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23 Prozent Plus: Huawei wächst trotz US-Sanktionen rasant – und macht sich bereit für den Absturz

Trotz des Streits mit US-Präsident Trump geht es für Huawei im ersten Halbjahr weiter steil nach oben. Doch das Ziel der Nummer Eins am Smartphone-Markt dürfte trotzdem erstmal vom Tisch sein: Huawei erwartet schwierige Zeiten.

An einer Einkaufsstraße in Shenzhen hängt Werbung für das Huawei Mate 20

Vor allem in der Heimat China konnte Huawei mehr Smartphones verkaufen

stern.de

Samsung in noch in diesem oder spätestens nächstes Jahr überholen - das war das erklärte Ziel von Richard Yu, Huaweis Smartphone-Chef. Doch im Mai zerplatzte dieser Traum: US-Präsident Donald Trump setzte den chinesischen Konzern auf eine schwarze Liste sanktionierter Unternehmen. Jetzt hat Huawei die Zahlen des ersten Halbjahres vorgelegt. Und obwohl die überraschend gut ausfallen, kommen schwere Zeiten auf den Konzern zu.

Trotz der Santionen würden sich viele Konzerne nach dem Ergebnis des ersten Halbjahres die Finger lecken: 23 Prozent legte Huawei beim Gewinn zu, insgesamt landeten 401,3 Milliarden Yuan (52,29 Milliarden Euro) Plus in den Kassen des Konzerns. Auch in den wichtigsten Sparten legte man zu: 118 Millionen Smartphones verkaufte man, das sind noch einmal 24 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei war Huaweis Verkäufe schon 2018 rasant nach oben gegangen. Auch im wichtigen Netzwerkgeschäft gab es Wachstum.

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Harter Schlag

Die Sanktionen gingen trotzdem nicht spurlos am Konzern vorbei. Sie machen es einerseits schwer, wichtige Komponenten zu kaufen, die Huawei vorher von US-Zulieferern bezog. Viel schlimmer für die Verkäufe war aber das Verbot, Updates für Googles Betriebssystem Android liefern zu können. Die Ankündigung dürfte viele potenzielle Kunden abgeschreckt haben. Im Mai seien die Verkäufe stark eingebrochen, sagte Verwaltungsratschef Liang Hua am Dienstag. Mittlerweile sollen sie aber auf 80 Prozent des vorherigen Volumens angestiegen sein. Wie stark die Verluste genau ausfielen, verriet er nicht.

Die Krise ist aber noch nicht vorbei. Huawei müsse im zweiten Halbjahr noch viele Löcher stopfen und dafür massiv investieren, so Hua. Das Android-Verbot etwa wurde bis Mitte August ausgesetzt, ob es noch einmal in Kraft treten wird, ist noch offen. Huawei hatte bereits im März gegenüber dem stern angekündigt, ein eigenes System zu entwickeln. Ein TV mit dem System wurde letzte Woche vorgestellt. Lua bekräftigte, der Konzern wolle eigentlich lieber Android nutzen. Man glaube nicht, dass auf Dauer ein separates Betriebssystem für Smartphones noch notwendig sei, erklärte auch der Vizechef des Deutschland-Geschäfts, David Wang.

Starker Heimatmarkt

Das Wachstum dürfte zu einem großen Teil vom Heimatmarkt China getragen worden sein. Nach Berechnungen der Analysefirma Canalys erreichte Huawei im zweiten Quartal in China einen Rekord-Marktanteil von 38 Prozent. Dort sei der Smartphone-Absatz der Firma in dieser Zeit um 31 Prozent auf 37,3 Millionen Geräte gestiegen. Dazu habe auch eine patriotische Stimmung angesichts der US-Sanktionen beigetragen.

Liang Hua gab auch auf Anfrage keine Prognose für das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte ab. Er zeigte sich aber betont trotzig: "Wir werden weiter für unser Überleben kämpfen." Huawei werde auch in die Zukunft investieren. Zu Beginn seiner Präsentationen wurde ein Foto eines alten Kampfflugzeugs eingeblendet, dass trotz Einschusslöchern in den Tragflächen in der Luft bleibt.

Mit Material der DPA