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Bis zu 100-fachem Zoom Huawei P40 Pro+ im Test: Das beeindruckendste Kamera-Smartphone des Jahres – mit einem großen Haken

Die Fünffach-Kamera ist der klare Star des Huawei P40 Pro+
Die Fünffach-Kamera ist der klare Star des Huawei P40 Pro+
© Malte Mansholt / stern.de
Bei seiner P-Serie setzt Huawei voll auf Design und Kamera. Und das P40 Pro+ ist das absolute Spitzenmodell der Edelreihe. Im Test kann die Kamera voll überzeugen. Doch ein Haken dürfte viele Kunden abschrecken.

Schlanker, schicker – und mit Spitzenbildern: Bei seiner P-Serie setzt Huawei voll auf den Lifestyle-Markt. Den absoluten Spitzenplatz im Lineup belegt dieses Jahr das schicke Huawei P40 Pro+. Neben dem hübschen Äußeren soll es vor allem mit seiner beeindruckenden Kamera-Technologie punkten, wird von Huawei gar als "Das neue Fotowunder" beworben. Und dieses Versprechen kann es im Test durchaus halten. Wenn da nicht der krasse Pferdefuß Android wäre.

Edles Äußeres

An der Hardware gibt es nichts zu meckern. Wie von Huawei gewohnt, ist das P40 Pro+ wie seine Vorgänger ein edler, hervorragend verarbeiteter Handschmeichler, diesmal aus Metall und Keramik gefertigt. Neu ist, dass das Display nun an allen vier Seiten abgerundet ist und nur die Ecken und schmale Kanten überhaupt vom Rahmen eingefasst sind. Dadurch wirkt es, als ob die Front nur aus Display besteht. Ein schicker Effekt.

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Das 90-Hertz-Display bedeckt fast die ganze Front
Das 90-Hertz-Display bedeckt fast die ganze Front
© Malte Mansholt / stern.de

Das Display selbst kann sich ebenfalls sehen lassen. Mit 6,68 Zoll ist es sehr groß, was wegen des schlanken Gehäuses aber gar nicht negativ auffällt. Die Auflösung von 2640 x 1200 Pixeln sorgt für eine knackscharfe Darstellung, OLED-Technologie und 90 Hertz Bildwiederholrate runden das Bild ab. Zwar gibt es mittlerweile auch schon Smartphones mit 120 Hertz, das Display des P40 Pro+ spielt aber trotzdem ganz vorne mit. Auch der direkt im Display verbaute Fingerabdrucksensor funktionierte im Test zuverlässig und schnell.

Die Kamera: Bühne frei für den Star

Trotzdem ist das Display nur die Bühne für den großen Star des P40 Pro+: die Kamera. Im Vergleich zum deutlich günstigeren P40 Pro (ohne +) gibt es eigentlich nur einen Unterschied, der es aber in sich hat. Während das Pro-Modell mit nur einer einzelnen Zoomlinse daher kommt, die das Motiv verlustfrei bis zu fünffach vergrößert, kann sich das Pro+ auf ein System aus zwei Linsen mit 3x- und 10x- Zoom verlassen, um das Bild näher heran zu holen. 

Der Effekt ist beeindruckend. Nahtlos vergrößert man vom Standardbild immer weiter, bis zum 10x-Zoom wirkt das Ergebnis so, als sei man selbst zum Motiv gelaufen. Zwar lassen sich die Zoom-Stufen auch manuell ansteuern, die Zwischenschritte werden aber so sauber berechnet, dass man mit dem Schieberegler auch einfach einen beliebigen Wert dazwischen wählen kann. Je nachdem, wie nah man eben gerade will. Geht man über den 10x-Zoom hinaus, wird nur noch digital vergrößert. Das sieht bis 20- oder 30-fache Vergrößerung noch passabel, die maximal 100-fache Vergrößerung ist aber eher technische Spielerei. Zum einen ist das Bild stark verpixelt, zum anderen reichen durch die Entfernung selbst kleinste Wackler, um das Motiv zu verlieren.

Auch wenn der hervorragend funktionierende Zoom das mit Sicherheit spannendste Feature der Kamera ist, können sich auch die normale Weitwinkel- und die Ultraweitwinkellinse durchaus sehen lassen. Die Bilder des Huawei P40 Pro und des Plus-Modells sind scharf und fangen ein sehr natürliches Licht ein. Die Farben sind im Vergleich zu anderen Geräten wie dem iPhone recht poppig, störend ist das aber nicht. Ohne Zweifel bietet das P40 Pro+ eine der besten Smartphone-Kameras des Jahres. Ausführliche Erklärungen und Beispielbilder finden Sie in der Fotostrecke.

