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Huawei Mate 30 Pro: Das spannendste Smartphone des Jahres - aber mit einem riesigen Haken

In München hat Huawei gerade das Mate 30 vorgestellt. Die Konkurrenz dürfte angesichts der zahlreichen Neuerungen mächtig nervös sein. Zu früh sollten sich die Kaufwilligen aber nicht freuen.

Beim Mate 30 Pro will Huawei vor allem mit der innovativen Kamera punkten

Beim Mate 30 Pro will Huawei vor allem mit der innovativen Kamera punkten

Hersteller

Bei seinen Spitzen-Smartphones fährt Huawei seit einigen Jahren zweigleisig: Bei der P-Serie setzen die Chinesen voll auf Design und die starke Kamera. Die Mate-Modelle stehen dagegen für Technik satt. Jetzt hat der Konzern mit dem Mate 30 und dem Mate 30 Pro seine wohl potentesten Geräte des Jahres vorgestellt. Und die ersten Spitzenmodelle, auf denen keine Google-Dienste laufen.

Schuld daran ist, wie bekannt, der Streit des Konzerns mit den USA. Von "harten Zeiten" sprach Smartphone-Chef Richard Yu bei der Vorstellung. Google wurde verboten, bei neuen Modellen mit den Chinesen zusammenzuarbeiten, das Mate kommt nun als erstes Modell ohne Google Mail, Maps und den Play Store auf den Markt.

Das ist deshalb schade, weil die neuen Modelle randvoll mit innovativer Technik sind. Man wolle "die Technologie-Industrie mit dem Mate anführen", formulierte Yu den Anspruch an die Serie. Tatsächlich sind die beiden Modelle die wohl spannendsten Smartphones des Jahres, wenn man von Experimenten wie den Klapp-Modellen von Samsung und Huawei einmal absieht.

Fokus auf die Knipse

Wie schon Apple letzte Woche will auch Huawei vor allem mit der Kamera punkten. Nachdem Apple gerade beim iPhone 11 Pro seine erste Dreifach-Kamera vorstellte, setzt Huawei mit seiner Vierfach-Knipse noch einen drauf. Neben Weitwinkel-, Ultraweitwinkel und Telefoto-Linse verbaut Huawei im Mate 30 Pro zum ersten Mal einen 3D-Senor. Zudem nutzt man nicht nur einen, sondern gleich zwei Bildsensoren (einmal RYYB und einmal RGGB), die zudem jeweils 125 Prozent größer sein sollen als die Einzelsensoren der Konkurrenten. 137 Prozent mehr Licht sollen die 40-Megapixel-Sensoren so einfangen, verspricht Huawei. Zudem ist ein optischer Dreifach- und ein digitaler 30-fach-Zoom möglich.

Auch beim Video legen die Chinesen vor. Die neuen Kameras unterstützen Ultra-Slow-Motion mit unglaublichen 7680 Bildern die Sekunde. Spielt man ein einsekündige Aufnahme mit 60 Bildern die Sekunde ab, streckt sich die Sekunde also auf über zwei Minuten. Wozu das gut ist, sei dahingestellt. Technisch beeindruckend ist es allemal. Etwas alltagstauglicher ist da die Möglichkeit, den Unschärfe-Effekt Bokeh auch live in Videos benutzen zu können.

Beim Mate 30 Pro kommt nur einer der großen Sensoren (RYYB), sowie statt des 3D-Sensors ein Laser-Fokus zum Einsatz. Das verspricht immer noch gute, aber weniger revolutionäre Bilder.

Ob die vielen Neuerungen tatsächlich zu besseren Fotos und Videos führen, kann ohnehin erst ein Test beweisen.

Schicker Look

Wie wichtig Huawei die Kamera nun auch beim Mate nimmt, zeigt das Design. Es erinnert nicht aus Versehen an klassische Kompaktameras. Im großen, erhabenen Ring auf der Rückseite finden die vier Kameras Platz. Auf der Vorderseite orientiert sich Huawei klar bei Samsung. Die Ränder des 6,53 Zoll großen Bildschirms wölben sich über die Seiten bis zum Edelstahlrahmen, hinterlassen so einen quasi randlosen Eindruck. Die Seitenbuttons fallen weg. Stattdessen lässt sich der Rand des Display zur Lautstärke-Regelung genutzt werden und löst etwa Selfies aus. 

