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Online-Shopping: Bezahlen? Aber sicher!

Das Gedränge in den Kaufhäusern kann auch den gelassensten Zeitgenossen in eine vorweihnachtlich-klaustrophobische Krise treiben. Als geruhsame Alternative bietet sich da das Einkaufen im Internet an. Doch wie bezahlen? Welche Möglichkeiten gibt es, welche sind sicher, welche sollte der Kunde meiden?

Von Rainer Mersmann

Die Klassiker: Rechnung, Nachnahme, Vorkasse

Zahlung auf Rechnung ist für den Verbraucher die sicherste, aber für den Händler die risikoreichste Variante. Der Käufer zahlt die bestellte Ware nach deren Erhalt und Prüfung. Für den Verkäufer besteht das Risiko, dass ein Kunde erst nach mehreren Mahnungen oder überhaupt nicht zahlt. Für kleine Online-Shops kann das existenzbedrohend sein. Zahlung auf Rechnung wird daher fast nur von großen Anbietern, wie beispielsweise Amazon, angeboten.

Relativ sicher für beide Seiten ist der Nachnahmeversand der Ware. Der Käufer zahlt den Preis zuzüglich der Nachnahmegebühr beim Paketboten und ist zumindest sicher, dass er etwas für sein Geld bekommt - allerdings gelegentlich nicht unbedingt das, was er bestellt hatte: Statt des ersehnten PCs bei Ebay gab es auch schon einmal sechs Ziegelsteine für satte 999 Euro. Das Problem: Der Käufer darf das Paket vor Annahme nicht öffnen. Der Verkäufer dagegen ist sicher, dass er sein Geld erhält oder, falls der Kunde das Paket nicht annimmt, seine Ware zurückbekommt. Bei renommierten Händlern ist der Nachnahmeversand eine zuverlässige Methode. Bei unbekannten Versendern bieten diverse Bewertungsportale im Internet die Möglichkeit, sich im Vorfeld einer Bestellung zu informieren.

Aus der Sicht des Händlers die angenehmste, für den Käufer jedoch die risikoreichste Lösung: die Vorauskasse. Firmen, die allein Vorkasse als Zahlungsmöglichkeit anbieten, sollte der Kunde mit einer gehörigen Portion Misstrauen begegnen. Das Risiko, die bezahlte Ware nicht zu erhalten, ist durchaus gegeben. Dabei muss gar nicht einmal betrügerische Absicht im Spiel sein, wie Beispiele aus der Reisebranche oder dem PC-Handel zeigen, bei denen der Händler zwischenzeitlich Konkurs anmeldete. Allerdings ist bei kundenspezifischen Spezialanfertigungen, beispielsweise einem maßgeschneiderten PC, zumindest eine teilweise Vorauskasse durchaus üblich, damit der Händler nicht auf dieser Maßanfertigung sitzen bleibt.

Kreditkarten...

... sind eine viel genutzte und beliebte Möglichkeit zur Zahlung im Internet - vor allem auch bei Bestellungen im Ausland. Aber die Zahlung per Kreditkarte ähnelt der Vorkasse: Erst wird das Kreditkarten-Konto belastet, dann die Ware verschickt. Deshalb gilt auch hier, sich von der Seriosität des Anbieters zu überzeugen. Die Kreditkarten-Gesellschaften halten sich da weitgehend schadlos und verweisen darauf, dass eventuelle Unstimmigkeiten bei der Abrechnung mit dem jeweiligen Händler zu klären sind. Für den Kunden ist es schwierig, sein Geld zurückzubekommen, wenn die Ware nicht geliefert wird.

Auf jeden Fall sollte der Kreditkarten-Inhaber darauf achten, dass seine Daten über eine sichere, verschlüsselte Internetverbindung übermittelt werden. Er kann diese daran erkennen, dass die Internetadresse mit

https://

und nicht mit "http://" anfängt. Anderenfalls werden Name, Anschrift, Kartennummer etc. im Klartext übermittelt und könnten von Dritten abgefangen werden. Auch von der Möglichkeit, die Kartendaten für den nächsten Einkauf auf dem Server des Online-Händlers speichern zu lassen, sollte der Kunde Abstand nehmen - wie einige Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, bei denen derart gespeicherte Daten in die Hände von kriminellen Hackern fielen. Beim Hamburger Ticketverkäufer Kartenhaus beispielsweise hatten unbekannte Täter unlängst tausende Kreditkartennummern und Rechnungsanschriften gestohlen.

Das Lastschrift-Verfahren...

... oder eine Einzugsermächtigung ähnelt dem Kauf auf Rechnung mit den gleichen Risiken für Käufer und Verkäufer: Der Käufer erhält seine Ware, und einige Tage später wird der Betrag vom Bankkonto des Kunden abgebucht; in seltenen Fällen auch vor dem Versand der Ware. Ist die Ware nicht in Ordnung, hat der Käufer die Möglichkeit, innerhalb einer bestimmten Frist bei seiner Bank der Abbuchung zu widersprechen und den Betrag zurückzufordern. Das könnte der Kunde allerdings auch machen, wenn die Ware einwandfrei ist - der Verkäufer ginge dann leer aus, ebenso, wenn das Konto des Käufers nicht über eine ausreichende Deckung verfügt. Dieses Verfahren wird daher ebenfalls nur von einigen großen Online-Händlern angeboten.

