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Oscar-Filme illegal im Netz Weihnachten für Raubkopierer


Für Raubkopierer ist die Oscar-Saison die beste Zeit des Jahres: Innerhalb weniger Wochen landen Dutzende Top-Filme in HD-Qualität illegal im Netz. Für Hollywood ist es ein aussichtsloser Kampf.
Von Christoph Fröhlich

Der Film "American Sniper" mit Bradley Cooper als Elite-Scharfschützen bricht nicht nur an amerikanischen Kinokassen alle Rekorde, er ist auch einer der heißesten Anwärter auf den diesjährigen Oscar. Gleich sechsmal ist das Kriegs-Epos für den begehrten Goldknaben nominiert. Hierzulande müssen sich Film-Fans allerdings noch gedulden: Erst ab 26. Februar läuft der umstrittene Streifen von Hollywood-Legende Clint Eastwood im Kino, vier Tage nach der Oscar-Gala.

Vielen deutschen Fans dauert das zu lange - und sie greifen zur illegalen Version aus dem Netz. Auf Raubkopie-Portalen erfreut sich der Scharfschützenfilm seit dem 7. Januar großer Beliebtheit. Und "American Sniper" ist kein Einzelfall: In diesem Jahr stehen bereits 34 von insgesamt 36 nominierten Filme im Netz, darunter auch heiße Oscar-Anwärter wie die schwarze Komödie "Birdman" oder "The Imitation Game", in dem Benedict Cumberbatch den Enigma-Entschlüssler Alan Turing mimt. Wie kann das sein?

Die Spur führt häufig nach Hollywood

Mit heimlich im Kinosaal aufgenommenen Filmchen haben die Raubkopien nicht mehr viel zu tun. Die meisten Blockbuster landen in DVD-Qualität von sogenannten Screenern auf den Festplatten der Filmpiraten. Als Screener bezeichnet man in der Filmbranche eine Kopie, die vor dem offiziellen Kinostart an Journalisten und Mitarbeiter im Filmgeschäft verschickt wird - oder eben an die Oscar-Jury. Die wahlberechtigten Mitglieder der Academy erhalten Kopien der nominierten Filme, um sich vor der Abstimmung eine Meinung über die nominierten Werke bilden zu können.

Doch einige Hollywood-Größen und deren Mitarbeiter zeigen sich offenbar teilfreudiger als von den Studios gedacht: Immer wieder landen die streng vertraulichen Screener im Netz. Im vergangenen Jahr sorgte eine Kopie des US-Films "Das geheime Leben des Walter Mitty" mit Ben Stiller in der Hauptrolle für Wirbel: Dank eines Wasserzeichens im Film konnten die Studios feststellen, dass die Raubkopie aus dem Umfeld der US-Komikerin und letztjährigen Oscar-Moderatorin Ellen DeGeneres stammte. Vermutlich hat ein Mitarbeiter ihrer TV-Sendung den Film ins Netz geladen. 2011 konnte auf diese Weise eine frühe Raubkopie des Spielberg-Films "Super 8" bis zum Radio-Moderator Howard Stern zurückverfolgt werden.

Bessere Qualität als in Hollywood

Doch der moderne Raubkopierer von heute lässt sich selbst mit DVD-Screenern kaum noch hinterm Ofen hervorlocken: Der Unternehmer und Blogger Andy Baio zeigt in einer Untersuchung, dass von den diesjährigen illegalen Kopien nur noch ein Drittel auf Screener zurückggeht. Im Jahr 2004 waren es dagegen noch 89 Prozent. Die Mehrzahl der Filme wird heutzutage direkt als digitale, hochauflösende Kopie von den Servern der Film-Studios oder auf dem Transport zum Kino abgegriffen, bevor die offiziellen Screener überhaupt im Briefkasten der Hollywood-Stars liegen. Viele Raubkopierer dürften die Filme deshalb in besserer Qualität auf dem heimischen Sofa anschauen können als viele Hollywood-Stars. 


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