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Chef dämpft Erwartungen Huawei bleibt im Krisenmodus: "Überleben ist unsere erste Priorität"

Huawei erwartet ein hartes Jahr 2020.
Huawei erwartet ein hartes Jahr 2020.
© Getty Images
Kein Unternehmen bekam Donald Trumps Zorn so sehr zu spüren wie Huawei. Der Konzern hat eines der schwierigsten Jahre seiner Geschichte hinter sich. Und wenig spricht dafür, dass es bald besser wird.

Vom Nischenanbieter zum zweitgrößten Smartphone-Hersteller der Welt: Der chinesische Elektronikkonzern Huawei hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Aufstieg hingelegt. Die Ambitionen waren groß, langfristig wollten die Chinesen sogar zur weltweiten Nummer eins werden. Das änderte sich im vergangenen Mai, als Huawei das wohl prominenteste Opfer im Handelskrieg zwischen China und den USA wurde.

US-Präsident Donald Trump setzte das chinesische Unternehmen wegen Sicherheitsbedenken auf die sogenannte Schwarze Liste der Vereinigten Staaten. Google entzog dem Konzern daraufhin die Android-Lizenz. Ein Debakel für den Konzern: Das im Herbst vorgestellte Spitzen-Smartphone Mate 30 kam ohne Youtube, Google Maps und den vorinstallierten Play Store und konnte trotz spektakulärer Technik damit im Massenmarkt nicht zünden.

Die Sicherheits-Debatte hat Huawei nicht nur viel Vertrauen gekostet, sondern auch wirtschaftlich Spuren hinterlassen. Zwar konnte der Konzern trotz des Drucks aus den USA den Umsatz im auslaufenden Jahr um rund 18 Prozent steigern - das ist mehr, als viele Experten erwartet hatten -, allerdings liegt der Wert unter den anfänglichen Vorhersagen, wie Huawei-Chef Eric Xu im Rahmen seiner Neujahrsbotschaft an die 190.000 Mitarbeiter bekanntgab.

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"Schwierige Bedingungen für Huawei"

"Es wird ein schwieriges Jahr für uns", dämpfte Xu zugleich die Erwartungen für 2020. "Überleben ist unsere erste Priorität." Denn die USA drängen ihre Partner wie Deutschland und andere Staaten, beim Ausbau ihrer Mobilfunknetze auf den schnellen 5G-Standard keine Technik von Huawei einzusetzen. Xu geht davon aus, dass das Unternehmen auch im neuen Jahr auf der Schwarzen Liste bleiben wird.

"Langfristig wird die US-Regierung die Entwicklung führender Technologien weiter unterdrücken, was schwierige Bedingungen für Huawei schafft", erklärte Xu weiter. Trotz allem werde das Unternehmen weiter in neue Technologien investieren, darunter das ultraschnelle mobile Internet 5G, künstliche Intelligenz und Cloud Computing.

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Huawei entwickelt eigenes Betriebssystem

Der von der US-Regierung initiierte Boykott erwies sich in einiger Hinsicht auch als weniger wirksam als erwartet: Huawei fand für viele Geräte-Komponenten alternativen Quellen, einschließlich seines eigenen Chip-Entwicklers Hisilicon. Dadurch ist das Unternehmen nun in der Lage, die wichtige 5G-Ausrüsung komplett ohne Komponenten aus den USA zu fertigen.

In diesem Jahr wird Huawei auch weitere Schritte unternehmen, um die Abhängigkeit von Google und dem Android-Betriebssystem weiter zu reduzieren. Seit einigen Monaten treibt das Unternehmen die Entwicklung seines eigenen Betriebssystems beschleunigt voran. Noch ist die Software allerdings nicht so weit, dass Huawei bei seinen Smartphones - von denen der Konzern trotz aller Probleme im vergangenen Jahr 240 Millionen Stück ausgeliefert hat - auf Android verzichten kann. Ob das eigene Betriebssystem langfristig ein Erfolg wird, entscheidet sich unter anderem daran, ob es Huawei gelingt, genügend Drittentwickler an Bord zu holen.


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