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Neue Datenschutzregel: WhatsApp und Co.: So wirft die EU Teenies aus ihren Lieblingsnetzwerken

Teenager lieben sozialen Netzwerke wie WhatsApp und Instagram. Damit könnte bald Schluss sein: Eine neue EU-Regel wirft alle Teenies unter 16 Jahren aus den Netzwerken - solange die Eltern es ihnen nicht ausdrücklich erlauben.

Whatsappe, Instagramm, Teenies SMartphone

Instagram und Whatsapp auf dem Smartphone gehören für die heutigen Teenies völlig selbstverständlich dazu. Bald könnte das vorbei sein.

Dass Datenschutz in sozialen Netzwerken wie Facebook, WhatsApp oder Instagram wichtig ist, darüber ist man sich in der Europäischen Union seit einiger Zeit einig. Wie genau die Bürger und ihre Daten vor dem allzu gierigen Griff der internationalen Konzerne zu schützen sind, war aber alles andere als klar. Die letzten Regeln stammen aus dem Jahr 1995, also ein knappes Jahrzehnt vor dem Durchbruch von Facebook und Co. Nun wurden neue beschlossen. Die bringt durchaus mehr Datensicherheit - und wirft die meisten Jugendlichen aus ihren beliebtesten Internet-Tummelplätzen.

Denn Kinder und Jugendliche in einigen europäischen Ländern könnten Online-Dienste wie Facebook oder WhatsApp künftig bis zu einem Alter von 16 Jahren nur mit Zustimmung ihrer Eltern nutzen dürfen. Das ist eine der Neuerungen im Kompromiss zur Reform beim EU-Datenschutz zwischen Vertretern von EU-Kommission, Europaparlament und der Mitgliedsländer. Machen die Netzwerke nicht ausreichend mit und greifen gegen zu junge Nutzer durch, können bis zu vier Prozent der Jahresumsätze verhängt werden. Das tut selbst dem Riesen Facebook weh. Die Folge dürften reihenweise gelöschte Accounts jungendlicher Nutzer sein.

Mehr Datenschutz?

Sollten die Netzwerke aber tatsächlich gezwungen werden, das Alter zu überprüfen und eine Einverständnis-Erklärung der Eltern einzufordern, könnte das aber noch viel weitreichendere Folgen haben. Denn dazu müssten sich tatsächlich alle Nutzer mit Klarnamen anmelden - und bei Bedarf sogar einen Identitätsnachweis erbringen. Wenn sich aber alle Nutzer mit Personalausweis oder ähnlichem anmelden müssen, sind die Daten nicht besser geschützt als jetzt, sondern schlechter. Gerade für Teenager ist eine Anmeldung mit Alias vermutlich der beste Schutz. Das fiele nun weg. Für alle Nutzer.

Das Ziel war eigentlich ein ganz anderes. Die am Dienstag nach fast vier Jahren Debatten beschlossene Reform soll die Datenschutz-Grundverordnung von 1995 ersetzen. Ein zentrales Ziel ist, Europas Internet-Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten zu geben. Die neue Verordnung soll voraussichtlich Anfang 2018 in Kraft treten.

Unter anderem erhalten Nutzer das Recht, Informationen leichter wieder löschen zu lassen ("Recht auf Vergessenwerden") und Daten von einem Anbieter zum nächsten mitzunehmen ("Portabilität"), wie die EU-Kommission nach der Einigung am Dienstagabend mitteilte.

Deutschland müsste Alter heruntersetzen

Bei dem Kompromiss wurde grundsätzlich ein Alter von 16 Jahren für die Einwilligung zur Datenverarbeitung vorgesehen, außer wenn nationales Recht die Marke tiefer setze. Auf jeden Fall müssten die Kinder allerdings mindestens 13 Jahren alt sein.

Die Altersfrage war heftig umstritten. Viele Kinder haben Profile bei den Online-Diensten auch schon vor dem Mindestalter von 13 Jahren, das für die Anbieter nach US-Vorschriften gilt. Kritiker warnten, dass Kindern und Jugendlichen eine legale Nutzung der Plattformen erschwert werde, wenn bis zum Alter von 16 Jahren die Zustimmung der Eltern erforderlich sei.

Netzwerke kämpften für höheres Alter

Den Betreibern der Netzwerke passt das natürlich gar nicht. Lobbyisten der US-Konzerne seien in letzter Minute noch in die Offensive gegangen, um die Vorschläge zu entschärfen, schrieb die "Financial Times". Nach Informationen von "Politico.eu" war das Europaparlament für 13 als Mindestalter, aber einige Länder hätten sich für 16 Jahre starkgemacht.

mma / dpa