Warum Ihre Technik nicht mehr Ihnen gehört

Wenn man sich neue Technik zulegt, erwartet man, dass sie ein paar Jahre durchhält - und dann eines Tages still den Geist aufgibt. Immer öfter schalten aber die Hersteller die Geräte einfach aus der Ferne ab. Und das dürfte in Zukunft noch häufiger passieren.

Wenn sich teure Technik nicht mehr einschalten lässt, könnte auch der Hersteller dahinter stecken

Wenn sich teure Technik nicht mehr einschalten lässt, könnte auch der Hersteller dahinter stecken

Früher war es ganz einfach: Man kaufte sich ein Gerät, ob Waschmaschine oder Telefon. Dann benutzte man es. Irgendwann zickte es vielleicht wegen verschlissener Teile, es blieb die Wahl zwischen Reparatur und Neukauf. Heute kann das Gerät aber noch aus einem ganz anderen Grund unbrauchbar werden: Der Hersteller schaltet das Gerät ab, obwohl es immer noch funktioniert. Viele Geräte bieten stellen ihre Funktionen gar nicht selbst zur Verfügung - sondern lassen die Besitzer nur auf die Dienste dahinter zugreifen.

In den USA stehen gerade unzählige Besitzer einer smarten Logitech-Fernbedienung vor diesem Problem: Ab nächstem Jahr werden sämtliche Modelle des Harmony Link Hub aus der Ferne abgeschaltet, informierte der Hersteller seine Kunden. Schuld sind ausgelaufene Lizenzen. Für die Kunden ist das ärgerlich. Das Gerät kam 2011 auf den Markt, wurde seit 2015 nicht mehr hergestellt. Nach einem öffentlichen Aufschrei hat das Unternehmen nun bekanntgegeben, alle betroffenen Nutzer mit einem neuen Gerät auf eigene Kosten auszustatten. 

Abgeschaltet aus der Cloud

Noch ist das Vorgehen die Ausnahme, das könnte sich aber bald ändern. Das Problem immer mehr neuer Geräte: Sie dienen eigentlich nur dazu, auf einen Online-Dienst zuzugreifen, der dann das eigentliche Produkt darstellt. In Fall war das etwa ein Cloud-Dienst, der die Steuerung des Fernsehers aber auch von smarten Haushaltsgeräten ermöglichte. Das funktioniert wunderbar - bis Logitech dem Cloud-Dienst im März den Stecker zieht. Und damit auch die Hardware nutzlos wird. Auch der zur Google-Mutter Alphabet gehörende Thermostat-Hersteller Nest schockte im letzten Jahr zahlreiche Kunden mit dem Abschalten seiner alten Steuerungszentrale.

In Zukunft dürfte dieses Problem weiter zunehmen. Schaut man sich auf Technik-Messen wie der IFA um, kommen seit einigen Jahren immer mehr klassische Haushaltsgeräte mit smarten Funktionen daher. Kühlschränke bekommen ein Tablet verbaut, die Waschmaschine holt sich Updates aus dem Internet und alles verbindet sich mit Amazons Assistentin Alexa. Was aber, wenn der Dienst eingestellt wird?

Nicht immer ist alles tot

Der Totalausfall wie bei Logitech oder Nest im letzten Jahr dürfte zum Glück die Ausnahme bleiben. Die meisten aktuell erhältlichen Smart-Geräte werden selbst dann funktionieren, wenn der Dienst dahinter eingestellt wird. Eine schlaue Waschmaschine reinigt auch ohne Cloud-Anbindung die Kleidung, der Samsung-Kühlschrank Family Hub wird weiterhin das Essen kühlen, ob sein gigantisches Tablet in der Front weiter auf Stand bleibt, steht auf einem anderen Blatt. Nicht jedes Gerät wird also zum teuren Briefbeschwerer, stark eingeschränkte Funktionen und nicht geschlossene Sicherheitslücken werden nach dem Ende des Supports aber selbstverständlich werden. 

Dabei muss das Ende nicht immer alleine vom Hersteller entschieden werden. Ändert der etwa seine Nutzungsbedingungen, hat der Kunde natürlich das Recht, sie nicht anzunehmen. Damit riskiert er aber, sein Gerät nutzlos zu machen. Eine Sonos-Box funktioniert zwar weiter, Updates bleiben dann aber aus. Ähnlich ist es mit der Kündigung zur Nutzung benötigter Abos. Dass etwa eine Sky-Box mit dem Ende des Pay-TV-Abos funktionslos ist, wird jedem klar sein. Dass viele aktuelle Sicherheitskameras auf einem ähnlichen Abo-Prinzip basieren aber eher nicht.

Es hängt am Kunden

Für die Kunden macht das den Kauf neuer Geräte deutlich komplizierter. Sie müssen nicht mehr nur auf Preis und Funktionen achten, sondern auch mögliche Änderungen in der Zukunft bedenken. Lässt sich das Gerät auch ohne die Internetverbindung zum zugehörigen Server nutzen? Was passiert, wenn ich nicht mehr für ein Abo zu zahlen bereit bin oder sich die Vertragsbedingungen ändern? Diese Fragen müssen bei der Kaufentscheidung bedacht werden. Gerade bei jüngeren Firmen oder solchen, die für kundenunfreundliche Entscheidungen bekannt sind, sollte man sich den Kauf dann wohl zweimal überlegen - oder vielleicht doch wieder zum dummen Gerät greifen. Solange die Hersteller die noch anbieten.

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