Mobilfunkbranche Die alles haben, sollen mehr wollen


Die Handy-Hersteller stehen mehr denn je vor dem Problem, dass der Markt gesättigt ist. Um die Menschen trotzdem zur Anschaffung neuer Geräte zu bewegen, werden sie geködert mit mehr Komfort - und Musik.

Die Hersteller von Handys stehen in diesem Jahr vor einer schwierigen Herausforderung: Wie verkauft man höherwertige Mobiltelefone mit neuen technischen Möglichkeiten, die gleichzeitig einfacher zu bedienen sein sollen? Die Antworten suchen sie in dieser Woche auf der Fachmesse 3GSM in Cannes.

Auch wenn die Zahl der registrierten Besucher um 10.000 auf 39.000 gestiegen ist, wirkt die Frühlingsstimmung an der Riviera noch verhalten. Die Nachfrage nach den neuen UMTS-Handys blieb im Startjahr 2004 hinter den Erwartungen zurück. Nur vier Prozent aller in Westeuropa verkauften Mobiltelefone waren mit der neuen Breitbandtechnik ausgestattet, die den GSM-Standard ablösen soll.

Und das rasante Umsatzwachstum früherer Jahre ist spürbar abgeflaut. Vom ersten bis zum letzten Quartal 2004 habe es sich fast halbiert, sagt Neil Mawston von der amerikanischen Beratungsfirma Strategy Analytics. Für 2005 erwartet er ein weltweites Wachstum von acht Prozent nach 32 Prozent im nächsten Jahr. Auch 2006 und später müssen sich die Mobiltelefonhersteller auf einstellige Wachstumsraten einstellen, wobei sie schon jetzt mit überaus engen Gewinnmargen zu kämpfen haben.

Gewinnmarge ist gesunken

Beim Weltmarktführer Nokia fiel der Nettogewinn im Schlussquartal 2004 um 13 Prozent geringer aus als ein Jahr zuvor. Bei Samsung, weltweit die Nummer drei, sank die Gewinnmarge beim Geschäft mit Mobiltelefonen von 13 Prozent im dritten auf 3 Prozent im vierten Quartal. Der Mengenabsatz werde zwar weiter steigen, aber die Gewinnmargen blieben unter Druck, erklärt Branchenexperte Mawston und macht dafür auch den scharfen Wettbewerb zwischen Herstellern und Netzbetreibern verantwortlich. Selbst in den Großstädten neuer Märkte wie Peking und Jakarta mache sich schon eine leichte Sättigung bemerkbar.

Die Kunden müssen Neues wollen

Hersteller wie Netzbetreiber sind daher darauf angewiesen, ihre Kunden zum Umstieg auf neue Mobiltelefone zu bewegen, die als "Smartphones" nicht nur fürs Telefonieren, sondern auch für unterschiedliche Multimedia-Dienste gedacht sind. Wenn dies gelingen soll - darin sind sich die meisten in der Branche einig - müssen die neuen Geräte einfacher zu verstehen und zu bedienen sein als bisher. "Benutzerfreundlichkeit und einfache Bedienung stehen in diesem Jahr in Cannes im Mittelpunkt", sagt Nokia-Sprecher Thomas Jonsson.

MP3-Player integriert

Nokia präsentierte auf der 3GSM drei neue Handys. Das UMTS-Handy Nokia 6681 bietet Musik in Stereoklang und eine Software, die alle Musikstücke übersichtlich in Playlisten anordnet. "Musik ist das nächste große Thema beim mobilen Multimedia", sagt Nokia-Manager Anssi Vanjoki. Für den Musik-Download-Service ist Nokia eine Partnerschaft mit der Firma Loudeye in Seattle eingegangen. Branchenbeobachter vermuten, dass sich die Mobilfunkindustrie ein Stück von dem Kuchen abschneiden will, den sich Apple mit seinem iPod-Erfolg gesichert hat.

Daneben stellen zahlreiche Anbieter von mobilen Diensten ihre Neuerungen vor, die die Mobiltelefonkunden zu den neuen Breitband-Handys locken sollen. Die Zahl der Unternehmen, die auf der 3GSM ihre Musik- oder Video-Angebote für die dritte Mobilfunkgeneration vorstellen, habe sich nahezu verdoppelt, erklärt Louisa Rogers von der Organisationsleitung der Messe. "Wir gelangen zu dem Punkt, an dem wir aus allen Nähten platzen."

Laurence Frost/AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker