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Messenger Whatsapp: Das passiert, wenn man den neuen Nutzungsbedingungen nicht bis 15. Mai zustimmt

Sehen Sie im Video: Warum Sie zu Signal, Telegram oder Threema wechseln sollten.






Privatsphäre ist in Zeiten globaler Datenkraken ein kostbares Gut. Dienste wie WhatsApp und Facebooks Messenger sammeln Daten über das Nutzerverhalten seiner User. Wer nicht will, dass seine Daten an die Geschäftskunden des Facebook-Konzerns weitergegeben werden, hat nur eine Wahl: Die Produkte des Unternehmens nicht zu verwenden.
Und es gibt Alternativen: Unter anderem die Messenger-App Signal. Sie stammt von der Signal-Stiftung, die WhatsApp-Gründer Brian Acton 2018 mit einem Kapital von 50 Millionen US-Dollar gegründet hat. Das Ziel: Einen wirklich privaten Messaging-Dienst zu erschaffen. Während WhatsApp nach der Übernahme von Facebook in das Geschäftsprinzip des Mutterkonzerns integriert wurde, hat Signal den Vorteil, dass es von einer gemeinnützigen Stiftung und nicht von einem gewinnorientierten Unternehmen betrieben wird. Eine Änderung der WhatsApp Nutzungsbedingungen diente vielen Nutzern offenbar als Denkanstoß. Die User müssen einem erweiterten Datenaustausch mit Mutterkonzern Facebook zustimmen, oder sie fliegen raus. Seitdem glühen die Server der Signal App. In den App-Stores ist sie längst auf Platz eins der Apps mit den meisten Downloads geklettert. Mitverantwortlich für den Hype dürfte auch Elon Musk sein. Der Tesla-Gründer und seit neuestem reichste Mensch der Welt hatte seinen mehr als 40 Millionen Followern via Twitter folgenden Aufruf geschickt: "Use Signal", nutzt Signal. Obwohl Signal nicht die einzige WhatsApp-Alternative ist, dürfte Musk damit wohl indirekt die Weichen für den Nachfolger gestellt haben.
Ein weiterer Profiteur des WhatsApp Exodus ist die von den russischen Brüdern Pavel und Nikolai Durov entwickelte kostenlose App Telegram. Doch anders als bei Signal ist die End-to-end-Verschlüsselung, also die abhörsichere Übertragung der Daten, nicht voreingestellt und für einige Funktionen auch nicht nutzbar. Interessant: Die wirkliche Konkurrenz für Signal kommt überraschender Weise nicht aus den USA, sondern aus der Schweiz.
Die App Threema verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Signal. Die Macher machten sogar den Quellcode öffentlich, um Bedenken zur Privatsphäre der Nutzer auszuräumen.
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Am 15. Mai treten die neuen Nutzungsbedingungen bei Whatsapp in Kraft. Wer bis zu diesem Stichtag nicht zustimmt, kann die App zwar noch verwenden - allerdings nur noch stark eingeschränkt.

Whatsapp aktualisierte vor wenigen Wochen seine Datenschutzrichtlinien - und sorgte für einen weltweiten Aufschrei. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer schauten sich daraufhin nach Alternativen um, Mitbewerber wie Telegram und Signal vermeldeten eine Flut an Neuanmeldungen. Um die Wogen zu glätten, verschob Whatsapp die Zustimmungsfrist für die neue Datenschutzrichtlinie vom 8. Februar auf den 15. Mai. Allerdings wurde das eigentliche Problem damit nur vertagt. 

Das passiert nach dem 15. Mai

Nun hat das Unternehmen erklärt, wie es danach weitergeht. Nutzerkonten, die den neuen Richtlinien nicht zustimmen, werden nach dem 15. Mai nicht gesperrt. Sie können Whatsapp weiterhin nutzen - allerdings nur noch stark eingeschränkt. "Dir wird dann allerdings nicht mehr die volle Funktionalität von Whatsapp zur Verfügung stehen, bis du zugestimmt hast", heißt es in der aktualisierten FAQ. "Du wirst zwar für kurze Zeit Anrufe und Benachrichtigungen erhalten, aber in der App weder Nachrichten lesen noch welche senden können."

Fraglich ist jedoch, über welchen Zeitraum sich die Formulierung "kurze Zeit" erstreckt. Dem US-Portal "Techcrunch" zufolge, welches als erstes über die neuen Whatsapp-Regelungen berichtete, sind damit "einige Wochen" gemeint. Möglicherweise drückt sich das Unternehmen aber auch deshalb so vage aus, um sich weitere Türen offenzuhalten. Unklar ist, was nach der "kurzen Zeit" passieren wird, sollte man weiterhin nicht den neuen Regeln zustimmen.

Whatsapp will Mitgliederflucht bremsen

Mit diesen Änderungen möchte Whatsapp eine weitere Mitgliederflucht verhindern oder zumindest abbremsen. Statt des "Ganz oder gar nicht"-Ansatzes probiert es das zu Facebook gehörende Unternehmen nun mit einem Mittelweg. Die Hoffnungen sind klar: Wer den neuen Regeln erst einmal nicht zustimmt, soll weich geklopft werden, indem man sieht, dass neue Nachrichten eingegangen sind - aber man nicht in der Lage ist, diese zu lesen oder gar zu beantworten. Videoanrufe sind außerdem weiterhin möglich.  

Quellen:Whatsapp FAQ, Techcrunch

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