Online-Shopping Vorsicht vor Vorkasse


Selbst erfahrenen Internet-Nutzern passiert es: Auf der Suche nach einem Schnäppchen überweisen sie Geld für Waren, die sie nie bekommen. Zahlungen im Voraus sorgen immer wieder für Ärger im Internet.
Von Maximilian Geyer

Yvonne Lammé ist seit Jahren im Internet unterwegs, bezeichnet sich als erfahrene Surferin. "Ich habe bislang nur gute Erfahrungen mit Online-Shopping gemacht", sagt die 38-jährige Chefsekretärin aus Hamburg. Anfang Juni bestellte sie eine Digitalkamera beim österreichischen Online-Shop www.bananamedia.at. Die Preise des Technik-Versands waren äußerst günstig, die Aufmachung erschien vertrauenswürdig. Sogar ein Logo "Geprüfter Shop" samt Zertifikat schmückte die Startseite.

Um hohe Nachnahmegebühren zu sparen, bezahlte Lammé per Vorkasse und überwies fast 180 Euro auf das Konto des österreichischen Unternehmens. Die versprochene Ware hat die Hamburgerin jedoch nie erhalten. Nach zwei Wochen stornierte sie ihren Auftrag. Auf E-Mails, Faxe und Anrufe reagierten die Österreicher mit Vertröstungen und Versprechungen - doch ihr Geld sah die Kundin nicht.

Nur wer Druck macht, hat eine Chance

Bei weitem kein Einzelfall: Den Verbraucherschützern ist die Seite bestens bekannt. "Noch nie hatten wir eine solche Flut an Beschwerden über einen einzigen Anbieter", sagt Renate Wagner vom österreichischen Verein für Konsumenteninformation. Sie rät den Betroffenen, nicht locker zu lassen.

Yvonne Lammé griff zu drastischen Maßnahmen: Rund drei Monate nach der Bestellung erstattete sie Anzeige wegen Betrugverdachts bei der Wiener Polizei und drohte den Betreibern mit weiteren rechtlichen Schritten. Nach einem Telefonat mit dem Bananamedia-Anwalt und weiteren drei Wochen Wartezeit geschah das, woran die Online-Shopperin kaum noch geglaubt hatte: Sie bekam tatsächlich ihr Geld zurück. Fast vier Monate nach dem vermeintlichen Schnäppchenkauf.

So viel "Glück" hatten andere Bananamedia-Kunden noch nicht - und warten weiterhin. Täglich dürften es mehr werden. Nach wie vor ist die Seite aktiv und wirbt mit aggressiven Niedrig-Preisen um Neukunden. Über ihren Anwalt bitten die Betreiber um Verständnis: "Die Frustration der Kunden ist sicher begreiflich". Schuld seien aber Konkurrenten, die gezielt "negative Publicity" in Foren verbreiten würden, was eine Vielzahl von Kundenstornierungen zur Folge habe. Das wiederum führe zu Verzögerungen bei Rückzahlungen - behauptet Bananamedia.

Wechselnde Namen, die gleiche Masche

Der österreichische Fall mag besonders spektakulär sein - der einzige ist er aber bei weitem nicht. Immer wieder tauchen auch in Deutschland Shop-Betreiber auf, die im Internet meist Technik-Artikel zu sehr günstigen Preisen anbieten. Der Kunde zahlt im Voraus - und bekommt weder die Ware noch das Geld zurück. "Ich habe mein Vertrauen ins Internet verloren", klagt ein Geprellter in einem Forum. Ein anderes Vorkasse-Opfer stellt resigniert fest: "Selbst jahrelange Erfahrung im Onlineshopping und eine Tätigkeit als IT-Profi bewahren offensichtlich nicht vor Betrug."

Die Seiten, auf denen diese und etliche andere Leidensgenossen abgezockt wurden heißen www.technibroker.de oder www.besthifi.de und waren auf Firmen in Berlin angemeldet. Die Justiz ist mehr oder weniger machtlos: Anzeigen konnten nicht zugestellt werden, da Firmenadressen und Kontaktpersonen nicht auffindbar waren. Zwar haben die genannten Seiten mittlerweile ihren Betrieb eingestellt, doch schon warnen Internet-Nutzer in einschlägigen Verbraucher-Foren vor neuen Internet-Shops wie www.qualitytech.de, die denen der vermeintlichen Betrüger verdächtig ähnlich sind.

Überweisung im Voraus am unsichersten

Der effektivste Schutz vor Abzocke und Ärger ist es, Vorkasse-Zahlungen ganz zu unterlassen. Dazu raten auch die Verbraucherzentralen. "Überweisungen können, anders als Zahlungen per Lastschrift, nicht mehr rückgängig gemacht werden", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Auch bei Insolvenz des Unternehmens ist das Geld meist futsch: Allein die Kosten für die Anmeldung der Forderung können höher sein als der Betrag, der aus der Konkursmasse zu erhalten wäre.

Der Königsweg für den Kunden ist die Zahlung auf Rechnung - also nach Erhalt der Ware. Doch was ist, wenn sich ein Händler nicht auf den für ihn risikoreichen Versand auf Rechnung einlässt? "Dann sollte, gerade bei größeren Summen, ein seriöser Treuhänder eingeschaltet werden - zum Beispiel eine Bank oder eine Versicherung. Sie garantieren dem Händler die Zahlung, doch dieser erhält das Geld erst, wenn der Kunde die Ware auch wirklich bekommen hat", rät Hagen.

Ebenfalls empfehlenswert sind Käuferschutz-Garantien namhafter Internet-Zahlungsdienste wie Paypal. Nachnahmezahlungen bieten hingegen keinen Schutz vor Betrug: Meist muss der Kunde die Ware bezahlen, bevor er den Inhalt prüfen konnte. Auch vor Kreditkartenzahlungen ist eher abzuraten, da mit den Daten Missbrauch getrieben werden könnte.

Verbraucherberichte helfen

Egal welchen Zahlungsweg der Kunde wählt: Hundertprozentige Sicherheit beim Online-Shopping gibt es nicht. Daher empfiehlt es sich, nicht nur auf den Preis zu achten und gerade bei günstigen Angeboten besonders genau hinzuschauen. Ist der Shop unbekannt, sollte man vorher nach den Erfahrungen anderen Kunden suchen.

Im Nachhinein hätte das Yvonne Lammé einiges an Ärger erspart. Gibt man bei Google "Bananamedia" ein, führt schon der zweite Treffer zu verärgerten Verbraucherberichten, die vor der Seite warnen. Nun stehen dort auch ihre Erfahrungen: "Man muss diesen Leuten doch das Handwerk legen."


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