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Abgesicherte Bezahlung So will Ebay Kleinanzeigen sein Betrugs-Problem in den Griff bekommen

Betrug findet bei Ebay Kleinanzeigen vor allem beim Kauf über Versand statt.
Betrug findet bei Ebay Kleinanzeigen vor allem beim Kauf über Versand statt.
© fizkes
Immer wieder berichten Nutzer von Ebay Kleinanzeigen davon, wie sie über das Portal abgezockt wurden. Mit einer neuen Maßnahme will der Konzern das Problem nun in den Griff bekommen. Das Prinzip ist für die Kunden nicht neu - sorgt bei Verbraucherschützern aber nur bedingt für Begeisterung.

Es ist schon fast ein Klischee: Man kauft etwas über eine Kleinanzeige, bezahlt brav vorab - und erhält dann keine oder eine nicht der Beschreibung entsprechende Ware. Und genau das passiert auch Nutzern von Ebay Kleinanzeigen immer wieder. Mit einer neuen Bezahlfunktion will das größte Kleinanzeigen-Portal Deutschlands die Probleme in den Griff bekommen: Wer will, kann seinen Kauf gegen Gebühr absichern lassen.

"Das funktioniert nach dem Treuhand-Prinzip", erklärt Pierre du Bois, Pressesprecher von Ebay Kleinanzeigen gegenüber dem stern. Wählt man die Funktion zum sicheren Zahlen aus, übernimmt die von Ebay Kleinanzeigen beauftragte Firma Online Payment Plattform, kurz OPP, aus den Niederlanden die Zahlung und bewahrt das Geld 14 Tage im Name des Käufers auf. Gibt es eine Beschwerde, etwa weil das Paket nicht ankommt oder der Zustand nicht der Beschreibung entspricht, kann der Käufer das Geld zurückfordern oder eine Anpassung des Preises verlangen. Bestätigt er den korrekten Erhalt der Ware, wird das Geld aber sofort ausgezahlt.

Der Käufer entscheidet

Die Funktion wird zunächst für ausgewählte Produktbereiche freigeschaltet, so Ebay. Darunter sind etwa Spielzeug oder Notebooks, sie soll demnächst langsam erweitert werden. "Zunächst werden wir die Option nur für Käufe bis 1000 Euro anbieten", führt du Bois aus. Als Zahlungsmethoden stehen die klassische Überweisung, aber auch Sofort-Überweisung oder die Zahlung per Kreditkarte zur Wahl. Ausgeschlossen sind Verkäufe vor Ort, Dienstleistungen und Waren, die nicht versendet werden können.

Eine Besonderheit macht die Option für Verkäufer attraktiv: Die Entscheidung über die sichere Bezahlung trifft der Käufer - und der trägt auch die Kosten. "So kann jeder selbst entscheiden, ob man auf Nummer sichergehen oder einige Euro weniger zahlen will", erklärt du Bois. Die genaue Höhe der Sicherungsgebühr hat Ebay noch nicht angekündigt. Orientiert man sich am Markt, dürfte sie sich im Bereich von 2-5 Prozent bewegen.

Von Lokalanzeigen zum deutschlandweiten Markt

Dass diese Maßnahme nötig wird, liegt auch daran, dass sich Ebay Kleinanzeigen im Laufe der Zeit teilweise vom ursprünglichen Konzept wegentwickelt hat. Eigentlich war der Dienst vor allem als digitale Variante der lokalen Kleinanzeigen in der Zeitung gestartet. "Der Versand ist immer wichtiger geworden", erläutert du Bois. "Vor der Corona-Krise hatten wir in vielen Rubriken sogar die Pflicht, die Ware zur Abholung anzubieten. Das haben wir mit Blick auf Corona bis auf weiteres ausgesetzt." Mittlerweile ist es sogar anders herum: In Rubriken wie Babykleidung müssen die Verkäufer bei neuen Anzeigen auch den Versand anbieten, wenn der Käufer das wünscht.