Instagram gibt es auf dem P40 Pro+ schlicht nicht
Instagram gibt es auf dem P40 Pro+ schlicht nicht
© Malte Mansholt / stern.de

Pferdefuß Software

Doch spätestens wenn man die tollen Bilder bei Instagram hochladen will, stößt man auf die große Schwäche des Spitzensmartphones: Die App gibt es nicht, zumindest nicht in der App Gallery, dem Pendant zu Googles Play Store. Weil Huawei immer noch vom Handelsembargo der Trump-Regierung betroffen ist, darf der chinesische Konzern nach wie vor keine Google-Dienste installieren - und damit auch nicht den Play Store, die wichtigste Quelle für Android-Apps. Über Umwege, die vorinstallierte Huawei-Suchfunktion, kann man Instagram aber installieren. Wie das geht, sieht man hier.

Die ganze Vielfalt des Play Store konnte der Konzern aber trotz eifriger Bemühungen um die Zusammenarbeit mit den App-Entwicklern dieser Welt bislang nicht ausgleichen. "Kein Brawlstars? Dann brauche ich das nicht", war die vernichtende Kritik meines von der Hardware an sich begeisterten Sohnes.

Die App Gallery ist zwar mittlerweile gut gefüllt, an den Play Store kommt sie aber nicht heran
Die App Gallery ist zwar mittlerweile gut gefüllt, an den Play Store kommt sie aber nicht heran
© Malte Mansholt / stern.de

Und der Ansatz ist berechtigt. Vor allem wer auf Google-Dienste wie Gmail oder Maps setzt, wird einen schweren Umstieg haben, die meisten anderen dürften aber ebenfalls App-Lücken entdecken. Zwar gibt es mit der App "Here" seit kurzem eine passable Navigationsalternative, man muss sich aber von vielen lieb gewonnenen Programmen verabschieden und sich an neue gewöhnen. Von der bequemen Sychronisation der Google-Dienste ganz zu schweigen. So dürften sich viele potenzielle Käufer zu Recht fragen, warum sie für viel Geld das Huawei-Modell wählen sollten, wenn ähnlich teure Spitzenmodelle wie das Samsung Galaxy S20 Ultra ohne diese Beschränkungen auskommen. Huawei kann man da sicher keinen Vorwurf machen - unsicheren Kunden aber eben auch nicht.

Die Software-Situation ist auch deswegen so schade, weil das Huawei P40 Pro+ sonst quasi ohne Mankos kommt. Es bietet einen rasant schnellen Prozessor, mit 512 GB enorm viel Datenspeicher, sehr schnelles Laden über Kabel und flottes über den QI-Standard, eine starke Akkulaufzeit von bis zu zwei Tagen, den modernen 5G-Standard und obendrauf nette Gimmicks wie eine Infrarotschnittstelle, mit der sich der Fernseher bedienen lässt. Und natürlich die hochpotente Kamera

Fazit: Ein großes Aber

Es ist zum Mäusemelken: Mit dem Huawei P40 Pro+ hat Huawei ein herausragendes Kamera-Smartphone im Programm, das man trotzdem kaum jemandem empfehlen kann. Während die Hardware quasi tadellos ist, bremst die Software-Situation das Gerät drastisch aus. Selbst wer nicht auf Google-Dienste setzt, wird sich wegen fehlender Apps umstellen müssen. Und sich fragen, ob dieser Kompromiss angesichts des hohen Preis angemessen ist.

Denn das Huawei P40 Pro+ ist teuer. Sehr teuer: Ab 1370 Euro kostet es minimal. Das ist für ein Kamera-Smartphone ohne Instagram ein Haufen Geld. Zumal vergleichbare Konkurrenten wie das Galaxy S20 Ultra oder das iPhone 11 Pro Max schon um 1000 Euro zu bekommen sind. Ohne die Kompromisse. Noch unverständlicher ist der Preis, wenn man bedenkt, dass das bis auf den Zoom quasi baugleiche Huawei P40 Pro lediglich bei etwa 700 Euro liegt. 600 Euro Aufpreis für den besseren Zoom und doppelt so viel Speicher werden aber die wenigsten zu zahlen bereit sein.

Das Huawei P40 Pro+ ist bereits im Handel.

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