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Neues E-Mail-System: Facebook will uns ganz

E-Mail, Chat, SMS - Facebooks neue Funktionen verschmelzen alles. Geht es nach Mark Zuckerberg, kommunizieren wir nur noch in seinem Netzwerk. Ein weiterer Schritt Richtung Webherrschaft.

Von Ralf Sander

Das ist nicht E-Mail", sagt Mark Zuckerberg, als er verkündet, dass in Zukunft jedes Facebook-Mitglied eine E-Mail-Adresse mit der Endung "@facebook.com" bekommen werde. Recht hat der Gründer des größten sozialen Netzwerks: Denn die Mail-Adresse ist nur ein kleines Detail einer viel größeren Veränderung, die Facebook angekündigt hat. Die neue, überarbeitete Form des Nachrichtensystems von Facebook ist nicht E-Mail. Es ist SMS-Chat-Instant-Messaging-Mail. "Facebook Messages" verschmilzt alle im Netz relevanten Kommunikationssysteme. Mit den neuen Funktionen will Zuckerberg Facebook noch tiefer im digitalen Leben seiner Nutzer verankern - und dem großen Konkurrenten Google einen schmerzhaften Schlag versetzen.

Die Grundidee hinter Facebook Nachrichten, wie die Funktion in der deutschen Version heißt: Die digitale Kommunikation soll radikal vereinfacht werden. Früher habe man sich immer überlegen müssen, welche Person man am besten über welchen Kanal erreicht, schreibt Facebook-Entwickler Joel Seligstein im Firmenblog. Seit Jahren lässt sich beobachten, dass besonders Jüngere die E-Mail zugunsten von Echtzeitsystemen wie Chat und Instant Messenger vernachlässigen. Zudem hat die E-Mail ein massives Spam-Problem. Außerdem - das kann jeder an sich selbst beobachten, der Mitglied bei Facebook & Co. ist - laufen viele Gespräche inzwischen innerhalb der sozialen Netzwerke ab. Laut Zuckerberg verschicken 350 Millionen der mehr als 500 Millionen Mitglieder pro Tag rund vier Milliarden Facebook-Nachrichten.

Alles wird eins

Der neue Dienst soll E-Mails, SMS, Instant Messaging, Facebook-Postings und Chat-Dialoge zusammenführen. Auf welchem Weg auch immer die Nachrichten hereinkommen, Facebook sammelt und sortiert sie. Jede über Facebook geführte Konversation, unabhängig von der benutzten Technik, wird gespeichert und ewig nachvollziehbar sein. Der Nutzer soll sich nicht mehr darum kümmern müssen, auf welchem Kanal er antwortet. Die Entscheidung übernimmt die Technik von Facebook, sie hängt vor allem von der Erreichbarkeit und den Einstellungen des Empfängers ab. Außerdem spendiert das Unternehmen jedem Mitglied eine E-Mail-Adresse nach dem Muster "nutzername@facebook.com", um auch von "draußen" erreichbar zu sein. Laut Facebook wird aber niemand gezwungen, sich eine solche E-Mail-Adresse zuteilen zu lassen.

Sozialer Filter gegen Spam - und Langweiliges

Das dritte neue Feature neben der Verschmelzung der Kommunikationskanäle und der Konversationshistorie ist die "Social Inbox". Dieses Postfach behandelt eingehende Nachrichten von Freunden und Freundesfreunden mit der höchsten Priorität und sammelt sie im Hauptordner. Weitere Nachrichten werden gesondert abgespeichert. "Wir finden es falsch, wenn eine Nachricht des besten Freundes zwischen einer Rechnung und einer Mail von der Bank eingequetscht ist", schreibt Facebook-Entwickler Seligstein. Diese anderen Mails seien zwar auch wichtig, doch die Nachricht des Freundes sei bedeutungsvoller. Den sozialen Filter könne man nach eigenen Bedürfnissen einstellen und zum Beispiel nur die direkten Freunde zulassen. Mails von Menschen, die nicht bei Facebook sind, landen zunächst im Ordner "Andere", man kann sie aber einfach in das "soziale Postfach" verschieben. In Zukunft werden sie als Nachrichten von Freunden erkannt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es außerdem möglich sein, Mails von Yahoo-, Googlemail- oder Web.de-Adressen auch in Facebook einlaufen zu lassen.

Und wieder lernt Facebook dazu

Zuckerberg kündigte auch an, dass Facebook Messages Informationen aus dem sozialen Umfeld verwenden wird, um Nachrichten von engen Kontakten zu priorisieren und Spam auszusortieren. Womit wir bei dem eigenlichen Kern des neues Angebots wären: Facebook wird durch diese neuen - vermutlich praktischen und verlockenden - Funktionen noch mehr Informationen als bisher über seine Nutzer und deren soziales Umfeld sammeln. Das bedeutet für das Unternehmen: Es kann Werbung noch präziser auf die Interessen und die Lebensumstände seiner Nutzer zuschneiden. Präzisere Werbung = mehr Einnahmen für Facebook.

Die neuen Kommunikationsfunktionen sind außerdem ein weiterer Köder, um die Nutzer noch tiefer in den Facebook-Garten zu locken. "Walled gardens" werden diese geschlossenen Netze innerhalb des Internets genannt. Dort sollen die Nutzer alles finden, was sie brauchen. Auf dass sie möglichst wenig Lust haben, sich noch in anderen Bezirken des Netz herumzutreiben. Spielen, quatschen, Videos und Fotos konsumieren - das kann man alles tun in Facebook. Schon heute verbringen Internetnutzer mehr Onlinezeit in sozialen Netzwerken als woanders im Web. Längere Aufenthaltszeit = mehr Einnahmen für Facebook.

Wollen wir das?

Wie die versprochene Rundum-sorglos-Kommunikation in Facebook tatsächlich funktioniert, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen. Die neuen Funktionen werden schrittweise eingeführt - und nur per Einladung unters Facebook-Volk gebracht. Ob es die Funktionen annehmen wird, lässt sich schwierig vorhersagen. Mails mit ihrem von Zuckerberg bespötteltem "formellen" Charakter werden im Businessbereich mit Sicherheit das Kommunikationsmittel der Wahl bleiben. Und vielleicht wird vielen Nutzern auch einfach Angst und Bange bei der Vorstellung, dass eine US-Firma ihr gesamtes Kommunkationsverhalten - vom Geschwätz bis zu substanziellen Diskussionsbeiträgen - abspeichert. Denn alles machen die Nutzer doch nicht mit, auch wenn es auf den ersten Blick verlockend erscheint. Das musste der größte Konkurrent von Facebook im Kampf um Werbeeinahmen im Netz bereits lernen: Google. Der Suchmaschinenriese hat die Funktionen, die Zuckerbergs Programmiererteam in einem Jahr entwickelt hat, schon längst. Und ist nicht unbedingt erfolgreich damit.

Googles kostenloses Postfach Googlemail ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Es funktioniert seit Jahren verlässlich, bietet riesigen Speicherplatz und eine gute Suche. Schon seit August gibt es dort die "Priority Inbox", die Mails nach Wichtigkeit sortiert und sich dabei auch sozialer Filter bedient. So weit, so gut. Beim Verschmelzen verschiedener Kommunkationskanäle und bisher getrennter Bereiche des digitalen Lebens ist Google in diesem Jahr aber gleich zweimal auf die Nase gefallen. Das überkomplexe Kommunkationstool Google Wave fand nur eine kleine Fangemeinde. Die Wave-Entwicklung wurde inzwischen eingestellt. Und Googles Social-Media-Erweiterung Buzz, die an den Maildienst angeflanscht wurde, legte einen von Datenschutzproblemen überschatteten Fehlstart hin und gilt als Flop.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Kombination aus E-Mail, Instant Messaging und SMS für Nutzer von Facebook"

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.