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Mobilfunkanbieter im Test: Wer das beste Handynetz bietet

Drei Wochen quer durch Deutschland, 26 Städte, ein Ergebnis: Die Handyzeitschrift "Connect" hat die vier großen Mobilfunkbetreiber getestet - und einen klaren Sieger und Verlierer ermittelt.

Gute Sprachqualität, wenig Aussetzer, schnelles Internet und keine Funklöcher. Was selbstverständlich sein sollte, ist in deutschen Handynetzen häufig leider Wunschdenken. Obwohl es nur vier große Netzbetreiber gibt, sind die Unterschiede gravierend. Die Handyzeitschrift "Connect" hat in einem aufwändigen Netztest die vier deutschen Mobilfunkanbieter Telekom, O2, Vodafone und E-Plus auf Herz und Nieren geprüft.

So wurde getestet

Um ein repräsentatives Ergebnis der Netzqualität zu bekommen, waren zwei Messfahrzeuge drei Wochen lang quer durch Deutschland unterwegs. Neben Berlin, Hamburg, Köln und München wurde die Netzqualität auch in kleineren bis mittleren Städten in fünf Regionen Deutschlands getestet. Nur so konnten Telefongespräche zwischen zwei Smartphones an unterschiedlichen Standorten bewertet werden, die für die Netzbetreiber eine deutlich größere Herausforderung als Handytelefonate ins Festnetz darstellen.

Die Messfahrzeuge waren vollgepackt mit identischen Smartphones und speziellen Rechnern. Diese simulierten Notebooks mit Datensticks, setzten ständig Telefonate ab und bauten Datenverbindungen auf. Um die Datendienste zu testen, riefen die Testgeräte nacheinander mehrere vordefinierte Webseiten ab, außerdem wurde eine Datei herunter- und hochgeladen und ein Youtube-Video gestreamt. Bei den Tests mit Surfstick und Notebook wurde sogar mit Youtube-Videos in HD-Auflösung getestet. Außer den Erfolgsraten wurden der Datendurchsatz und die Wartezeiten gemessen. Die Ergebnisse wurden getrennt nach Städten und Umland sowie Autobahnen ausgewertet.

Deutsche Telekom: Überlegener Netzanbieter

Die Deutsche Telekom war der Konkurrenz laut "Connect" in allen Belangen überlegen, bereits beim Telefonie-Test erzielte der rosa Netzriese weit bessere Ergebnisse als die Mitbewerber. Nur O2 kommt noch in Schlagdistanz, aber auch nur in den Städten - auf Autobahnen und im Umland nimmt auch hier die Qualität spürbar ab. Das gute Ergebnis der Telekom sei nicht nur auf den Alleingang beim Ausbau der verbesserten Sprachqualität HD-Voice zurückzuführen, es sei vielmehr die hohe Zuverlässigkeit des Telekom-Netzes, die den Ausschlag gäbe, schreibt das Fachmagazin.

Auch beim Datennetz lässt die Telekom die Konkurrenz blass aussehen: In Sachen Zuverlässigkeit glänzt das Bonner Unternehmen in dem "Connect"-Test mit Erfolgsraten um die 98 Prozent, nur bei Youtube liegt sie teilweise etwas darunter. Auch bei der Geschwindigkeit landet die Telekom meist vorn, und das oft mit sehr deutlichem Abstand zum nächsten Konkurrenten. Doch die Telekom ist nicht überall perfekt: Kein Mobilfunkanbieter schaffte in dem Test Höchstleistungen. Dennoch sind die Unterschiede gravierend, das Netz der Telekom ist auch in Regionen gut ausgebaut, wo andere Netzbetreiber nur schlechten Empfang bieten.

Vodafone: Gutes Datennetz, Probleme bei Telefonaten

Beim Handynetz kommt es vor allem auf die Sprachqualität an, doch ausgerechnet hier leistet sich Vodafone laut "Connect" einige Patzer. Im Netztest in Städten und deren Umland erreichte das Düsseldorfer Unternehmen nur eine Erfolgsrate von 97 Prozent. Noch schlimmer war es auf Autobahnen: Hier hatten sogar sieben von hundert Gesprächen Probleme. Das reicht nur für Platz drei in der Kategorie "Telefonieren", hinter O2 und vor E-Plus.

Wesentlich besser schnitt Vodafone im Test mit Datendiensten ab: Das mobile Internet läuft den Testern zufolge auf Smartphones im Vodafone-Netz spürbar flotter als beim Großteil der Konkurrenz, nur die Telekom war einen Hauch besser. Auch bei der Notebook-Nutzung mit Datensticks konnte Vodafone punkten, nur auf Autobahnen kam die Datenleitung öfter ins Stocken. Damit verteidigt Vodafone den zweiten Platz aus dem Vorjahr.

