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Sparks Internationaler Schlag: Razzien in 18 Ländern versetzen Raubkopierer-Szene in Schock

Kickass Torrent Raubkopie
Illegale Kopien sind weltweit immer noch weit verbreitet
© AzmanJaka/iStockphoto
Die Szene-Gruppe Spark veröffentlichte Hunderte Filme im Netz. Jetzt schlugen die Behörden in 18 Ländern gleichzeitig zu. Die Szene ist wie eingefroren.

Trotz des Streaming-Booms setzen immer noch viele Nutzer lieber auf illegale Kopien aus dem Netz, statt sich eine Blu-ray zuzulegen. In einer der größten internationalen Polizei-Aktionen haben die Behörden der Szene gerade einen empfindlichen Schlag versetzt. In 18 Ländern wurden 60 Server beschlagnahmt, es gab Verhaftungen. Die Szene dürfte an der Aktion noch länger zu kauen kamen.

Die Gruppe Sparks, gegen die sich die Aktion richtete, soll laut 2011 Filme und Serien vom Kopierschutz befreit und im Netz verfügbar gemacht haben, so der Vorwurf. Gegen drei Männer wurden Haftbefehle erlassen, jeweils einer wurden in den USA und Zypern verhaftet, der dritte, Codename "Artist" wird in seiner Heimat Norwegen noch gesucht, das gaben die US-Behörden am Mittwoch bekannt.

Hunderte hochgeladene Filme und Serien

Den zwischen 36 und 50 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, sich unter Vortäuschung falscher Tatsachen von Großhändlern mit den neuesten Filmen noch vor Verkaufsstart versorgt zu haben, um diese dann im Netz anzubieten. Die Veröffentlichungsliste auf der Szene-Seite "Xrel" listet Hunderte Einträge der Gruppe. Ihnen drohen nun wegen Urheberrechtsverletzungen und krimineller Verschwörung bis zu fünf Jahre Haft, dem in Zypern verhafteten britischen Staatsbürger drohen wegen Überweisungsbetrug bis zu 20 weitere Jahre Gefängnis.

Der Schaden liege im zweistelligen Millionenbereich, geht aus der Anklage hervor. "Da bei solchen Angaben in der Regel Downloads mit bezahlten Käufen gleichgesetzt werden, sind diese Schätzungen aber mit Vorsicht zu genießen", erklärt Lars Sobjrai, der im Blog "Tarnkappe" über die Szene berichtet.

Die Szene unter Schock

In der Szene ist der Effekt spürbar, sie steht quasi unter Schock. "Es kommt seit der Aktion sehr wenig heraus, sowohl bei Filmen als auch im ebenfalls wichtigen Pornobereich", so Sobiraj. "Der Kreis der Aktiven ist letztlich nicht sehr groß, sie scheinen die Szene im Mark getroffen zu haben", schätzt der Experte die Lage ein. Diejenigen, die nicht erwischt wurden, würden gerade lieber die Füsse still halten.

Es sei eine der aufwendigsten Polizeiaktionen in der Szene, so Sobiraj. "Zuletzt war es bei Operation Fastlink so groß." In der in der Szene legendären Aktion hatte das FBI 2004 gemeinsam mit anderen Behörden in zehn Ländern an die Hundert Personen verhaftet. "Danach war es erst einmal lange sehr ruhig. Auch jetzt wird erstmal eine ruhigere Phase kommen", schätzt Sobiraj. Die Akteure scheinen enorm verunsichert. Laut der Szene-Seite "Torrentfreak" seien viele wichtige Seiten und die Köpfe dahinter vorerst abgetaucht. 

Empfindlicher Schlag

Die Folgen dürften alleine wegen der beschlagnahmten Server noch lange zu spüren sein. Über sie werden die geknackten Medien zuerst verteilt, sickern dann erst langsam ins Netz. "Das ist eine Art Pyramide. Die Szene ist an der Spitze, da kommt das Material her. Sie benutzt nur FTP-Server", erläutert Sobiraj die Verbreitung der Daten. "Dann verbreitet sich das rasant über One-Click-Hoster wie Uploaded, Torrents und auch das Usenet. Und am Ende auf Streamingseiten wie Kinox." Erst dann wären die Medien auch für Nutzer außerhalb des engen Kerns verfügbar. Da die Server und auch die Lieferanten nun ausfielen, dürfte der Effekt nachhalten.

Für die Normalnutzer drohen durch die Aktion wohl keine rechtlichen Folgen. Da der Zugriff auf die Server ohnehin der Szene vorbehalten ist, kommen die einfachen Downloader bei der Aktion nicht als Betroffene vor. Für die Behörden dürfte der Effekt ohnehin größer sein, als bei Abmahnungen von Nutzern. So, wie wenn man statt der Konsumenten die Drogendealer erwischt hätte.

Quelle: Anklage, Tarnkappe, Xrel, Torrentfreak


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