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Wie Miele, Siemens und Co. die Waschmaschine revolutionieren - aber nur ein bisschen

Die Haushaltsgeräte von Siemens, Miele und Co. waren jahrelang der Inbegriff der Weißen Ware. Zuverlässig, sparsam - und langweilig. Mit dem Trend zum Smarthome mussten sich die Elektronik-Riesen neu finden. Und mit der harten Konkurrenz aus Fernost zurechtkommen.

Ein Mann kniet mit seinem Laptop neben mehreren Waschmaschinen: Der Computer ist an eine von ihnen angeschlosssen.

Die moderne Waschmaschinen-Reparatur erfordert Computer statt Werkzeugkasten

Wer sich früher eine oder einen Kühlschrank zulegen wollte, musste sich bei der Entscheidung nur nach Preisrahmen und Verbrauch orientieren. Heute entwickeln sich viele der Geräte immer mehr zum Computer. Das Wettrüsten um den smartesten Haushalt kann man seit Jahren auf der IFA beobachten. In Kühlschränke kann man nun per Kamera schauen, das Kochfeld spricht mit der Abzugshaube - und alles lässt sich mittlerweile mit Amazons Assistentin Alexa steuern.

Für die deutschen Traditionsmarken bedeutet das: Umdenken. Die asiatischen Großkonzerne wie Samsung haben viel mehr Erfahrung mit Smartphones, Touchscreens und Co., sie sind eine ihrer Kernkompetenzen. Ein massiver Vorteil im Kampf um Kunden. Displays, schnelle Prozessoren und Vernetzung sind bei den gigantischen Mischkonzernen viel selbstverständlicher Thema als etwa bei den Haushaltsmarken Siemens und Miele. Doch auch die Deutschen experimentieren schon länger mit smarten Ansätzen.

Alle wollen smart sein

"Wir haben schon vor über fünfzehn Jahren Geräte mit einem kleinen Handempfänger vernetzt. Dieser Pager meldete, ob die Waschmaschine fertig ist. Damals fragte die Konkurrenz noch, was das soll - und wie man damit Geld verdient", berichtet Miele-Geschäftsführer Reinhard Zinkann im Gespräch mit dem stern. Heute haben alle Hersteller smarte Geräte.

Auffällig ist allerdings die stark unterschiedliche Richtung des smarten Zuhauses. LG und Samsung präsentierten schon im letzten Jahr stolz Kühlschränke, die dank riesiger Touchscreens die Küche zum digitalen Herz der Wohnung machen sollen, inklusive Youtube und Spielen. Alle Geräte, ob Herd oder Waschmaschine können auf dem Kühlschrank-Bildschirm gesteuert und überwacht werden. Auf der gerade zu Ende gegangenen IFA hatte Samsung schon den Nachfolger seines Family Hub im Gepäck. Ein wichtiger Grund für den Bildschirm-Fokus ist sicher die Expertise: Samsung und auch LG sind im Display-Geschäft ganz vorne dabei. Da ist natürlich die Idee naheliegend, sie überall zu verbauen.

Deutsche Zurückhaltung

Bei den deutschen Herstellern ist man da zurückhaltender. Tablet-artige Bildschirme hat keiner im Programm, die Neuvorstellungen wie der von vielen als IFA-Highlight gesehene Dialoggarer mögen eine Küchenrevolution sein, sie sind aber immer noch klar Haushaltsgeräte. Auf die Frage, warum man diesen Weg geht, antwortet ein Siemens-Entwickler, dass man durchaus ein solches Display verbauen könnte - aber eben darin keinen Mehrwert für den Kunden sieht. Schließlich bleibt der Herd ein Herd. Ein Küchenhändler gab ihm im stern-Gespräch Recht: Die Deutschen lassen die Bildschirme in der Küche weitgehend kalt.

Touchscreens und Smartphone-Anbindung gibt es trotzdem - aber nur als simples Bedienelement. Miele war mit seiner M-Touch getauften Technologie bereits 2013 am Markt. Reinhard Zinkann ist immer noch begeistert davon. "Unsere Geräte bedient man wie ein Smartphone, kann wischen und scrollen. Wir haben uns das iPhone angesehen und gesagt: Das ist genial einfach." Den Sprung von der Smartphone-Bedienung auf den Herd hat Miele so schneller geschafft als etwa Samsung.

Die Vernetzung kommt

Auch bei lässt sich die neue Waschmaschine komplett per Touch steuern, in der Smartphone-App gibt es zusätzliche Waschprogramme. Außerdem kann man Schritt für Schritt seine einzelnen Wäscheteile eingeben - und bekommt dann das passende Programm genannt. Es muss eben nicht jedes smarte Gerät vernetzt sein, findet Siemens-Geschäftsführer Roland Hagenbucher. "Bei uns sind smarte Produkte auch ein Backofen mit integrierter Mikrowelle und Dampfstoß oder ein Geschirrspüler mit Kurzzeitprogramm. Es gibt viele Produkte bei Haushaltsgeräten, die im Endeffekt smarte Produkte sind."

Die Vernetzung ist aber auch bei den deutschen Herstellern Thema. Siemens neueste Spülmaschine bestellt etwa selbstständig neue Reinigungstabs aus dem Internet, wenn der Vorrat zur Neige geht. Auch Reinhard Zinkann ist sicher, dass einzelne vernetzte Geräte nur der Anfang sind. Erste Ansätze, wie eine Verknüpfung zwischen Herdplatte und Lüftung, gibt es schon. Noch kocht aber jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. "Ich bin überzeugt, dass in Zukunft unsere Produkte auch mit denen der Wettbewerber vernetzt  werden können." Nur eine standardisierte Plattform fehlt noch. Hier sind vor allem US-Firmen wie Apple, Amazon oder Google ganz vorne im Rennen. Die drohen immerhin nicht, mit eigenen Küchengeräten Konkurrenz zu machen.