Völkerverständigung Als bei Explodia.com fast der Server explodierte

Weil in den USA ein Fernsehmoderator einen Witz machte, wurde die private Homepage ein paar deutscher Studenten überraschend von Besuchern aus Übersee gestürmt.
Von Ralf Sander

Jon Stewart ist bekannt über die Grenzen der USA hinaus. Auf dem TV-Kanal "Comedy Central" moderiert er täglich "The Daily Show", in der er Politik verspottet, absurde Meldungen ausgräbt oder Witze als Nachrichten tarnt. Mit bitterbösem Humor nimmt er die politischen Eliten ebenso aufs Korn wie konservative Fernsehsender. Und für einen einfachen Kalauer ist auch immer Platz.

Philipp Stech und seine Freunde sind nicht wirklich bekannt. Sie haben in Ulm Abitur gemacht und studieren nun an verschiedenen Orten der Welt. Um miteinander in Kontakt zu bleiben und Erinnerungen wach zu halten, betreiben sie gemeinsam eine private Homepage. Darauf gibt es jede Menge Geschichten und Bilder, Witziges und Bescheuertes - alles privat, zwar schön gemacht, aber für niemanden interessant außer für die Beteiligten selbst und ihre Freunde.

Wo ist der Zusammenhang?

Eine echte Verbindung zwischen dem amerikanischen TV-Spötter und den deutschen Studenten bestand nie. Und befragte man Stewart und dessen Redaktion, hätten sie von den Jungs vermutlich nie etwas gehört. Anders herum sieht es allerdings ganz anders aus: Stewart schickte den Ulmern jede Menge Homepage-Besucher. Mitte Oktober stiegen die Zugriffszahlen sprunghaft an. von rund 50 Seitenabrufen pro Tag auf mehrere tausend. Erst ein erklärender Eintrag eines Besuchers im Gästebuch offenbarte das Geheimnis. Der Grund für den Ansturm war die Internet-Adresse der Homepage von Stech & Co.: www.explodia.com.

Jon Stewart hatte in der Sendung vom 19. Oktober einen Witz über das Fremdenverkehrsamt des Irak gemacht, dessen Chef es als seine Hauptaufgabe betrachte, Leute vom Irak fernzuhalten. Im Hintergrund eingeblendet: ein Logo, das auf den ersten Blick an das des Internet-Reisebüros expedia.com erinnerte. Allerdings stand dort "explodia.com", gemeinsam mit einem gezeichneten Flugzeug, das Bomben über dem Irak abwirft. Erwähnt wurde dieser Jokus mit keinem Wort, er diente nur als illustrierendes Detail für eine Reihe ätzender Kommentare Stewarts zur Lage im Irak.

Alle wollten wissen: Gibt's das wirklich?

Doch die Einblendung reichte aus: "Daraufhin schauten viele Amerikaner, ob diese Website tatsächlich existiert. Auch am folgenden Abend erlitt unser Server fast einen Kollaps, als die Sendung einen Tag zeitversetzt auf englischsprachigen Sendern in Europa gezeigt wurde (Holland, Norwegen...)", berichtet explodia.com-Gründer Stech. Assoziationen mit expedia.com oder irgendwelchen Kriegen haben er und seine Kumpels nie gehabt: " Wir haben damals einen coolen und englisch klingenden Namen gesucht. Außerdem - da wir alle viel im Ausland leben werden - wollten wir eine .com-Domain." Die sei einfacher zu merken. Und da die meisten existierenden Wörter bereits vergeben sind, wurde schlichtweg ein Begriff erfunden: "explodia steht fuer 'explore the media', weil wir versuchen, die Seiten so multimedial wie möglich zu gestalten und zukünftig mehr Videofilme online stellen wollen", erläutert der 21-jährige Student der Politik- und Verwaltungswissenschaften. Einen ersten Film gibt es schon: Natürlich ist es der Ausschnitt aus der "Daily Show", in der explodia.com erwähnt wird.

Eine Frage beschäftigt Stech noch: "Uns interessiert, ob die Redaktion von der Existenz unserer Seite wusste. Wir haben versucht, Kontakt zu der Show zu bekommen, aber leider blieben alle Anfragen unbeantwortet."


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