HOME

HarmonyOS: Huaweis Weg aus der Krise könnte noch Jahre dauern

Eigentlich wollte Huawei dieses Jahr die Nummer eins im Smartphone-Markt werden - dann kam Trumps Handelskrieg. Doch Huawei hatte einen Plan. Nun musste der Konzern zugeben: So schnell wie noch im Frühjahr behauptet wird das Geschäft nicht zu retten sein.

An einer Einkaufsstraße in Shenzhen hängt Werbung für das Huawei Mate 20

Vor allem in der Heimat China läuft das Geschäft für Huawei weiter gut. Im Westen sieht es schon anders aus.

stern.de

Es ist ein schweres Jahr für Huawei. Im Frühjahr sah es noch so aus, als könnte man Samsung Ende des Jahres - und damit früher als geplant - vom Smartphone-Thron stoßen. Mit dem Handelkrieg der USA sind die Verkaufszahlen im Westen aber eingestürzt. Vor allem das Verbot von allen Google-Apps auf neuen Huawei-Geräten sorgt im Westen für massive Verkaufsprobleme. Und jetzt muss der Konzern auch noch zugeben, dass die Lösung vielleicht noch Jahre auf sich warten lässt.

Dabei gab sich der Konzern im Frühjahr noch großspurig. Man habe bereits eigene Betriebssysteme entwickelt, erklärte Smartphone-Chef Richard Yu noch im März dem stern. "Sie sind komplett einsatzbereit, allerdings nur als Notlösung. Sollten wir irgendwann nicht mehr Android oder Windows nutzen können, haben wir sie in der Hinterhand." Als kurz darauf Trumps Bann kam, kündigte Huawei an, bis Ende des Jahres sein "Harmony" genanntes System veröffentlichen zu wollen. Jetzt rudert der Konzern massiv zurück.

Warten auf Harmony

Das System könnte auch noch Jahre auf sich warten lassen, gestand Joy Tan, Vize-Präsident für PR des Konzerns, in einem Gespräch mit der "Financial Times". "Wir müssen alternative Lösungen für das Ökosystem finden, das wird aber eine Weile dauern", so Tan. Der Konzern sei darauf aber angewiesen, um im Westen erfolgreich zu sein. "Es gibt so viele Android-Nutzer in Europa und Süd-Ost-Asien, sie sind so sehr an Googles Anwendungen auf Android-Geräten gewöhnt."

Trumps Bann verbietet US-Unternehmen die Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen. Bei der Hardware habe man schnell Alternativen gefunden, so Tan. Bei der Software sei das eine andere Lage. "Das Schwerste sind Google-Dienste. Wir können Android als Plattform weiter nutzen, schließlich ist es eine offene Software. Aber das geht nicht mit den Diensten, die viele Apps zum Funktionieren benötigen." 

Neue Smartphones ohne Google

Während alle älteren Huawei-Smartphones problemlos weiter mit Googles Apps funktionieren, müssen die neuen Modelle wie das Mate 30 ohne essenzielle Standardapps wie Chrome oder auch Googles Play Store auskommen. Der Konzern bietet das Gerät wohl auch deshalb in Deutschland gar nicht erst an.

Bei Huawei dürfte der Druck, HarmonyOS zum Laufen zu bekommen enorm sein. Im Jahresvergleich gingen die Smartphone-Verkaufszahlen zwar immer noch um 27 Prozent nach oben, wie der Konzern vor einer Woche ankündigte. Dabei handelte es sich aber in erster Linie um Geräte, die von der Sperre noch nicht betroffen waren. Anfang des Jahres gingen die Verkaufszahlen mit 39 Prozent noch deutlich steiler nach oben.

Foto-Duell: iPhone 11 vs. Huawei vs. Samsung: Wer knipst nachts die besseren Bilder?
Nachts, eine Frau an der Straße, über ihr eine Laterne. Zugegeben: Das Motiv ist nicht ganz einfach. Zum Auftakt lassen wir deshalb vier Kameras gegeneinander antreten. Aufgenommen wurde jedesmal freihändig in der Automatik. Ganz links sehen wir das iPhone 11 Pro, daneben das Vorjahresmodell XS, dann das brandneue Galaxy Note 10+ und schließlich das Huawei P30 Pro.  Die Unterschiede sind frappierend: Das Huawei P30 Pro zeigt die Szenerie deutlich zu orange, wie man am Gesicht und dem Zebrastreifen im Hintergrund erkennt. Auch der Detailgrad lässt zu wünschen, wie man an dem Fenster oben rechts sieht. Beim iPhone XS fehlen im Vergleich zum diesjährigen Modell die Details. Die Straße wirkt beim Pro deutlich plastischer, auch die Farbe des Mantels ist realistischer. Das Galaxy Note 10+ trifft die Gesichtsfarbe am besten, dafür wirkt der Mantel hier zu dunkel. Insgesamt ein Unentschieden zwischen Apple und Samsung.

Nachts, eine Frau an der Straße, über ihr eine Laterne. Zugegeben: Das Motiv ist nicht ganz einfach. Zum Auftakt lassen wir deshalb vier Kameras gegeneinander antreten. Aufgenommen wurde jedesmal freihändig in der Automatik. Ganz links sehen wir das iPhone 11 Pro, daneben das Vorjahresmodell XS, dann das brandneue Galaxy Note 10+ und schließlich das Huawei P30 Pro.

Die Unterschiede sind frappierend: Das Huawei P30 Pro zeigt die Szenerie deutlich zu orange, wie man am Gesicht und dem Zebrastreifen im Hintergrund erkennt. Auch der Detailgrad lässt zu wünschen, wie man an dem Fenster oben rechts sieht. Beim iPhone XS fehlen im Vergleich zum diesjährigen Modell die Details. Die Straße wirkt beim Pro deutlich plastischer, auch die Farbe des Mantels ist realistischer. Das Galaxy Note 10+ trifft die Gesichtsfarbe am besten, dafür wirkt der Mantel hier zu dunkel. Insgesamt ein Unentschieden zwischen Apple und Samsung.

Huawei will kämpfen

Sollten die USA den Bann aufrecht erhalten, sieht die Zukunft noch düsterer aus. Sind irgendwann nur noch aktuelle Geräte ohne Google-Dienste erhältlich, dürften die Verkäufe im Westen darunter erheblich leiden. In der Heimat China - für Huawei weiterhin der mit Abstand wichtigste Markt - werden die Geräte ohnehin ohne Google-Programme angeboten. Der Traum vom weltweit größten Smartphone-Hersteller dürfte so aber nicht mehr erreichbar sein.

Huawei bemüht sich entsprechend, in Washington eine Lösung für den Konflikt zu finden. Dort versucht der Konzern zu erreichen, dass man weiterhin nicht sicherheitsrelevante Teile einkaufen, sowie Dienste nutzen kann. Bisher allerdings ohne großen Erfolg. "Wir bemühen uns um Kontakt, aber bisher haben wir sehr wenige Treffen"; beklagt Tan. "Ich habe noch mit niemandem aus der Regierung sprechen können. Und nicht, weil ich es nicht versuche."

Quellen: Financial Times, Huawei