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Webcams Man sieht sich


Normales Telefonieren war gestern: DSL-Verbindungen in Kombination mit Webcams ermöglichen Video-Gespräche zum Nulltarif.
Von Ulf Schönert

Vor der Kamera zu stehen hat für Martin Skipper nichts Außergewöhnliches mehr. Fast jeden Tag ist eine Linse auf ihn gerichtet und filmt ihn, meistens sehr nah in Großaufnahme. Dabei ist der 28 Jahre alte Regensburger gar kein Promi, sondern ein ganz normaler Internetsurfer. Und die Kamera befindet sich fest installiert an der oberen Kante von Skippers Flachbildschirm.

Freunde im Blickkontakt

Mit der kleinen runden Webcam hält der selbstständige Gärtner Sichtkontakt zu Freunden und Verwandten, auch wenn die sich gerade am anderen Ende der Welt rumtreiben. "In sehr guter Qualität" kann er etwa seinen Stiefvater regelmäßig sehen und hören, auch wenn der wieder auf Geschäftsreise in Übersee ist.

Als Skipper kürzlich selbst zu einem längeren Arbeitsaufenthalt in Dänemark war, zeigte er seiner Freundin mit der Internetkamera seine dortige Wohnung. Sie konnte sehen, wenn er beim Friseur gewesen war und wenn er sich ein neues Hemd gekauft hatte. "Man hat dadurch nicht weniger Sehnsucht", sagt Skipper. "Aber es ist schön, sich regelmäßig zu sehen."

Der Computer wird zum Bildtelefon

Martin Skipper ist nicht allein auf den Dreh gekommen: Um 86 Prozent sind die deutschen Webcam-Verkaufszahlen zuletzt gestiegen, derzeit sind sie ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Kein Wunder: Die Geräte werden immer besser und die Preise immer niedriger. Schon für zehn Euro gibt es Billigmodelle, mit denen man seinen Computer zum Bildtelefon machen kann. So grüßen Austauschschüler ihre Familien, stellen Eltern Live-Bilder von ihrem Neugeborenen ins Netz, kommunizieren Gehörlose mit Gebärdensprache. Auch die deutschen Soldaten in Afghanistan nutzen Webcams, um mit ihren Familienangehörigen in Kontakt zu bleiben.

Jahrzehntelang waren alle Versuche der Industrie, Bildtelefone populär zu machen, gescheitert - zu teuer waren die Geräte, zu schlecht die Verbindungen. Inzwischen sind Bild-Gespräche kein Problem mehr. Benötigt wird außer einem Internet-PC mit Kamera lediglich ein kostenloses "Messenger"-Programm, zum Beispiel von MSN, Yahoo, AOL oder Skype. Voraussetzung ist nur, dass beide Gesprächspartner den gleichen Messenger installiert haben.

Über die Qualität entscheidet dabei weniger die Güte der Kamera als die Geschwindigkeit der Internetleitung - man braucht auf jeden Fall DSL. Trotzdem lohnt es sich, nicht die allerbilligste Kamera zu kaufen: Höherpreisige Modelle machen nicht nur bessere Bilder, sie werden oft auch mit intelligenterer Software geliefert, die zum Beispiel die Kamera automatisch so steuert, dass sie stets auf das Gesicht gerichtet ist. Und sie haben viele Vorteile, wenn man mehr mit ihnen machen will als Videotelefonie.

Verschiedene Einsatzmöglichkeiten

So lassen sich Webcams auch zur Überwachungskamera umrüsten oder als Babyfon benutzen. Videoblogger und Youtube-Fans stellen mit ihrer Hilfe selbst gedrehte Filme ins Netz. Lehrer setzen sie ein, um mit Partnerschulen in Kontakt zu treten. PC-Spiele wie Camgoo werden durch Körperbewegungen vor der Webcam gesteuert - ähnlich wie das Playstation-Spiel Eye-Toy. Es gibt sogar Klavierlehrer, die ihren Schülern über Webcam Unterricht erteilen.

Aber Achtung: An Computern, die auch von Kindern bedient werden, sind solche Kameras nur mit elterlicher Aufsicht zu empfehlen. Denn die schöne Technik wird auch von Kriminellen missbraucht. Pädophile haben schon versucht, Minderjährige zum "Camsex" zu überreden. Wichtig ist außerdem, dass Webcam-Besitzer ihre Software immer auf dem neuesten Stand halten und sich einen guten Virenschutz zulegen. Hacker haben mehrfach demonstriert, dass es theoretisch möglich ist, Webcams fernzusteuern und Nutzer übers Netz auszuspähen. Wer immer frische Updates installiert, kann diese Gefahr auf nahe null reduzieren.

Und wem das immer noch nicht reicht: Die meisten Kameras haben eine Klappe oder einen Bügel, um die Linse manuell zu verschließen. Dagegen kann dann auch der versierteste Hacker nichts ausrichten.

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