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Mobile World Congress: Welches ist das richtige Handy für mich?

Auf der größten Mobilfunkmesse der Welt, dem Mobile World Congress in Barcelona, buhlen die Handyhersteller mit sagenhaften Geräten um neue Kunden. Doch welches Telefon passt zu welchem Typ? stern.de gibt Tipps.

Von Gerd Blank, Barcelona

Wer sich schon einmal aufgrund einer Vertragsverlängerung bei einem Mobilfunkanbieter ein neues Telefon aussuchen durfte, kennt das Problem: Welches Handy soll es denn sein? Irgendwie hat man immer Angst, dass man ausgerechnet zu dem Gerät greift, welches ein paar Funktionen nicht so gut beherrscht oder dessen Menü dann doch nicht so hübsch ist, wie vorher gedacht.

Und künftig wird es noch schwerer, sich für ein bestimmtes Handy zu entscheiden. Und das nicht, weil die Designs der Geräte noch vielfältiger werden - im Gegenteil. Auf den ersten Blick sehen die meisten neuen Handys aus der weltgrößten Handymesse, dem Mobile World Congress in Barcelona, gleich aus. Ein wenig größer als ein Kartenspiel und ein großes Touchscreen-Display. Das Besondere der Geräte werkelt im Inneren. Früher, als man nur telefonierte oder Kurznachrichten verschickte, war es noch einfach. Da lag höchstens mal der Punkt auf einer anderen Taste. Bei kommenden Geräten gibt es (fast) keine Tasten mehr. Nutzer müssen sich mit der Software auseinander setzen.

Und es gibt viel Software für die jeweiligen Systeme. Denn damit wollen die Hersteller und Mobilfunkbetreiber künftig ihr Geld verdienen. Bei Telefonaten und Datendiensten ist nicht mehr viel zu holen, dort sind die Margen sehr gering. Mit Software und Services können aber Kunden gebunden und Einnahmequellen gesichert werden. Apple hat mit dem "App Store" vorgemacht. Noch nie war es so einfach, sich ein Programm zu kaufen, zu installieren und gleich zu nutzen.

Doch was ist, wenn der Kunde keine Lust mehr auf ein iPhone hat und lieber ein Gerät mit Windows Mobile nutzen will? Dann ist die bereits gekaufte Software nicht mehr nutzbar und muss fürs neue System erneut erworben werden - sofern es das Programm dafür dann überhaupt gibt.

stern.de gibt ein paar Tipps, damit der Handykauf nicht zum Reinfall wird.

Kurznachrichten

Der Short Message Service (SMS) gehört zu den wichtigsten Funktionen bei einem Handy. Inzwischen gibt es sogar Meisterschaften für Schnelltipper, und Bundeskanzlerin Angela Merkel ist wohl einer der prominentesten Fans dieser Art der Nachrichtenübermittlung. Doch was mit einem Tastentelefon sehr gut funktioniert, ist mit einem Touchscreen-Gerät eher gewöhnungsbedürftig. Schnell vertippt man sich, weil der Finger versehentlich einen anderen Buchstaben berührt. So schön das iPhone auch ist, aber beim Verfassen von Kurznachrichten bekleckert sich das Gerät nicht mit Ruhm. Auch die Darstellung der Mitteilungen ist gewöhnungsbedürftig, da sie nicht mehr chronologisch, sondern als fortlaufendes Gespräch angezeigt werden. Vielschreiber sollten sich genau anschauen, ob sie mit einem Touchscreen-Gerät zurecht kommen, sonst ist die Enttäuschung groß.

Spiele

Hier punktet das iPhone. Das große Display bringt Spiele sehr gut zur Geltung. Auch wenn die Bedienung ohne Tasten ungewohnt ist, kommt man schnell mit der Steuerung zurecht. Durch drehen und neigen des Gerätes werden Autos gesteuert oder Würfel geworfen. Viele Spielentwickler haben bereits Games fürs iPhone entwickelt, täglich kommen neue hinzu. Im App Store von Apple gibt es zudem haufenweise kostenlose Spiele. Der große Speicher des Geräts bietet genügend Platz für eine umfangreiche Spielesammlung. Auch Nokia macht aus Telefonen transportable Spielkonsolen. Allerdings kommt der entsprechende Dienst N-Gage bislang nicht so richtig in Fahrt - was vor allem daran liegt, dass die Displays der Geräte bisher meist zu klein sind. Dafür lassen sich die Handygames mit einem zusätzlichen Kabel am Fernseher spielen. Von Nokia ist bei Spielen noch einiges zu erwarten, das Unternehmen könnte zu einem ernsthaften Konkurrenten von Nintendo und Sony Playstation werden.

Musik

Ganz klar, hier hat Sony Ericsson mit der Walkman-Marke die Nase vorn. Die Handys der W-Serie sind optimal für Musikfreunde zugeschnitten. Die beigelegten Kopfhörer bieten einen sehr guten Klang. Und da Speicherplatz kaum noch etwas kostet, bieten die Geräte genügend Platz für die komplette Musiksammlung. Zwar lässt sich auch mit dem iPhone Musik abspielen, doch ist die Bedienung hierfür nicht perfekt gelöst. Es fehlen einfach die Knöpfe für "Stop", "Play" und "Nächster Song ". Alles wird über Touchscreen oder die Fernbedienung gesteuert.

