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Mobile Action Games: Die Stadt ist das Spielfeld

Einer flieht, die anderen sind die Jäger. Das Spielfeld ist die Stadt, wichtigstes Werkzeug: das Handy. "FastFoot" heißt das "Mobile Action Game", das ein Team in Bremen entwickelt. Das Ziel der Truppe: mithilfe von Mobiltelefonen und GPS-Empfängern einen "neuen urbanen Sport" erschaffen.

Von Roman Rutkowski

Neues Handyspiel und neue Sportart zugleich - das entsteht in Bremen. Am Technologie-Zentrum Informatik (TZI) der Universität entwickelt das Team um Tom Nicolai zurzeit das erste GPS-basierte Mehrspieler-Programm für Handys. "FastFoot" heißt dieser erste Vertreter seiner Art - der Spieler setzt, im Gegensatz zum ähnlich klingenden kalorienbehafteten Speisestil, allerdings keine Pfunde an.

Vier Spieler benötigt man mindestens, um einen Durchgang zu starten. Ein wenig erinnert "FastFoot" an den Brettspielklassiker "Scotland Yard". Ein Spieler als Mr. X ist auf der Flucht - draußen, im Freien. Innerhalb eines wählbaren Radius, zum Beispiel von einem Kilometer, müssen die anderen Mitspieler ("Runner") den flüchtenden X fangen - indem sie sich ihm auf mindestens 50 Meter nähern. Der Flüchtige muss dies verhindern. Dafür bekommt er einen Vorsprung und sieht auf seinem Handydisplay stets die aktuelle Position, Entfernung und Bewegungsrichtung seiner Gegenspieler. Diese hingegen können ihn nur alle sechs Minuten orten, ebenfalls über ihre Mobiltelefone.

Die Spieler können untereinander chatten und Kartenmarkierungen anlegen. Auf einen elektronischen Stadtplan müssen sie aber verzichten. "Wir haben uns entschieden, keine Straßenkarte einzubauen, um das Spiel interessanter zu machen. Auf diese Weise versetzten wir die Spieler in die Situation, dass sie das Geschehen auf dem Handydisplay mit ihrem Wissen über die Umgebung in Einklang bringen müssen", sagt Teamleiter Tom Nicolai.

Die Spielzeit wird frei wählbar sein. Wer über eine halbe Stunde durch die Straßen flitzen will, sollte sich allerdings seiner Fitness sicher sein. Eine virtuelle Spielfeldmarkierung setzt die Grenzen des Spielfelds - wer sie übertritt, ist raus. Der Spielradius kann so groß werden, dass die Jagd beispielsweise in der Straßenbahn fortsetzt wird. Der Fantasie sind bezüglich der Wahl der Fortbewegungsmittel keine Grenzen gesetzt. Eine wilde Verfolgungsjagd per Auto empfiehlt sich freilich nicht. So lernt man jedoch eventuell die verborgensten Winkel und Abkürzungen der eigenen Stadt kennen, wie die Entwickler betonen.

Das Spiel soll eine "völlig neue Art von urbanem Sport" etablieren. "Deine Stadt wird zum Spielfeld, deine Freunde werden zum Team, und mit deinem Handy holst Du die virtuelle Welt zurück in die Realität" - so das (Werbe-)motto. "Das Spiel ist sehr schnell und intuitiv. Man fängt dabei ganz automatisch an, zu rennen", sagt Nicolai. Allerdings sei nicht nur die Schnelligkeit, sondern auch die Strategie entscheidend. Für das Spiel unverzichtbar ist die satellitengestützte Ortungstechnik GPS, die auch in Navigationssystemen eingesetzt wird. Wer mitspielen will, benötigt ein Handy mit integriertem GPS-Empfänger sowie der Fähigkeit, Java-Programme zu verarbeiten. Hat man kein solches Gerät, kann auf einen externen GPS-Empfänger zurückgegriffen werden, der via Bluetooth mit dem javafähigen Handy gekoppelt wird. Außerdem müssen die Telefone eine Internetverbindung via GPRS oder UMTS aufbauen können.

Start ist im Frühjahr 2008

Aktuell ist das Projekt im so genannten closed-beta-Stadium und wird mit Spielern zwischen acht und 40 Jahren getestet, deren Kondition vom Spiel auf die Probe gestellt wird. Nicolai berichtet: "Durch die Beobachtung der Spieler haben wir viel über FastFoot gelernt. Da es noch keine etablierten Regeln für das Design von GPS-Games gibt, mussten wir im gesamten Entwicklungsprozess erst herausfinden, was in einem solchen Spiel Spaß macht und was nicht.

Im Frühjahr 2008 ist, nach Aussage der Entwickler, definitiv der Start von FastFoot 1.0 in Deutschland, Österreich und der Schweiz, "ohne wenn und aber". Auch wird das Spiel auf der Cebit Anfang März zu sehen sein, auf dem Bremer Gemeinschaftsstand. Zwei Versionen sind geplant: Die eine ist werbefinanziert und "kostet den Spieler nichts außer die Verbindungsgebühren". Pro Spiel wird aktuell mit einer Datenübertragung von etwa 500 KByte gerechnet. Die Kosten dafür sind von den Mobilfunkverträgen abhängig.

Verschiedene Varianten

Die andere Variante, so Nicolai, biete mehr Spielmöglichkeiten, ist ohne Werbung und muss allerdings bezahlt werden. Zusätzlich sind auch so genannte Game-Packs geplant. Darin sind GPS-Empfänger und/oder Sim-Karte "für günstiges Internet" sowie "einige Utensilien und das Spiel selbst" enthalten, außerdem freie Spielzeit. Das Team, so Nicolai weiter, sei "angetreten, um die besten GPS-Games in Europa zu produzieren". Auf Dauer sei das "natürlich nicht nach Feierabend möglich", sodass man um kostenpflichtige Versionen nicht herumkomme. Der Preis werde vermutlich bei sieben bis zehn Euro monatlich liegen, genau wisse man es aber noch nicht.

Die Entwickler erwarten, dass in den nächsten Jahren eine Vielzahl von Handymodellen mit eingebautem GPS auf den Markt kommen wird. Dann könnte auch der Reiseatlas oder die herkömmliche Papierstadtkarte bald aus der Mode kommen - hat man doch seine elektronische Landkarte immer dabei.