Treuhandservice

Das sicherste Verfahren für Käufer und Verkäufer. Der Treuhandservice fungiert dabei als Mittler zwischen Kunde und Händler. Der Kunde zahlt den Preis der Ware nicht direkt an den Händler, sondern an den Treuhänder. Dieser teilt dem Händler den Eingang des Geldes mit, der die Ware dann an den Käufer verschickt. Erst wenn der Käufer den ordnungsgemäßen Erhalt der Ware bestätigt, überweist der Treuhänder das Geld an den Verkäufer. Aber für solch einen Service verlangen die Treuhänder eine Gebühr - für hochpreisige Waren ist dieser Dienst aber immer zu empfehlen. Neben einigen Geldinstituten bietet die Firma "iloxx" unter dem Namen "Safetrade" einen solchen Service für den deutschsprachigen Raum an. Die Gebühren für den Safetrade-Service liegen zwischen 4,50 Euro (Warenwert bis 250 Euro) und 100 Euro (Warenwert bis 50.000 Euro).

Giropay

Seit 2006 wird dieser Service von einigen Banken und Sparkassen angeboten. Zurzeit bieten aber nur wenige Online-Shops diese Variante an, bei der der Kunde nach Eingabe seiner Kontonummer und Bankleitzahl auf die Online-Bankingseite seiner Bank weitergeleitet wird. Dort wird der Kauf durch eine Online-Überweisung mittels PIN und TAN abgewickelt. Dadurch, dass der Käufer bei der Überweisung die realen Kontodaten des Verkäufers erhält, ist er bei diesem Verfahren vor Betrügern weitgehend geschützt. Allerdings besteht, wie auch beim normalen Online-Banking, die Gefahr von Phishing-Angriffen.

Paypal

Der Online-Bezahlservice des Auktionshauses Ebay. Der Kunde eröffnet ein Paypal-Konto, das mittels Überweisung oder Kreditkarte gefüllt wird. Der Transfer des Geldes ist relativ sicher, und es gibt einen Käuferschutz bei Einkäufen bis 500 Euro. Eine weitere Besonderheit des Paypal-Kontos ist, dass es auch für Geldeingänge genutzt werden kann, für die Ebay aber eine geringe Gebühr berechnet. Inzwischen nutzen außer Ebay auch andere Online-Shops die Bezahlmöglichkeit per Paypal-Konto. Im September ist Paypal allerdings unrühmlich in die Schlagzeilen geraten, da es Hackern gelungen war, über Sicherheitslücken im Paypal-System an Ebay-Kundendaten zu gelangen und diese für Betrugsversuche zu nutzen. Die Lücke wurde jedoch schnell geschlossen.

Sonderformen: Firstgate, T-Pay, Handy-Payment

Für kleinere Beträge, wie sie beispielsweise beim Lesen kostenpflichtiger Zeitschriftenartikel anfallen, bietet sich "Click&Buy" von Firstgate an. Nach der Anmeldung bei Firstgate kann mit einem einfach Mausklick bezahlt werden. Von Firstgate gibt es dann monatlich eine Rechnung der angefallenen Kosten zuzüglich einer geringen Bearbeitungsgebühr. Die Zahlung kann per Kreditkarte, Lastschrift, Rechnung oder Prepaid-Karte erfolgen.

T-Pay, das Verfahren der Deutschen Telekom, beruht auf der Erkennung des Kunden über seine T-Online-Benutzerdaten, sofern er T-Online-Kunde ist, beziehungsweise über seine IP-Adresse. Auch für dieses Bezahl-System muss sich der Kunde erst anmelden, und es ist ebenfalls eher für kleine Beträge geeignet. Die Abrechnung ist über die Telefonrechnung (nur für T-Home-Kunden), per Kreditkarte, Lastschrift oder anonym mittels einer wiederaufladbaren Guthabenkarte (Micromoney) möglich. Wer allerdings seinen PC per WLan ins Internet schickt und T-Pay nutzt, sollte für einen ausreichenden Schutz des drahtlosen Netzwerks sorgen - sonst kann es passieren, dass die Pay-per-View-Filme, die der Nachbar bestellt hat, auf der eigenen Telefonrechnung auftauchen.

Seit der Umstellung der Mehrwehrt-Telefondienste von der Vorwahl 0190 auf 0900 dürfen über die 0900er-Nummern auch Waren und Dienstleistungen abgerechnet werden. Die Bezahlung erfolgt beim Handy-Payment über den Anruf einer solchen kostenpflichtigen Rufnummer. Als Beispiel seien hier Spendenaufrufe genannt, wo mit einem Anruf ein bestimmter Betrag gespendet wird. Für Kleinbeträge gewinnt diese Art der Zahlung langsam an Bedeutung. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, weil einige betrügerische Firmen versuchen, dem Kunden statt eines einmaligen kostengünstigen Angebots teure Abos unterzujubeln.

Fazit

Nicht jedes Verfahren eignet sich für jeden Zweck. Bei teuren Artikeln liegt der Kunde mit einem Treuhandservice auf der sicheren Seite. Ansonsten sind Rechnung oder Lastschrift, falls Händler dies anbieten, für den Kunden die beste Wahl. Bei kleinen Beträgen ist der Service von Firstgate sicherer als die Dienste der Mitbewerber. Und wer kleine blaue Stärkungspillen per Kreditkarte in China bestellt, sollte sich des Risikos bewusst sein. Aber wer verschenkt so etwas Ausgefallenes schon zu Weihnachten?

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  • Rainer Mersmann