O2: Netzanbieter im Aufwind

Mit einem zweiten Platz im "Connect"-Netztest im Jahr 2009 konnte O2 zeigen, dass auch ein kleinerer Netzbetreiber den Sprung nach vorne schaffen kann. Doch der Erfolg währte nicht lange, im Folgejahr überrollte die Smartphone-Revolution mit dem iPhone und einer Vielzahl an datenhungrigen Android-Telefonen den Anbieter aus München. Das Handynetz brach unter der gestiegenen Last ein wie kein zweites. Auch bei der Sprachqualität rauschte O2 vom ersten auf den letzten Platz, die Foren liefen heiß, es hagelte Beschwerden.

Doch viel Datenverkehr bedeutet für einen Netzbetreiber auch viel Umsatz und ist immer eine Chance, das Handynetz an den gestiegenen Traffic anzupassen. Hat O2 diese Chance genutzt? Ja, sagt "Connect": Der Münchner Konzern ist in diesem Jahr wieder eine ernst zu nehmende Größe im Wettbewerb. Bei der Telefonie kann O2 sogar vor Vodafone den zweiten Platz gewinnen. In den Städten liegen die Münchner mit der Telekom in Sachen Zuverlässigkeit gleichauf, nur bei der Sprachqualität hat die Telekom leicht die Nase vorn.

Bei der Smartphone-Datenübertragung in der Stadt muss der O2-Kunde je nach Dienst im Schnitt maximal ein knappes Drittel länger auf Vollzug warten als der Telekom-Nutzer. Das ist verkraftbar, wenn die Preise stimmen, so das Ergebnis der "Connect". Wer kleine Transferschwächen auf dem Land tolerieren kann, bekommt bei O2 also ein verlässlich gutes Handynetz geboten, das sich nun wieder im Aufwind befindet.

E-Plus: Verbessert und doch abgeschlagen

Gut in der Stadt, schlecht auf dem Land: Seit Jahren hat E-Plus mit diesem Image zu kämpfen - zu recht. Denn auch der diesjährige Netztest zeigt: In den Städten ist E-Plus ein verlässlicher Sprachanbieter, 97 von hundert Gesprächen klappen ohne Rauschen, Aussetzer und andere Probleme. Damit landet der mit 23,5 Millionen Kunden drittgrößte Mobilfunknetzbetreiber gleichauf mit Vodafone. Bedeutend schlechter läuft es aber außerhalb der Städte, hier muss E-Plus noch zulegen.

Eine genaue Analyse der Testdaten zeigt auch: Beim Datennetz steckt E-Plus immer noch in der Aufbauphase. Bei Smartphone-Datendiensten etwa liegt das E-Plus-Netz bei insgesamt ordentlicher Performance im Mittel knapp hinter O2, bei der anspruchsvolleren Datennutzung über ein Notebook wächst der Abstand zu den Münchnern.

Insgesamt ist die Leistung laut "Connect" nur durchschnittlich: E-Plus scheint an vielen Orten bereits sehr gut zu sein, wie knapp über fünfzig Prozent Erfolgsrate bei den bandbreitenhungrigen Youtube-HD-Messungen in den Städten zeigen. An anderen Messstationen kam dagegen kaum etwas durch die Datenleitung, einige Standorte waren kaum mit Netz versorgt. Die größte Herausforderung für E-Plus dürfte es sein, diese weißen Flecken innerhalb des nächsten Jahres von der Karte zu tilgen.

Fazit

"Die schlechte Nachricht vorweg: Gut telefonieren lässt es sich nur bei der Deutschen Telekom und bei o2, bei Vodafone und E-Plus sind die Ergebnisse insgesamt lediglich befriedigend", lautet das Fazit von Bernd Theiss, Ressortleiter Test und Technik in der "Connect"-Redaktion.

Eine positive Nachricht für alle Mobilfunkkunden in Deutschland ist hingegen, dass O2 nach dem Einbruch 2011 und E-Plus ganz allgemein beim mobilen Internet aufgeholt haben. So bietet mittlerweile auch E-Plus gute Voraussetzungen, innerhalb von Städten online zu gehen. O2 und mehr noch Vodafone sowie die Telekom liegen aber noch deutlich vor E-Plus.

Die größten Unterschiede gab es auf Autobahnen: Will man unterwegs schnell surfen, sollte wenn möglich eine Sim-Karte der Deutschen Telekom oder von Vodafone im Smartphone stecken. Die gleiche Netzbetreiberwahl gilt auch bei Datensticks: Wer das Maximum herausholen will, sollte auf O2 und E-Plus verzichten, auch wenn diese Anbieter günstiger sind.

cf