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Handygebühren im Ausland: EU zwingt Mobilfunker zu fairen Preisen

Günstigere Roaminggebühren und Tarif-Wahlfreiheit: Die EU-Kommission will Handy-Gespräche und mobiles Internet im EU-Ausland weiter billiger machen - unter anderem durch einen zweiten Handyvertrag.

Handy-Nutzer sollen für das Telefonieren und Versenden von SMS im Urlaub keine höheren Preise mehr als in ihrem Heimatland zahlen. Künftig sollen Verbraucher unabhängig von ihrem einheimischen Mobilfunkanbieter einen weiteren Anbieter für die Verbindungen im EU-Ausland wählen können. Das sieht ein Gesetzentwurf der EU-Kommission vor. Die zuständige Kommissarin Neelie Kroes will damit die Konkurrenz in der Branche anfachen.

Der Gesetzesvorschlag der Kommission sieht vor, dass sich Verbraucher ab dem 1. Juli 2014 bei Reisen innerhalb der EU den für sie günstigsten Anbieter auswählen können. Dabei soll weder ein Wechsel der Handynummer noch der Sim-Karte nötig sein. Handy-Nutzer blieben so auch während der Ferien für Freunde und Verwandte unter der angestammten Telefonnummer erreichbar. Hat sich der Verbraucher einmal für einen Auslandsanbieter entschieden, soll er sich um nichts mehr kümmern müssen: Sobald er im EU-Ausland ist, wechselt das Handy nach den Vorstellungen der Kommission automatisch den Anbieter.

Bislang ist die Nutzung des Mobiltelefons im Ausland - das sogenannte Roaming - deutlich teurer als zu Hause. Auf Druck der EU-Kommission sind die Kosten für das Telefonieren mit dem Handy im EU-Ausland aber bereits in mehreren Schritten gesenkt worden. Die letzte Neuerung trat zu Monatsbeginn in Kraft.

Kommissarin Kroes will nun erreichen, dass bis 2015 die Handy-Nutzung im EU-Ausland nicht mehr teurer als im Inland ist. Dafür sollen Anbieter ohne eigenes Mobilfunknetz gegen Gebühren die Netze anderer Unternehmen nutzen können. Ihr Vorschlag verschaffe "Kunden eine größere Auswahl und alternativen Anbietern einen einfacheren Zugang zum Roaming-Markt", erklärte Kroes. EU-Länder und das Europaparlament müssen dem Vorhaben noch zustimmen.

Auch Datenroaming soll günstiger werden

Bis der Anbieterwechsel für die Auslandsverbindungen Mitte 2014 möglich ist, will Kroes die Obergrenzen für Anrufe und SMS weiter absenken und zudem erstmals einen Mindestpreis für die Datenübertragung festlegen, also beispielsweise für das Versenden von Fotos. Gerade hier entstehen Verbrauchern bislang ungeahnte Kosten. In der EU gilt hier zwar eine monatliche Obergrenze von 59,50 Euro, die aber je nach Anbieter schon nach dem Versand von drei Fotos erreicht sein kann.

Die teuren Datenroaming-Gebühren fallen an, wenn Verbraucher in einem anderen EU-Land über ihr Handy ins Internet gehen. Der neue Vorschlag soll diese Kosten senken: Urlauber, die im EU-Ausland mobile Datendienste nutzen, sollen pro Megabyte maximal 90 Cent zahlen (plus Mehrwertsteuer). Bis 2014 soll der Höchstpreis auf 50 Cent pro Megabyte fallen. Heute zahlt man dafür im Schnitt 2,60 Euro. (So schützen Sie sich vor hohen Kosten.)

Großhandelspreise sind längst gefallen

Die EU-Kommission hat die Datenroaming-Preise schon lange im Visier. Mehrfach drohte sie Mobilfunk-Betreibern mit Gesetzen, wenn diese nicht freiwillig die Tarife ermäßigen. Die Großhandelspreise, die sich Betreiber gegenseitig in Rechnung stellen, hat die Kommission längst gesenkt. Sie sind zum 1. Juli zuletzt auf 50 Cent pro Megabyte gefallen. Die immer billigeren Großhandelspreise haben aber bislang keine günstigeren Verbraucherpreise nach sich gezogen.

Grenzen für Endpreise

Juli 2011Juli 2012Juli 2013Juli 2014
Datentransfers je MB90907050
Abgehendes Gespräch*35322824
Ankommendes Gespräch*11111010
SMS11101010
*(pro Minute)


san/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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