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A380: Gigant der Lüfte fliegt nach Deutschland

Zur Deutschland-Premiere des größten Passagierflugzeuges der Welt werden in Hamburg über 100.000 Zuschauer erwartet. Auf eine Landung zu warten, lohnt sich jedoch nicht - zumindest vorerst.

Auf diesen Tag haben über 10.000 Mitarbeiter im deutschen Airbus-Zentrum Hamburg-Finkenwerder seit fast vier Monaten gewartet: Am kommenden Samstag fliegt das größte je gebaute Passagierflugzeug zum ersten Mal nach Deutschland und wird Star des "Airbus-Familientages" in Hamburg sein. Allerdings wird die erste A380 mit dem amtlichen Kennzeichen "F-WWOW", die am 27. April 2005 ihren Jungfernflug absolvierte, diesmal noch nicht auf dem Werksgelände landen. Vorgesehen sind ein oder zwei Überflüge, die zum umfangreichen Testprogramm des "Jets des 21. Jahrhunderts" gehören, der in einem Jahr für den Liniendienst zugelassen werden soll.

In Hamburg-Finkenwerder werden zu diesem "Airbus-Familientag" weit über 100.000 Zuschauer erwartet, obwohl lediglich Mitarbeiter und ihre Angehörigen sowie geladene Gäste mit Eintrittskarten Einlass erhalten werden. Der Ortsteil wird am Samstag für allen öffentlichen Verkehr gesperrt.

Deutschland-Besuch lange unsicher

Bis Ende voriger Woche hatte es ein langes Tauziehen zwischen Hamburg und Toulouse gegeben, ob die erste A380 überhaupt zum "Familientag" kommen sollte. Beide Seiten hatten Bedenken: In Hamburg fürchtete man einen Ansturm von weiteren Zehntausenden von Besuchern, wenn der Airbus A380 kommen würde - in Toulouse wurde kolportiert, ein "Rundflug" nach Hamburg würde nicht in das umfangreiche Test- und Zulassungsflugprogramm passen, zumal Airbus mit der Fertigung der A380-Serie ohnehin in erhebliche Verzögerung geraten ist.

Landen wird der erste Airbus A380 aber in jedem Falle in den letzten Oktober- oder ersten November-Tagen erstmals in Hamburg- Finkenwerder, wenn der erste Prototyp mit der Serien-Nummer MS001 seine Innenausstattung erhalten soll. Dann werden in Finkenwerder auch die Evakuierungstests gestartet, bei denen 873 Passagiere und Crew-Mitglieder das Flugzeug über Notrutschen binnen 90 Sekunden verlassen müssen. Ohne diese komplizierte Sicherheitsübung kann der Airbus A380 nicht für den Linienverkehr zugelassen werden.

Tests laufen weiter

Trotz aller Produktionsverzögerungen spult Airbus vor dem "Ausflug" nach Deutschland die Tests des neuen Flugzeuggiganten A380 im Akkord ab. Fast jeden Tag ist das vierstrahlige Flugzeug mit dem amtlichen Kennzeichen "F-WWOW" in der Luft. 17 Testpiloten, darunter 14 Franzosen, prüfen derzeit das weltgrößte Passagierflugzeug unter härtesten Bedingungen. Der Deutsche Wolfgang Absmeier, ein erfahrener Airbus- Testpilot, der auch drei Jahre lang in Finkenwerder tätig war, hat bereits mehr als 20 Testflugstunden hinter sich.

Das intensive Test- und Zulassungsprogramm ist umso drängender, als die zweite A380-Maschine erst mit Verspätung in die Luft gehen wird, voraussichtlich Mitte Oktober. Fertigungsprobleme und multinationale Zuliefererschwierigkeiten - nicht zuletzt wichtige Elektrik- und Kabel-Arbeiten in Hamburg-Finkenwerder - haben das ganze Programm stärker als befürchtet verzögert.

Alle wollen den Riesenflieger

Singapore Airlines drohte Airbus schon mit Regressforderungen, weil der Erstkunde seine ersten doppelstöckigen Riesen mit achtmonatiger Verspätung erhalten wird. Auch die arabische Emirates und die australische Qantas müssen sich noch länger als versprochen gedulden. Aber neue Flugzeugtypen sind seit Jahrzehnten gewöhnlich später als geplant bei der Kundschaft gelandet. Deshalb gibt man sich bei der Deutschen Lufthansa auch gelassen, die im Herbst 2007 ihre erste A380 in Empfang nehmen will. Erst ab im Sommerflugplan 2008 soll der "Jet des 21. Jahrhunderts" voll in das Streckennetz integriert werden. "Wir rechnen fest damit, dass wir unsere ersten A380 pünktlich erhalten werden. Bis dahin würden die "Kinderkrankheiten" bewältigt, prophezeit Chefpilot Jürgen Raps.

Von 2007 an wird der A380 regelmäßig Hamburg-Finkenwerder anfliegen. Finkenwerder wird dann, wenn die lange umstrittene Verlängerung der Start- und Landebahn abgeschlossen ist, auch endgültig Auslieferungszentrum für alle A380-Kunden in Europa und im Mittleren Osten sein.

Karl Morgenstern/DPA / DPA