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Angriff auf RIM: Nokia kopiert Blackberry-Erfolgsrezept

Nokia und Microsoft rücken noch enger zusammen, um den Erfolg der Blackberry-E-Mail-Handys des Rivalen Research In Motion (RIM) zu bremsen. Der weltgrößte Mobiltelefonhersteller rüstet von sofort an alle Oberklassehandys mit Microsofts E-Mail-Software Activesync aus.

Von Thomas Wendel

Durch die Kooperation mit dem weltgrößten Softwarehaus könnten schon jetzt mehr als 80 Millionen Nutzer von Nokia-Handys auf die in Unternehmen weitverbreiteten Exchange-E-Mail-Zentralen Microsofts zugreifen, sagte Nokia-Manager Ilari Nurmi der "Financial Times Deutschland". "Wir erwarten Millionen von Nutzern in den nächsten Jahren", sagte er.

Blackberry-Erfinder und RIM-Co-Chef Mike Lazaridis gab sich am Mittwoch davon unbeeindruckt. "Wir spielen längst in unserer eigenen Liga", sagte Lazaridis in Bochum.

Mit dem Gratisangebot von Activesync startet Nokia den bislang massivsten Angriff auf den Blackberry-Hersteller. Zwar sind die Finnen mit einem Anteil von rund 40 Prozent unangefochtener Weltmarktführer bei Mobiltelefonen. Auch im lukrativen Geschäft mit Smartphones - Kombigeräten aus Minicomputer und Telefon - liefern sie jedes zweite auf der Erde verkaufte Gerät aus. Doch fällt Nokias Marktanteil in diesem Segment kontinuierlich, während Konkurrent RIM zulegt.

Trend umdrehen

Diesen Trend will der finnische Konzern umdrehen - mit einem für Geschäftskunden eingängigen Argument: "Fast überall in den Unternehmen wird Microsoft Exchange als E-Mail-Zentrale benutzt. Jetzt können diese Firmen ihren Mitarbeitern alle E-Mails auf das Mobiltelefon schicken, ohne dass dafür zusätzliches Geld investiert werden muss", so Nokia-Manager Nurmi.

Der sofortige Zugriff auf E-Mails von unterwegs ist die Achillesferse Nokias im Geschäftskundenbereich. Dort punktet RIM mit seiner sogenannten Push-Technologie, mit der eingehende Mails sofort an Blackberry-Handys von Mitarbeitern weiterversendet ("Push") werden können. Die Technologie lässt den Marktanteil von RIM steigen: So lieferten die Kanadier im zweiten Quartal laut der britischen Marktforschungsfirma Gartner bereits 17,4 Prozent oder 5,6 Millionen Stück der weltweit 32,2 Millionen verkauften Smartphones aus. In den USA ist der Erfolg noch größer: Dort greifen auch zunehmend Privatkunden zu Blackberry-Geräten. Mit 10,6 Prozent Anteil schob sich RIM auf Position vier im US-Handy-Gesamtmarkt vor.

Mit Klapphandys auf Kundenfang

Um auch in Europa Privatkunden für Blackberry zu begeistern, stellte Lazaridis das erste RIM-Klapphandy vor, mit dem T-Mobile in Deutschland auf Kundenfang gehen will. Auch diese Kundengruppe wolle Handys, mit denen sie "sicher und zuverlässig E-Mails austauschen" könnten, sagte Lazaridis in Bochum, wo er ein Forschungszentrum eröffnete. Der Erfolg im Privatkundengeschäft gilt als strategisch wichtig für RIM, wollen die Kanadier der zunehmenden Konkurrenz standhalten. Die wiederum - naturgemäß im Privatkundengeschäft stark - sucht neue Käufer bei Geschäftskunden, der Domäne von RIM. So zielt Apple mit dem iPhone auf betuchte Kunden und hat auch Microsofts E-Mail-Software Activesync vorinstalliert. Auch andere Hersteller wie Samsung und Sony Ericsson visieren zunehmend auch professionelle Nutzer an.

Mit der Kooperation von Nokia und Microsoft wird nun RIM herausgefordert: 2008 dürfte Nokia 70 Millionen Oberklassehandys mit E-Mail-Funktion verkaufen. Wenn nun Activesync kostenlos darauf installiert ist, bedroht dies die Geschäftsbasis von RIM: Unternehmen müssen ein kostenpflichtiges Blackberry-E-Mail-System vorhalten, wollen sie Mails an ihre Mitarbeiter weiterleiten. Firmen aber, deren Beschäftigte mit dem zumeist ohnehin vorhandenen internen E-Mail-System von Microsoft mobil Mails empfangen können, sparen sich diese Investition. "Wir haben die sichersten, zuverlässigsten und bedienungsfreundlichsten Handys", sagt Lazaridis. Der wachsende SmartphoneMarkt "eröffnet für alle Hersteller große Chancen". Lazaridis ist sich deshalb sicher: "Eine Konsolidierung in der Branche wird es nicht geben."

FTD