Das Display des Mate 30 ist mit 6,62 Zoll minimal größer, weil Huawei auf einen etwas breiteren Rand setzt, ist es zudem auch größer. Dafür gibt es aber klassische Buttons.

Beim Design der Rückseite hat sich Huawei ebenfalls etwas einfallen lassen. Die Farbverläufe der letzten Modelle gehen nun auch über Materialien hinaus, sind oben glänzend und unten matt. So biete man den schicken Look, ohne das bekannte Fingerabdruck-Problem, verspricht Yu. Zusätzlich gibt es noch zwei Varianten in Kunstleder.

Dauerläufer

Als Prozessor setzt Huawei auf den selbst entwickelten, sehr schnellen Kirin 990 5G. Wie der Name verrät ist die Zukunftstechnologie 5G direkt im Chip verbaut. Ganze 21 Antennen stecken zudem in der 5G-Version des Mate 30 Pro, alleine 14 davon für den 5G-Standard. So unterstützt das Gerät in beiden SIM-Slots 5G, wenn auch nicht gleichzeitig. Als Arbeitsspeicher sind jeweils 8GB, als Datenspeicher beim Mate 30 128 GB und beim Mate 30 Pro 256 GB verbaut.

Schon seit Jahren sind die Mates wahre Dauerläufer, auch dieses Jahr legt Huawei kräftig vor. Der Akku ist mit 4500 mAH im Mate 30 Pro und 4200 mAh im Mate 30 noch einmal gewachsen. Zwar sagt die reine mAh-Zahl wenig aus, da die letzten Mate-Modelle gerne mal zwei Tage durchhielten, ist der größere Akku aber durchaus vielversprechend. Durch eine neue Kühllösung aus Graphen kann er zusätzlich mit bis zu 40 Watt noch schneller geladen werden. Selbst kabellos werden nun bis zu 27 Watt unterstützt.

Weitere spannendere Neuerungen:

  • Per kabelloser Verbindung lässt sich der Bildschirm des Mate 30 auch auf Huawei-Computer anzeigen und ermöglicht es dann, Dateien unkompliziert hin- und herzubewegen.
  • Das Mate 30 lässt sich bei manchen Auto-Herstellern nutzen, um den Wagen zu öffnen
  • Wie das Note 10 von Samsung unterstützt das Mate 30 Pro die Bedienung per Stift

Das Huawei Mate 30 kostet ab 799 Euro, das Mate 30 Pro sogar 1099 Euro. Die Version mit 5G kostet 100 Euro mehr. Beide sind demnächst erhältlich.

Hat Huawei ohne Google eine Chance?

Auf einen sehr wichtigen Punkt ging Huawei in der Präsentation nicht ein: Als erste Huawei-Smartphones werden das Mate 30 und Mate 30 Pro nicht mit Googles Diensten ausgeliefert. Was bei Google Mail oder Kalender noch verschmerzbar ist, ist beim App-Shop Google Play ein echtes Problem.

Zwar gibt es in Huaweis so genannter App Gallery die wichtigsten Apps, die große Auswahl von Googles Plattform gibt es aber nicht. Sie nachzuinstallieren ist zwar möglich, die wenigsten Kunden werden das aber tun. Das scheint Huawei bewusst zu sein: Man wolle eine Milliarde Dollar investieren, um die Plattform für Entwickler attraktiv zu machen, kündigte Yu bei der Präsentation an.

Ob das angesichts der doch hohen Preise der neuen Smartphones ausreichen wird, um die Kunden zu überzeugen, muss sich zeigen.

Neben dem Mate 30 und dem Mate 30 pro kündigte Huawei auch noch die Smartwatch Huawei GT2 vor. Sie soll vor allem mit einer enorm langen Laufzeit von knapp 14 Tagen überzeugen. Zudem stellte man mit Huawei Vision eine erste Serie smarter Fernseher vor. Die Quantum-Dot-TVs sind in 55, 65 und 75 zoll erhältlich und lassen sich mit Huaweis eigenem Sprachassistenten steuern.