Mit der Zunahme des Versands nehmen auch die Betrugsfälle zu. "Dass Käufer von Angesicht zu Angesicht betrogen werden, beispielsweise mit Falschgeld, ist die absolute Ausnahme", berichtet du Bois. Beim Versand käme das aber eben doch vor. Ebay empfehle daher immer noch grundsätzlich die persönliche Übergabe als betrugssicherste Kaufmethode. "Mit der neuen Funktion zum sicheren Zahlen wollen wir nun aber auch den Versand ähnlich sicher machen. Unsere Schwesterfirma in den Niederlanden hat mit dem Dienstleister OPP hervorragende Erfahrungen gemacht."

Viele der beliebtesten Abzock-Maschen werden durch die neue Bezahlmethode ausgehebelt. Wenn etwa Geld über eine Überweisung oder die Freunde-Option von Paypal bezahlt wurde, war das bisher kaum wiederzubekommen, wenn sich das Angebot als Betrug entpuppte. Auch die immer wieder auftauchende Dreiecks-Methode wird verhindert. Bei dieser "kauft" ein Betrüger ein Produkt, bietet es aber gleichzeitig selbst an. Statt die Ware selbst zu bezahlen, nennt er wiederum seinem "Käufer" die Zahlungsdaten des echten Verkäufers. Der denkt, er habe das Geld erhalten und verschickt die Ware an den Betrüger - der sie nun ohne zu zahlen abgreifen kann. Mit der neuen Zahlmethode funktioniert das nicht mehr, weil Zahlung und Versand in einem Prozess abgehandelt werden, versichert du Bois.

Verbraucherschützer sind vorsichtig optimistisch

Dass Ebay Kleinanzeigen ein Problem hat, ist auch Verbraucherschützern aufgefallen. "Uns berichten regelmäßig Verbraucher von versuchten Betrügereien auf Online-Marktplätzen", bestätigte etwa die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Und: "Die Beschwerden betreffen überwiegend eBay-Kleinanzeigen. Allerdings ist dies kein Wunder, da dies einer der größten Marktplätze ist." Das reine Prellen um den Kaufbetrag hätte in den letzten Monaten aber eher abgenommen. Dafür hätten andere Maschen zugenommen. "Verbraucher sollen oft im niedrigen dreistelligem Bereich - etwa 120 bis 160 Euro - Transportkosten vorstrecken oder aber Zollgebühren", berichten die Verbraucherschützer.  In solchen Fällen würde aber auch Ebays neues Konzept nicht helfen, gibt du Bois zu.

Auch vom Treuhand-Prinzip sind die Verbraucherschützer nicht vollständig überzeugt. Es komme schlicht auf die Umsetzung an. "Viele Marktplätze bieten Käuferschutz an, der unter bestimmten Voraussetzungen den Käufer absichert. Allerdings behalten sich die Anbieter vor, die Entscheidung im Ermessen zu treffen. Sie wollen keine Richterrolle einnehmen, das ist auch folgerichtig", erklärt die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Damit die Kunden Vertrauen hätten, müssten sie sich aber darauf verlassen können, auch Recht zu bekommen. Ob Ebay Kleinanzeigen dieses Vertrauen gewinnen kann, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Bei einem sind sich der Kleinanzeigen-Anbieter und die Verbraucherschützer aber einig: Viele Betrugsversuche würden gar nicht funktionieren, wenn die Käufer etwas skeptischer wären. "Wenn ein Angebot zu gut klingt um wahr zu sein, ist es das oft leider auch nicht", warnt du Bois. "Schützen können sich Verbraucher, indem sie bei besonders günstig angebotenen Waren sowie bei Vorkasse-Zahlung misstrauisch werden", rät auch die Verbraucherzentrale Brandenburg. Wer sich nicht auf Ebays Hilfe verlassen will, sollte eben lieber auf den Kauf verzichten oder eine Übergabe vor Ort ausmachen. So, wie es bei Ebay Kleinanzeigen eigentlich ja auch gedacht war.


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