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Grenzen: Telekom rigoros: Kleinwalsertal abgeklemmt

Der Streit um eine deutsche Vorwahlnummer für das österreichische Kleinwalsertal droht sich zuzuspitzen. Wie geplant schaltete die Deutsche Telekom heute die Vorwahlnummer ab.

Der Streit um eine deutsche Vorwahlnummer für das österreichische Kleinwalsertal droht sich zuzuspitzen. Wie geplant schaltete die Deutsche Telekom am 1. Juli die Vorwahlnummer 08329 für die österreichische Enklave am Rande des bayerischen Allgäus ab. Ab sofort sei die Tourismusregion nur noch über die österreichische Nummer 0043-5517 zu erreichen, sagte ein Telekom-Sprecher heute.

Die Kleinwalsertal-Gemeinde Mittelberg hat eine Klage auf Schadenersatz in Millionenhöhe gegen die Deutsche Telekom angekündigt. Eine Einstweilige Verfügung zur Verhinderung der Umstellung lehnte das Bonner Landgericht kürzlich ab. Vor allem Politiker und Tourismusbetriebe kämpften für die deutsche Vorwahl.

"Wir befürchten Millionenschäden"

Bislang war das Kleinwalsertal sowohl über eine österreichische als auch über die deutsche Vorwahl 08329 erreichbar. Mit den fünf Ziffern gelangten deutsche Telefonkunden ins österreichische Kleinwalsertal, ohne die Landesvorwahl eintippen zu müssen. Nun hören sie eine Bandansage, die auf die umstrittene Umstellung hinweist.

Für die österreichische Gemeinde kommt der Wegfall nach eigenen Angaben einer Katastrophe gleich. "Wir befürchten Millionenschäden, weil wir unter der gewohnten Nummer nicht mehr erreichbar sind und sämtliche Prospekte neu drucken lassen müssen", sagt Werner Strohmaier, Bürgermeister von Mittelberg.

Ursprünglich war die Umstellung bereits im September vergangenen Jahres geplant - und zwar aus wirtschaftlichen Gründen, wie es heißt. Nach massiven Protesten deutscher und österreichischer Politiker bei der Deutschen Telekom und Telekom Austria wurde die Frist bis zum 30. Juni verlängert - auch damit die Ferienregion mit jährlich 1,8 Millionen Übernachtungen genügend Zeit hat, um ihre Gäste auf die Neuerung hinzuweisen.

Beschwerde wegen Diskriminierung

"Das sind keine Kunden der Deutschen Telekom", sagt der Pressesprecher der Deutschen Telekom, Walter Genz. Früher sei diese Lösung mit dem Anschluss an das deutsche Telefonnetz sinnvoll gewesen, weil die technischen Möglichkeiten nichts Anderes zugelassen hätten. Erst in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Region an das Telefonnetz angeschlossen, von deutscher Seite aus. Inzwischen habe sich die Infrastruktur aber gewandelt.

Seit dem Zollanschlussvertrag aus dem Jahr 1891 haben die rund 5.000 Einwohner des Kleinwalsertals, das von österreichischer Seite nur schwer zugänglich ist, einen Sonderstatus. Früher bezahlte man hier mit D-Mark statt in Schilling. Selbst bei der Währungsumstellung bekamen die Bürger deutsche statt österreichische Euromünzen in die Hand.

"Wir sind immer noch deutsches Wirtschaftsgebiet", sagt Strohmaier. Bei der Deutschen Telekom allerdings fühlt man sich jetzt für die Region nicht mehr verantwortlich. Beim Europäischen Gerichtshof hat die Gemeinde eine Beschwerde wegen Diskriminierung eingelegt.

Die postalische Verbindung nach Deutschland bleibt vorerst

Gleichzeitig mit dem Kleinwalsertal soll auch die Gemeinde Jungholz im österreichischen Tirol nicht mehr über die deutsche Vorwahl erreichbar sein. Die 08365 wird aber nicht ganz verschwinden, denn bisher hat sich Jungholz die Vorwahl mit der deutschen Gemeinde Wertach geteilt.

Eine postalische Verbindung nach Deutschland bleibt für das Kleinwalsertal und für Jungholz allerdings vorerst bestehen. Noch haben beide neben der österreichischen auch eine deutsche Postleitzahl.