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Peinliche Polizei-Werbung: Mit hippem Youtubeclip auf Nachwuchsfang

Die Polizei in NRW betritt bei der Nachwuchswerbung Neuland: Auf Youtube sollen potentielle Beamte mit lustigen Clips begeistert werden. Das kann nicht gut gehen.

Von Jannis Frech

Mit Werbung ist das so eine Sache. Sie muss auffällig sein, aber glaubwürdig. Und sie muss die Zielgruppe treffen, was besonders bei der Jugend schwer ist. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen wagt seit ein paar Tagen diese Gratwanderung – und erntet prompt Spott im Netz. "Ich bin verwirrt", "wie peinlich" und "fremdschäm" lauten die Kommentare. Was ist passiert?

Die Beamten suchen Nachwuchs. Warum also die Jugend nicht dort abholen, wo sie sich vermeintlich eh tummelt? Richtig: Auf Youtube! Mit drei eingängigen Filmchen im eigenen Kanal will das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (die heißen wirklich so) auf sich aufmerksam machen. Das ist gelungen: Die Mehrheit der Bewertungsdaumen senkt sich eindeutig nach unten.

Thorben und Mirko sind am Start

Da ist Thorben, der hat sich beworben. Daraus kann man einen Reim machen, muss man aber nicht. Im sehenswertesten der drei Videos rappen zwei Polizisten unter diesem simplen Motto einem überraschten Jugendlichen ein Begrüßungsständchen.

"Kollege halt' dich fest, denn du bist jetzt mit dabei.
Mit sofortiger Wirkung bist du bei der Polizei."

Oder, ein weiteres Schmankerl:

"Korrekt, du fragst dich nach dem Stundenlohn.
Du kriegst 'ne Waffe, kriegst 'ne Mütze und ein Megaphon!"

Das ist sprachlich unbeholfen, das reimt sich notgedrungen: Dendemann würde weinen.

In einem zweiten Clip singen die beiden Beamten - übrigens Schauspieler - einem verdutzt dreinblickenden Mirko in der Straßenbahn ein Ständchen.

"Die Testergebnisse war'n gut, die Fitness überzeugend. Fiderallala, fiderallala…"

Natürlich kann das nicht ernst gemeint sein. Handelt es sich also um gelungene Selbstironie? Die Nutzer haben ihre Zweifel: "Das ist NICHT selbstironisch. Das ist einfach nur Schlecht!!!!!". "Eagle9999" ist diese Aussage gleich fünf Ausrufezeichen Wert.

Bei der Landesbehörde reagiert man entspannt. "Wir wollten mal andere Wege beschreiten", sagt Victor Ocansey, zuständiger Pressesprecher der Polizei NRW. Die Resonanz sei durchaus positiv. Eine Kommissarin aus Nordrhein-Westfalen sieht das allerdings anders. "Au Weia! Ziemlich peinlich", sagt sie. Und ergänzt: "Echte Polizisten hätten sich dafür nicht gefunden."

Am Ende ist die Strategie wohl so einfach wie listig. Die Aufmerksamkeit ist schließlich hoch, daran ändern auch hämische Kommentare nichts. Allen Interessierten sei deshalb gesagt: Die Bewerbungsfrist endet am 2. Oktober. Bewerbungen per Youtube-Video sind leider nicht möglich.