Foto

Schnappschüsse kann inzwischen jedes Handy machen. Doch während das iPhone mit geradezu mickrigen zwei Megapixel ausgestattet ist, konkurrieren die Werte anderer Geräte mit denen von reinen Kameras. Sony Ericsson hat mit der Cybershot-Serie gute Kamerahandys im Sortiment. Doch Gewinner in dieser Kategorie ist Samsung. Die Koreaner haben aus dem Handy mit Kamerafunktion einen Fotoapparat zum Telefonieren entwickelt. Gutes Design und eine Funktionsvielfalt sorgen dafür, dass Nutzer oft gar nicht mehr merken, dass die Bilder mit einem Handy aufgezeichnet wurden. Inzwischen ziehen auch die anderen Handyhersteller nach. Die Kamera des "Idou" von Sony Ericsson soll sogar 12,1 Megapixel bieten. Doch bis das Gerät erscheint, wird sicher auch Samsung wieder nachgelegt haben.

Büro

Ganz klar, hier ist und bleibt der Blackberry von RIM derzeit noch das Maß aller Dinge. Nicht unbedingt aus Design-Gründen, sondern weil die Integration in Firmennetzwerke so reibungslos funktioniert. Inzwischen hat RIM auch an der Optik der Geräte gearbeitet und sogar Touchscreen-Modelle im Angebot. Doch andere Hersteller holen langsam auf, Nokia ist mit der E-Serie ganz nah dran, und auch Apple versucht Geschäftskunden mit dem iPhone zu ködern. HTC und Sony Ericsson bieten zwar auch Smartphones an, doch hier fehlt es oft an der letzten Konsequenz. In Barcelona wurde die neue Version von Windows Mobile vorgestellt. Dadurch werden Geräte mit diesem Betriebssystem für eine große Gruppe von Nutzern interessant, denn die Verbindung zu Windows-Computern geht problemlos von der Hand, und die neue Oberfläche wirkt viel aufgeräumter und hübscher. Microsoft hat die Chance, mit dem neuen System normale Konsumenten zu überzeugen und darüber noch erfolgreicher bei Smartphones zu werden, denn möglicherweise braucht man künftig keine zwei verschiedene Telefone mehr für die private und geschäftliche Nutzung.

Freiheit

Bei den meisten Handys handelt es sich um geschlossene Systeme, es ist kaum möglich, die Software nach eigenen Wünschen zu verändern. Beim Google-Handy ist das anders. Das Android-Betriebssystem basiert auf Linux. Google lässt jeden die Software den eigenen Bedürfnissen entsprechend anpassen. Entwickler können sehr leicht neue Anwendungen für das System produzieren und diese Nutzern über ein eigenes Shop-System zur Verfügung stellen. Wer also möglichst viel Gestaltungsfreiheit bei der Software seines Handys haben will, sollte sich ein Android-Handy kaufen.

Navigation

Aktuelle Telefone haben inzwischen oft einen Chip für Global Positioning System (GPS) integriert, wodurch das Handy zum Navigationsgerät wird. Der Clou an diesem Chip ist aber nicht nur das Führen von A nach B. Fotos werden mit den Koordinaten gespeichert, wo das Bild aufgenommen wurde. Und wenn das Handy erkennt, wo es sich befindet, zeigt es automatisch welches Restaurant in der Nähe ist. Diese ortsbasierten Services sind der große Trend, jeder große Hersteller bietet Geräte mit diesen Diensten an. Doch was ist mit der reinen Navigation? Warum nicht zum Fachmann für diesen Service gehen? Garmin, profilierter Anbieter von Navis, wird nun endlich ein eigenes und bereits lange angekündigtes Handy herausbringen: das Nüvifone.

All-in-One

Natürlich, das iPhone ist ein toller mobiler Mini-Computer. Doch ganz perfekt ist das Gerät nicht. Für die einen ist die Kamera zu schlecht, andere bemängeln die Einschränkungen bei der Texteingabe. Die einfache Bedienung ist zwar immer noch lobenswert, doch andere Hersteller bieten inzwischen mehr. Das Idou von Sony Ericsson könnte ein Gerät sein, das alle Wünsche von Nutzern vereint, doch noch dauert es eine Weile, bis das Gerät marktreif ist. Gleiches gilt für den Palm Pre.

Viel näher an einer Veröffentlichung ist das N97 von Nokia. Das Handy verfügt über einen großen Touchscreen, eine guten Kamera, eine ausziehbare Tastatur und einen großen Speicher für Filme und Musik. Gleichzeitig mit dem Start des Geräts werden endlich auch Nokias Ovi-Dienste gelauncht, über die Nutzer Musik und Filme beziehen und all ihre Daten sichern können.