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Neue Online-Strategie: Handelsriese Metro setzt auf Ausbau der Internet-Shops

Die Verbraucher sind so gut informiert wie noch nie. Dank Internet werden Preise mit wenigen Klicks verglichen. Der Handelsriese Metro steht durch die Online-Konkurrenz unter Druck.

Ohne das Internet läuft im Einzelhandel nicht mehr viel. Schätzungsweise jeder dritte Kauf von Gebrauchsgütern in den Läden wird inzwischen mit einer Online-Recherche vorbereitet, wie das Institut für Handelsforschung (IFH) Köln ermittelte. Damit wird schon ungefähr die Hälfte der stationären Umsätze bei Gebrauchsgütern vom Internet beeinflusst. Gleichzeitig nehmen die Online-Bestellungen rasant zu. Nicht nur Mittelständler, auch Branchenriesen müssen sich strecken. In der Hauptversammlung der Metro AG wurde sogar die Frage laut, ob ein Ausstieg bei Media Markt und Saturn nicht sinnvoller wäre, "bevor sich die Situation noch weiter verschlechtert".

"Wir sind noch ein "Junior Player"", räumte Metro-Chef Olaf Koch mit Blick auf das Online-Geschäft der Elektronikketten vor 900 Metro- Aktionären ein. Die Internetshops von Saturn und Media Markt sind noch keine zwei Jahre lang am Netz - etwa ein Jahrzehnt später als andere Anbieter, wie Kritiker seit längerem bemängeln. "Es ist aus unsere Sicht ein riesige Chance", betonte der Konzernchef. Europas größter Elektronikhändler verknüpfe seine Online-Angebote mit den Läden und erziele damit Kundenzulauf in der Fläche. "Wir können auch Zusatzgeschäft machen." Die deutschen Online-Shops von Media-Saturn planten einen massiven Ausbau ihres Sortiments von 10.000 in Richtung 30.000 Artikeln - mehr als in einem Media Markt zu finden sei.

"Wohin es führt, wenn der richtige Zeitpunkt für den Verkauf versäumt wird, sieht man bei Media Markt und Saturn", sagte Portfolio- Manager Ingo Speich vom Großanleger Union Investment. Die einstige Metro-Vorzeigesparte erscheine in der derzeitigen Aufstellung nicht zukunftsfähig, weil die Konkurrenz und der Preiswettbewerb durch das Internet lange ignoriert und der Trend zu kleinerer Ladenfläche verpasst worden sei. "Amazon und die restliche Online-Welt machen Media Markt und Saturn das Leben schwer, der Druck wird weiter zunehmen." Der viel zu späte Start der Online-Shops sei symptomatisch für die Trägheit und mangelnde Innovationskraft des Metro-Konzerns.

Bisherige Online-Strategie gescheitert

Speich bezeichnete die Online-Strategie nach heutigem Kenntnisstand als gescheitert. Der Umsatzanteil der Internetgeschäfte bei Media- Saturn lag 2012 gerade einmal bei vier Prozent. Wenn man den Zukauf des reinen Internethändlers Redcoon herausrechne, ergebe sich ein noch düstereres Bild. Koch erwiderte, dass der Konzernvorstand die Internetgeschäfte mit großer Begeisterung sehe, auch was den Ertrag angehe. Ein Ausstieg bei Media-Saturn sei hingegen keine Option. Der Umsatzanteil der Internetgeschäfte solle bei Media-Saturn bis Ende 2015 auf zehn Prozent steigen, längerfristig in Richtung 20 Prozent.

Der Umsatz von Media-Saturn war 2012 um 1,8 Prozent auf knapp 21 Milliarden Euro leicht gestiegen. Durch umfangreiche Preissenkungen und eine Vorsorge für den teuren Rückzug von Media Markt aus China halbierte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen auf 235 Millionen Euro. In mehreren Quartalen schrieb Media-Saturn rote Zahlen. Den Aktionären bereitet der schwelende Machtkampf zwischen der Metro AG und dem Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals große Sorgen. "Durchschlagen Sie endlich den gordischen Knoten", forderte die DSW-Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher. Vielleicht könnten neue Konzepte wie ein Börsengang die Probleme dauerhaft lösen.

Umsatz von 33 Milliarden Euro im deutschen Online-Handel

Wenige Klicks genügen und der Einkauf ist erledigt: Im vergangenen Jahr wurden 33 Milliarden Euro im Online-Handel in Deutschland umgesetzt. Das ist ein Plus von 15 Prozent. Der Anteil des Internets am Branchenumsatz hat sich laut IFH Köln seit 2007 von 3 Prozent auf 7,7 Prozent im Jahr 2012 mehr als verdoppelt. Ohne die Waren des täglichen Bedarfs macht der Online-Handel bereits gut 14 Prozent am gesamten Einzelhandel aus. Im Bereich Unterhaltungselektronik und Elektro ist der Anteil des Online-Handels laut dieser Studie mit 17 Prozent am höchsten gefolgt von Mode/Accessoires mit 16,8 Prozent.

"Die Währung der Zukunft ist die Zeit", verdeutlichte Rewe-Chef Alain Caparros bei seiner Bilanzvorlage im März. Die Verbraucher würden immer bequemer, bei immer mehr Sortimenten drohe das Abwandern der Einkäufe von Läden zu Internetshops. Der Handelskonzern Rewe stellt seine verlustreiche Elektronikkette ProMarkt, die im Vergleich zu Media-Saturn ein Zwerg ist, auf den Prüfstand, lotet verschiedene Optionen aus. Die Konkurrenz schläft nicht. Das Verbundunternehmen ElectronicPartner plant dieses Jahr einen neuen Anlauf im Internet: Den 700 selbstständigen EP-Händlern in Deutschland soll demnächst die Infrastruktur für virtuelle Ladenlokale bereitgestellt werden.

Volker Danisch, DPA / DPA