VG-Wort Pixel

Ab September ist Schluss Keine Prozessoren mehr: Der Trump-Bann stellt Huaweis Smartphone-Geschäft vor den Abgrund

Huawei ist mittlerweile eine der global erfolgreichsten Smartphone-Marken
Huawei ist eine der global erfolgreichsten Smartphone-Marken
© Zhang Wenkui/ / Picture Alliance
Der Trump-Bann gegen chinesische Firmen ist für Huawei seit letztem Jahr ein ernstes Problem. Ab Herbst droht die Krise wohl noch deutlich schlimmer zu werden: Huawei gehen die Bauteile aus.

Es war der große Stolz des Konzerns: Mit den schnellen Kirin-Prozessoren hatte Huawei eigene, sehr potente Prozessoren entwickelt, mit denen man seine Smartphones von dem Standard-Einerlei der Konkurrenten absetzen konnte. Doch ab Herbst ist damit vielleicht Schluss. Schuld ist der Bann der US-Regierung.

"Ab dem 15. September können wir unsere Kirin-Prozessoren nicht mehr fertigen", erklärte Richard Yu, als Chef von Huaweis Consumer-Bereich auch für Smartphones zuständig, bei einem Branchenevent. Das berichtet Reuters unter Berufung auf chinesische Medien. Auch die eigenen Chips für künstliche Intelligenz sollen nicht mehr fertigbar sein. "Es ist ein großer Verlust für uns."

Albtraum Trump-Bann

Schuld an Huaweis Chip-Problem ist der Bann der Trump-Regierung. Die hatte im letzten Jahr Huawei und eine lange Reihe von mit dem Konzern verknüpften Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt. Seitdem ist es Firmen verboten, den Konzern mit Bauteilen oder Software zu versorgen, bei deren Erstellung amerikanische Technologie benutzt wurde. Genau das ist auch bei den Kirin-Prozessoren der Fall: Huawei hatte die Chips zwar entwickelt, die Produktion übernahm aber der taiwanische Konzern TSMC, der dabei auch Technologie aus den USA nutzt. Der Fertiger habe nun zum 15. Mai das letzte Mal Bestellungen von Huawei angenommen, erklärte Yu.

Es ist der zweite herbe Schlag, den der Konzern durch den Trump-Bann erleidet. Huawei hatte bisher vor allem mit dem Verbot der Zusammenarbeit mit Google zu kämpfen gehabt. Der Android-Betreiber darf seine Play-Dienste und damit auch die App-Plattform Play Store nicht auf Huawei-Geräten anbieten. Die Verkaufszahlen außerhalb Chinas hatten spürbar darunter gelitten. Mit dem eigenen Angebot App Gallery konnte Huawei das Verbot in jüngster Zeit halbwegs umgehen. Bei den Chips dürfte dieser Weg deutlich schwieriger werden.

Dieses Selfie wurde mit einer Smartphone-Frontkamera gemacht? Nicht ganz ...

Kommt die Rettung aus den USA?

Zu Anfang der Krise hatte sich Huawei auf dem Markt noch mit Prozessoren und Bauteilen eingedeckt, doch langsam scheinen sich die Vorräte zu erschöpfen. Nun rächt sich, dass Huawei nur die Entwicklung, aber nicht die Fertigung seiner Chips selbst übernommen hatte. So, wie es etwa Konkurrent Samsung bei seinen Exynos-Chips tut. Auf schnellen Ersatz wird der Konzern kaum hoffen können. Keiner der weltweit wichtigsten Prozessoren-Hersteller stammt aus der Heimat China, der wichtigste Produzent für Smartphone-Prozessoren, Qualcom, gar direkt aus den USA.

Trotzdem könnte nun ausgerechnet das US-Unternehmen die letzte Reißleine für Huawei sein. Der Hersteller der in vielen Smartphones verbauten Snapdragon-Chips versucht gerade, bei der Regierung eine Ausnahme für den Huawei-Bann zu bekommen, berichtet das "Wall Street Journal". Demnach argumentiert das Unternehmen, dass der Bann Huaweis den US-Unternehmen ein gigantisches Geschäft stehlen würde – und es stattdessen nach China verlagert. Acht Milliarden Dollar beträgt demnach das Einkaufsvolumen des Konzerns am Weltmarkt. Ein großer Kuchen, von dem auch die Amerikaner gerne ihren Teil wollen.

Ob die Trump-Regierung dem Bitten nachkommt, steht auf einem anderen Blatt. Sollte der Chip-Nachschub nicht schnell geklärt werden, dürfte Huaweis Smartphone-Geschäft bald mit dem Rücken zur Wand stehen. Man werde dieses Jahr wegen des Banns und der Corona-Krise weniger absetzen als letztes Jahr, musste Yu bereits zugeben. Das ist für den bis letztes Jahr rasant wachsenden Konzern schon ein herber Rückschlag. Wie es für 2021 aussieht, scheint indes völlig offen.

Quellen: Reuters, Wall Street Journal


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker