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Konkurrenz um Onlinewerbung Google und Facebook gehen aufeinander los


Google und Facebook kopieren schamlos die Erfolgsrezepte des anderen. Die Rivalen konkurrieren um dieselben Werbe-Dollar. Facebook-Gründer Zuckerberg holt nun zum nächsten Schlag aus.
Von Andrea Rungg

Die Geschäftsmodelle von Google und Facebook sorgen zunehmend für Konflikte zwischen den Unternehmen. Erst vor einer Woche platzte dem Chef des Suchmaschinenbetreibers Google der Kragen. Kurzerhand ließ Eric Schmidt die Verbindung zwischen dem hauseigenen E-Mail-Dienst Gmail und Facebook kappen. Millionen von Kunden des bedeutendsten sozialen Netzwerks, die ihre Mails via Google senden, konnten ihr Adressbuch auf der konkurrierenden Plattform nicht mehr nutzen.

Facebook bietet Nutzern immerhin die Möglichkeit ihre E-Mail-Kontakte hochzuladen und dann anhand der E-Mail-Adressen die Profile ihrer Freunde zu suchen. Dazu nutzte Facebook bei Gmail-Konten eine Programmierschnittstelle von Google - bis jetzt. In Zukunft will der Google-Chef nur noch Diensten Zugriff auf die Schnittstelle gewähren, die ebenfalls die Möglichkeit bieten Kontakte in andere Dienste zu exportieren. Facebook erlaubt dies bislang nur wenigen Partnern, darunter Googles Konkurrenten Microsoft.

Die Empfindlichkeit Schmidts kommt nicht von ungefähr: Google und Facebook wetteifern gemeinsam um den Milliardenmarkt für Onlinewerbung. Während Google das Suchgeschäft und die Vermarktung von Suchworten perfekt beherrscht, will Facebook das Geschäft mit Displaywerbung dominieren. Das sind großformatige Anzeigen, die speziell auf die Interessen der jeweiligen Nutzer des sozialen Netzwerks abgestimmt sind. Facebook zeigte nach Angaben des Marktforschers Comscore allein den US-Nutzern im drittel Quartal vier Mal so viele solcher Anzeigen an wie Yahoo , Microsoft , Fox Interactive und Google zusammen.

Ein Grund für den Erfolg: der "Like"-Button. Deshalb weiß Facebook besser als jedes andere Webunternehmen, wofür sich die Nutzer interessieren und damit auch, was eine ansprechende Werbung für ihre Bedürfnisse sein könnte. Erst hatte Facebook diesen Button nur im eigenen Netzwerk platziert, mittlerweile haben ihn etliche andere Websites eingebunden: Nachrichten, Produktbesprechungen, Filmkritiken. Klickt ein Nutzer auf ihn - und das machen viele der mehr als 550 Millionen Facebook-Mitglieder - wird diese Information übermittelt. So kennt Facebook nicht nur Name, Geschlecht, Alter und Profilbild, sondern auch zahlreiche Interessen seiner Mitglieder.

Es wäre nur logisch, wenn Facebook dieses Wissen nutzt und quasi als Dienstleister auch für andere Websites Anzeigen passgenau platziert. Bislang gibt es dazu noch keine offiziellen Pläne. So oder so ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Facebook ausreichend viel Gewinn einstreicht, um an die Börse zu gehen. Die Platzierung gilt als interessanteste der Technologiebranche seit dem Börsengang von Google.

Das nächste Kapitel der Börsenstory soll am Montag geschrieben werden. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg höchstpersönlich hat die Presse eingeladen. Nach Angaben des Technologieblogs Techcrunch soll ein eigener E-Mail-Dienst vorgestellt werden. Bisher können Nutzer nur innerhalb des Netzwerks Mails versenden. Nun sollen die Mitglieder auch eine klassische E-Mail-Adresse erhalten - der nächste Frontalangriff auf Google.

Google seinerseits lässt nichts unversucht, um sich als soziales Netzwerk zu profilieren. Das erste eigene Netzwerk Orkut fand bislang aber fast nur in Brasilien Anklang. Der zweite Versuch namens Buzz bescherte Google mehr Ärger mit Datenschützern als Freude bei den Nutzern.

Ähnlich wie Google baut Facebook angesichts der Informationsflut Datencenter. Erst vergangene Woche gab das Unternehmen bekannt, rund 450 Mio. Dollar in eine Serverfarm in North Carolina zu investieren. Das neue Center soll das Netzwerk auf Zack bringen. Die Abermillionen Nutzer sollen ihre Daten schneller auf den Rechner bekommen - darunter in Zukunft womöglich auch E-Mails.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Kombination aus E-Mail, Instant Messaging und SMS für Nutzer von Facebook"

FTD

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