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Biodiesel-Rennboot "Earthrace": "Die dachten, wir seien Drogenkuriere"

Bevor das Biodiesel-Rennboot "Earthrace" seinen zweiten Versuch unternimmt, die Erde möglichst schnell zu umrunden, absolviert es eine Promotiontour. Skipper Pete Bethune spricht im stern.de-Interview über die bisherigen Höhe- und Tiefpunkte des Projekts.

Der erste Versuch scheiterte im Juni an mechanischen Problemen. Im zweiten Anlauf will der Neuseeländer Pete Bethune im März 2008 einen neuen Rekord für die Weltumrundung mit einem Motorboot aufstellen. Auf einer weltweiten Werbetour macht der futuristische Wellenbrecher Earthrace an diesem Wochenende im Hamburger Sporthafen Station. Am Samstag und Sonntag ist das Biodiesel-Boot für Besucher geöffnet (Eintritt: fünf Euro für Erwachsene, zwei Euro für Kinder). Der Kopf des Öko-Trips um die Welt, Pete Bethune, ist zur Zeit auf Heimaturlaub bei seiner Familie in Neuseeland. stern-Redakteur Dirk Liedtke befragte ihn per E-Mail.

Was war bislang der Höhepunkt des Earthrace-Trips?

Es gab so viele. Wir haben eine riesige Menge an Abenteuern und Erlebnissen in die letzten 18 Monate gepackt. Kurz vor dem Start waren wir der Pleite nahe. Umso größer war die Erleichterung, als das Boot endlich ins Wasser kam. Die Party war großartig: vor Neuseeland in Firodland tauchen, in der Mitte des Pazifiks wakeboarden, wo das Wasser fünf Kilometer tief ist, oder durch das Palmyra-Atoll im Pazifik kreuzen - all das war einfach fantastisch.

Wie viele Menschen haben Sie auf der Reise kennengelernt?

Schätzungsweise 90.000 Menschen haben bis jetzt das Boot betreten. Und um die 500 Freiwillige - als Teil der Crew oder an Land - habe ich recht gut kennengelernt. Einige von ihnen blieben Monate dabei, ein paar Jahre schon Jahre und wieder andere nur für ein Wochenende. Es ist oft eine kurze, enge Beziehung, bei der viel passiert und dann geht's weiter in die nächste Stadt. Earthrace ist wie ein Wirbelsturm: Das Projekt zieht Leute an, die sich dann hinein stürzen. Ich bin sehr dankbar für die Großzügigkeit dieser Menschen.

Was waren die dramatischsten Erlebnisse auf der Reise?

Der Unfall in Guatemala. Eine wahre Tragödie, die mir das Herz gebrochen hat. Als wir den Schaden am Bug feststellten und den Rekordversuch in Spanien abbrechen mussten, waren wir auch am Boden zerstört. Die größte Angst hatten wir, als uns die kolumbianische Marine 150 Seemeilen östlich von Nicaragua beschoss. Die dachten, wir seien Drogenkuriere und feuerten, als wir nicht stoppten. Wir hielten sie allerdings für Piraten, da sie in einem unmarkierten, hölzernen Boot unterwegs waren. Und ein Sturm mit zwölf Meter hohen Brechern hat uns höllische Angst eingejagt.

Sind Sie durch diese Erfahrungen ein anderer Mensch geworden?

Ich glaube ja, teils zum Guten, teils zum Schlechten. Ich verspüre einen viel stärkeren Antrieb, Dinge voran zu bringen. Es wäre sehr schwer für mich, wieder zu einem geregelten Acht-Stunden-Job zurück zu kehren. Von nun an werde ich wohl nur Projektarbeit machen. Ich mache mir weniger aus Geld. Meine Frau und ich haben unser gesamtes Vermögen in Earthrace gesteckt. Das tat zunächst richtig weh, aber jetzt sehe ich die Sache cool. Einige technische Fähigkeiten habe ich sicher dazu gelernt. Ich begeistere mich nicht mehr so leicht für etwas. Ich suche mir viel genauer aus, wem ich meine Zeit schenke - natürlich auch aus schierer Vernunft, weil alle möglichen Leute um meine Aufmerksamkeit buhlen.

Warum tun Sie sich einen zweiten Weltrekordversuch in diesem engen, stickigen Boot an?

Ich will etwas Angefangenes zu Ende bringen. Wir haben noch viele Städte auf der Liste unserer Promotion-Tour und noch viele Schulen, die ich besuchen möchte. Wenn wir den Rekord beim zweiten Mal packen, können wir bestimmt spannende Fernsehsendungen darüber produzieren. Aber im Grunde geht es darum, Menschen zu treffen, und der Rekord wird uns noch mehr Menschen näher bringen. Sollten wir scheitern, dann soll es wohl so sein. Wir können nur unser Bestes geben und brauchen dazu noch ein wenig Glück.

Aber die Botschaft "Pro Biodiesel" soll bleiben?

Wir wollen das Motto verändern. Auf jeden Fall soll der Rekordversuch CO2-neutral werden, indem wir Zertifikate für die Abgase des Bootes erwerben. Biodiesel ist eine tolle Sache, aber nicht alles, was wir für eine bessere Umwelt tun sollten.

Interview: Dirk Liedtke
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