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200.000 Klicks oder Geldstrafe: Skurrile Strafe für Raubkopierer: Youtube-Clip statt Schadensersatz

 Acht Jahre lang lud ein Tscheche jede Menge Software, Filme und mehr ins Netz. Dann kam die Polizei. Nun wurde er verurteilt - zu einer außergewöhnlichen Strafe.

Raubkopierer Youtube

Auf Youtube soll Raubkopierer Jakub F. 200.000 Klicks erreichen - als Strafe

Jeden Tag laden Nutzer illegal Filme, Videospiele, Software und Musik aus dem Internet - kostenlos. Den Entwicklern und Vertreibern ist das natürlich ein Dorn im Auge, schließlich gehen ihnen nach eigenen Angaben Millionen durch die Lappen. Noch mehr als die Downloader hassen sie nur die so genannten "Upper". Die stellen die Tausenden Dateien überhaupt erst zum Herunterladen bereit. Kein Wunder also, dass die Rechteinhaber sie bestraft sehen wollen. Das kann allerdings merkwürdige Blüten treiben.

Der Tscheche Jakub F. war einer dieser Upper. Er lud über Jahre Hunderte Filme, Programme und Serien ins Netz. Er packte die Dateien auf Online-Speicherdienste und verteilte Links zum Download in verschiedenen Foren. Bis irgendwann die Polizei vor der Tür stand. Die durchsuchte seine Wohnung, beschlagnahmte Computer, DVDs und Festplatten. Die Beweise reichten für eine Anklage und schließlich ein Urteil: Drei Jahre auf Bewährung gab es für den passionierten Raubkopierer. Doch damit war es noch nicht vorbei.

350.000 Euro Schaden

Denn so billig ließen die geschädigten Unternehmen ihn nicht davonkommen. Microsoft, der US-Kabelsender HBO, Sony Music und das Filmstudio Twentieth Century Fox hatten als Nebenkläger am Prozess teilgenommen, mit happigen Forderungen. Mehr als 350.000 Euro hatte F. ihren Berechnungen zufolge an Schaden angerichtet, den Löwenanteil von knapp 200.000 Euro mit Microsoft-Produkten. Doch F. hatte Glück.

Dem Gericht war durchaus klar, dass er einen Schadensersatz in dieser Höhe niemals hätte abzahlen können. Ob die Zahlen so stimmten, war ohnehin nicht klar. Die Rechteinhaber neigen bei Urheberrechtsverstößen dazu, pro heruntergeladener Kopie einen verpassten Verkauf anzurechnen, obwohl sicher nicht jeder Downloader das Programm auch gekauft hätte. Deshalb schlug das Gericht eine alternative Strafe vor: Statt den Rest seines Lebens den Schadensersatz abzuzahlen, sollte F. in einem Youtube-Clip mitspielen und mit diesem 200.000 Klicks erreichen - oder er hätte zahlen müssen

Ziel schon erreicht

Wie es aussieht, ist F. noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Der am vergangenen Sonntag hochgeladene Clip gegen Raubkopien hat das Ziel bereits deutlich übertroffen. Fast 500.000 Nutzer haben zugesehen, wie F. in dem professionell gemachten Kurzfilm seine Geschichte als Raubkopierer erzählt. Auf der eigens kreierten Seite zum Clip erzählt er seine Sicht der Geschichte: "Ich habe nie gedacht, dass ich den großen Unternehmen schaden würde", erklärt er. "Zumindest wollte ich das nie. Ich tat es schließlich nicht für das Geld. Es machte mir einfach Spaß."  Zumindest ein großer Teil der Strafe soll ihm laut eigenen Angaben nun erlassen werden. Seine Lektion scheint er gelernt zu haben. "Ich dachte, dass ich ein zu kleiner Fisch sei. Doch dann erwischten sie mich".

Ob die Image-Kampagne gegen Raubkopien inklusive Youtube-Pranger ihren Zweck erfüllt, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Zumindest bei Youtube sieht das aktuell nicht so aus. Dort sind die Kommentare vor allem voller positiver Worte für F., die Rechteinhaber und ihr Videopranger kommen dagegen nicht besonders gut weg.