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Technischer Trick Warum in der Nähe von Amazon-Zentren plötzlich Smartphones in den Bäumen hängen

Um sich mehr Amazon-Lieferungen zu verschaffen, setzen einige Boten auf Tricks.
Um sich mehr Amazon-Lieferungen zu verschaffen, setzen einige Boten auf Tricks (symbolbild)
© John Marshall Mantel/ / Picture Alliance
Um an Lieferungen zu kommen, fahren Amazon-Paketboten zunehmend die Ellenbogen aus. Einige versuchen, sich mit technischen Tricks einen Vorteil zu erschleichen. Das verstößt gegen die Richtlinien, ist aber lukrativ.

Seit mehr als 20 Jahren lautet das Motto des Onlinehändlers Amazon: Die Ware muss so schnell wie möglich zu den Kunden. Um das zu bewerkstelligen, investiert der Konzern nicht nur in autonome Roboter innerhalb seiner Lager, sondern auch in eine eigene Lieferflotte. Denn längst können DHL und Co. allein nicht mehr die Paketflut bewältigen.

Doch wie ein Bericht der US-Nachrichtenagentur "Bloomberg" zeigt, existiert ein knallharter Wettbewerb unter den Amazon-Boten. Um an möglichst viele Aufträge zu kommen, haben sich einige Kuriere im Großraum Chicago deshalb eine besonders ungewöhnliche Methode überlegt: In der Nähe der Logistikzentren oder der zu Amazon gehörenden Whole-Foods-Supermarktfilialen sollen mehrere Paketboten Smartphones in die Bäume gehängt haben, die wiederum mit ihren eigenen, persönlichen Smartphones synchronisiert sind, um die Chancen auf Sofortangebote für schnelle Lieferungen zu erhalten.

Mittelsmänner für Paket-Lieferungen 

Die Idee dahinter: Ähnlich wie bei Taxi-Apps erhalten die Fahrer einen Zuschlag, die bereits in der Nähe sind. Vergibt Amazon oder die Whole Foods also einen Lieferauftrag, erhalten jene Fahrer zuerst die Chance auf die Auslieferung, die quasi unmittelbar vor den Toren warten. Nach wenigen Minuten wird der Auftrag jedoch allen Fahrern angeboten. Um sich einen Vorteil zu verschaffen und mehr Geld zu verdienen, geben die Fahrer deshalb mit den präparierten Smartphones vor, sich in der Nähe zu befinden.

Die Methode hat sich offenbar bewährt, denn mittlerweile wird sogar von Mittelsmännern berichtet, die sich darauf spezialisiert haben, Aufträge von Amazon "abzufangen" und diese direkt an Lieferboten weiterzureichen. Im Gegenzug dafür erhalten die Mittelsmänner von den Kurierdiensten eine kleine Prämie.

Dieses Verhalten verstößt gegen die Amazon-Richtlinien. Der große wirtschaftliche Druck aufgrund der Coronavirus-Pandemie habe jedoch dazu geführt, dass die Arbeitnehmer verzweifelt nach weiteren Einnahmequellen suchen und mehr Menschen in die Gig-Economy einsteigen, um etwaige Gehaltseinbußen auszugleichen, so "Bloomberg". Die Gig Economy umfasst jenen Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Selbständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden.

Quelle: Bloomberg

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cf

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