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HbbTV: Wie das Internet diesmal wirklich ins Fernsehen soll

Die großen TV-Hersteller versuchen schon seit einiger Zeit, Fernsehen und Internet zu verschmelzen. Der neue Standard HbbTV eröffnet dem Zuschauer neue interaktive Möglichkeiten.

Neue Benutzeroberfläche bei Samsung: Internet@TV ersetzt die Widgets von Yahoo

Neue Benutzeroberfläche bei Samsung: Internet@TV ersetzt die Widgets von Yahoo

Fast jeder zweite Fernsehzuschauer möchte vom Sofa aus auch ins Internet gehen können, hat der Marktforscher GfK herausgefunden. Zu langsame Internetverbindungen haben diesen Wunsch lange Zeit gebremst. Ein anderer Hemmschuh ist nach wie vor der Preis: Nach Angaben des IT-Branchenverbandes Bitkom kostet ein hybrides Gerät mit 1000 Euro im Schnitt noch deutlich mehr als ein herkömmliches TV-Gerät, das durchschnittlich bei 680 Euro liegt. Trotzdem sind vom März 2009 bis zum Sommer 2010 insgesamt 1,2 Millionen Fernsehgeräte mit Internetzugang verkauft worden.

Nun soll der neue HbbTV-Standard Hybrid-Fernseher durch neue interaktive Diensten noch interessanter machen. HbbTV steht für Hybrid broadcast broadband TV. Anders als bei den bisherigen Zusatzdiensten wie Youtube, Wettervorhersage, Nachrichten oder Aktienkurse, können bei HbbTV Internet- und Fernsehinhalte parallel genutzt werden. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender haben bereits Teile ihrer Online-Mediatheken und andere Inhalte auf den neuen Standard gebracht.

TV-Shopping in neuer Dimension

Weitere interaktive Dienste sollen in Kürze folgen - darunter auch neue Werbeformen. Gefällt einem Zuschauer zum Beispiel die Kleidung eines Schauspielers bei einer Vorabendserie, kann er vielleicht künftig mit einem Klick auf die Klamotte gleich eine Bestellung aufgeben. Auch der alt gediente Teletext soll mit HbbTV aufpoliert werden. Der Zuschauer soll Inhalte aufrufen und gleichzeitig das Fernsehbild weiter laufen lassen können.

Die HbbTV-Spezifikationen sind von einem europäischen Konsortium entwickelt und erst vor wenigen Wochen als Standard bestätigt worden. Daran mitgearbeitet haben unter anderem das Institut für Rundfunktechnik, die Deutsche TV-Plattform sowie Philips.

Der Elektronikhersteller hat sein Internet-TV-Angebot Net TV bereits auf dem HbbTV-Standard aufgebaut. Net TV bietet über auswählbare Buttons auf dem Bildschirm Zugriff auf verschiedene Inhalte, darunter Mediatheken, Spiele und Videos auf Abruf. Inzwischen setzen auch Sharp und Loewe auf Net TV, das auch die Möglichkeit zum Aufruf beliebiger Internetseiten durch Eingabe der Adressen bietet.

Ein Ziel, unterschiedliche Wege

Die meisten großen Hersteller haben sich zwar bei der Entwicklung des HbbTV-Standards beteiligt. Ins Netz gehen sie derzeit aber noch auf unterschiedlichen Wegen. Und die japanischen und koreanischen Hersteller warten vielfach noch ab, ob und wie sich der Standard über Deutschland und Frankreich hinaus etabliert. Daran hat Bitkom-Vizepräsident Achim Berg keine Zweifel: "Die Integration von Internet und TV ist einer der wichtigsten Trends in der Unterhaltungselektronik", sagt er.

Auch Toshiba will zunächst mit der Integration von HbbTV in seine Fernseher abwarten, bis die technischen Spezifikationen veröffentlicht sind, sagt Firmensprecher Sascha Lange. Die internetfähigen Geräte ließen sich aber nachträglich per Software-Update auf den neusten Stand bringen.

Aufbereitete Vorauswahl bei Loewes derzeit aktuellem MediaNet-Angebot. Ein integrierter Opera-Browser ermöglicht zudem freien Zugang zum Internet

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Für die noch in diesem Jahr angekündigten TV-Modelle legen die Hersteller erst einmal einen Schwerpunkt auf Zusatzangebote wie Video und Musik. Sony hat erst kürzlich seine neue Online-Plattform Qriocity vorgestellt, auf die auch von Fernsehern der Bravia-Reihe zugegriffen werden kann. Erste Modelle sollen noch in diesem Herbst verfügbar sein.

Samsung hat seine Topmodelle mit Internetanschluss überarbeitet: Die neue Multimedia-Plattform Internet@TV ersetzt nun die Widgets von Yahoo. Der Aufruf von Inhalten über die Widgets sei ohnehin relativ langsam gewesen, sagt Samsung-Manager André Schneider. Die Plattform, die nun ähnlich wie ein App-Store gestaltet ist, biete deutlich mehr Inhalte und Dienste.

So unterschiedlich die Geräte auch sind, sie haben alle einen Zusatznutzen für den Verbraucher, sagt der Fernsehexperte Hartmut Krafczyk von der Zeitschrift "TV Spielfilm": Anders als das neue 3D-TV komme der Trend schleichend. "Aber er kommt, um zu bleiben."

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Renate Grimming, DPA/DPA
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