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Gericht erlaubt Provider-Sperren: Sperrung illegaler Inhalte: Stehen Kinox.to und Co. vor dem Aus?

Internet-Provider müssen in Zukunft Seiten mit illegalen Inhalten sperren. Sind kinox.to und Co. nun am Ende? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

kinox

Kinox ist weiterhin eines der beliebtesten illegalen Streaming-Portale

Auch wenn es mit Netflix, iTunes und Co. längst jede Menge legale Möglichkeiten gibt, im Internet an Filme, Serien und Musik zu kommen, erfreuen sich illegale Portale wie kinox.to oder Popcorntime weiterhin großer Beliebtheit. Der Grund ist klar. Dort gibt es die Inhalte häufig viel früher als auf den legalen Plattformen - und zudem noch kostenlos. Den Rechteinhabern ist das verständlicherweise ein Dorn im Auge. Jetzt haben sie sich vor Gericht durchsetzen können. Ist dies das Ende der illegalen Streaming- und Download-Portale? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was genau ist passiert?

Seit Jahren versuchen die Rechteinhaber, also Musiklabels, Filmstudios und ähnliche Unternehmen, die Internetprovider dazu zu zwingen, das Aufrufen der illegalen Angebote zu sperren. Alle Kunden eines Anbieters können diese Seite dann nicht mehr öffnen. Die Provider wehrten sich bislang erfolgreich dagegen, auch vor Gericht. Nun hat der Bundesgerichtshof entschieden: Sie müssen tatsächlich sperren.

Wird jetzt jede illegale Seite geblockt?

Nein, denn das Gericht hat den Einsatz der Sperre als letztes Mittel stark reglementiert. Die Internetanbieter können nur dann die Sperrung eines Angebots beantragen, wenn alle anderen Wege erschöpft sind. Das ist dann der Fall, wenn sowohl der Betreiber des illegalen Angebots als auch der Dienst, über den die Webseite läuft, nicht greifbar sind. Etwa, wenn sich die Server im Ausland befinden oder unter falschem Namen registriert sind. Genau das trifft bei vielen Seiten mit illegalen Inhalten zu. Das Gericht sieht den Einsatz von Privatdetektiven und das Einschalten von staatlichen Behörden als zumutbaren Aufwand für die Rechteinhaber an. Erst, wenn auch das nichts bringt, müssen die Provider sperren.

Sperrt jeder Anbieter die gleichen Seiten?

Nein, denn jeder Anbieter muss einzeln zur Sperrung aufgefordert werden. Das kann dazu führen, dass etwa kinox.to bei der Telekom aufrufbar bleibt, bei Vodafone aber gesperrt ist. Zumindest, bis dort ebenfalls der Antrag zur Sperrung eingegangen ist. Vermutlich werden vor allem die großen Internetprovider sperren müssen - schließlich lohnt sich dort der Antrag am meisten.

Ist das das Ende von Kinox und Co.?

Vermutlich nicht. Wenn sich in der Vergangenheit eines gezeigt hat, dann, dass die Szene beim Angebot von Raubkopien unglaublich kreativ ist. Und meist auch noch einen Schritt voraus. Sollte eine Seite gesperrt werden, wird diese entweder Wege finden, die Sperre zu umgehen - oder eben einfach auf eine andere Seite umziehen. Dazu kommt, dass die Seiten ja nur bei einzelnen Anbietern in Deutschland gesperrt sind und von den anderen Anbietern und aus dem Ausland ganz normal weiter abgerufen werden können.

Was kann ich tun, wenn mein Anbieter meine Lieblingsseite sperrt?

Das kann aktuell noch niemand sagen, es dürfte in Zukunft aber Wege geben, die Sperren zu umgehen. Noch ist zwar unklar, wie die Anbieter sperren, besonders viel Aufwand werden sie sich wahrscheinlich aber nicht machen. Schließlich kann ihnen herzlich egal sein, was die Kunden für Seiten aufrufen - der Anbieter verdient ja letztlich nichts an den gezeigten Inhalten. Die Anbieter werden deshalb wohl einfach die gesamte Web-Adresse des illegalen Angebots sperren. Das lässt sich aber mit geringem technischen Aufwand umgehen. Erst, wenn ein Gericht die Anbieter zu komplexeren Sperren zwingen sollte, könnte es schwieriger werden.

Haben die Rechteinhaber bekommen, was sie wollten?

Nein. Ihnen wäre eine einfache und günstige Variante am liebsten gewesen: Sie zeigen, wo die Inhalte sind, die Provider müssen sperren, möglichst ohne, dass man die Sperre umgehen kann. Genau das ist aber nicht passiert. Stattdessen müssen sie erst aufwändig recherchieren, wer die illegalen Anbieter sind - und die Kosten dafür selbst tragen.