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Cessna 172: Der VW-Käfer der Lüfte wird 50

In den 50er Jahren hat die Cessna einen eher unspektakulären Start hingelegt. Im Laufe der Zeit mauserte sie sich jedoch zum Verkaufsschlager und ist mittlerweile sogar zum Synonym für das Kleinflugzeug geworden.

Moderne Bildschirme, bequeme Sitze, Autopilot und Satellitennavigation - in der Cessna 172 "Skyhawk" von Air Hamburg sieht es aus wie im Airbus-Cockpit. Rund 100 Flugstunden hat die "D-EDDX", so das Kennzeichen, erst auf dem Buckel und ist damit Ur-Enkelin der ersten Cessna 172, die vor 50 Jahren in den Vereinigten Staaten in den Flugbetrieb ging.

"Die 172er ist der VW-Käfer der Lüfte - sie fliegt und fliegt und fliegt", sagt Volker Thomalla, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Aerokurier". "Für viele ist Cessna das Synonym für Kleinflugzeug geworden", beschreibt er. Mehr als 150.000 einmotorige Flugzeuge hat der amerikanische Hersteller bisher produziert. Davon sind nach eigenen Angaben rund 40.000 Maschinen der 172er-Baureihe.

Wenig anspruchsvoll und solide

Der Start des Verkaufsschlagers war eher unspektakulär: In den späten 50er Jahren machte vor allem das neue "Land-O-Matic"-Fahrwerk Furore. Im Gegensatz zu damals weit verbreiteten Flugzeugen mit Spornrad am Heck erleichterte die Konstruktion mit Bugrad das Landen. Es verringerte die Zahl heftiger Bocksprünge beim Aufsetzen.

Während die D-EDDX Kurs auf die Hamburger Innenstadt nimmt, zeigt das Display im Cockpit präzise Höhe und Position wie auf einer Landkarte an. Der Bedienkomfort erinnert an einen großen Jet. Sonst ist die 172er aber wenig anspruchsvoll und solide. "Die Grundkonstruktion war einfach und unkompliziert. Das hat auch den langjährigen Erfolg möglich gemacht", sagt Jan Strobel, Flugbetriebsleiter bei Air Hamburg.

Zahlreiche technische Modifikationen

Häufig sind die robusten Flieger als Schulungs- und Rundflugmaschinen im Einsatz. Der weltweite Piloten- und Flugzeugbesitzerverband AOPA hat eine aktuelle Version der 172er und das erste Modell von 1956 bei einem Vergleichsflug untersucht. "Die Pauschalaussage, es sei eh immer das gleiche, alte Flugzeug stimmt auf keinen Fall", beschreiben die AOPA-Tester die Entwicklung.

Zahlreiche technische Modifikationen hat die Cessna 172 in den vergangenen 50 Jahren mitgemacht: Das reicht von neuen Systemen im Cockpit über komfortablere Sitze, Zusatztanks bis hin zu leistungsfähigeren und leiseren Motoren. Bei manch älterem Exemplar ähnelt das Starten des Antriebs noch dem Kampf mit einem störrischen Esel: Gemischregulierung, Gashebel und Anlasser wollen je nach Wetterlage in genau richtiger Reihenfolge bedient werden. Erst dann nimmt der Motor den Betrieb auf. Moderne Exemplare wie die D-EDDX starten so unspektakulär wie moderner Kleinwagen - der Motor schnurrt wie ein Uhrwerk.

Auch beim Preis zeigt sich der Trend der Zeit: So kostete die Ursprungsversion nach Angaben der AOPA vor 50 Jahren rund 8700 US-Dollar. Heute kostet eine moderne 172er je nach Ausstattung zwischen 170.000 und 250.000 US-Dollar (rund 134.000 und 198.000 Euro).

"Hier hat jeder einen Fensterplatz"

"In Deutschland sind derzeit rund 6600 kleine Motorflugzeuge zugelassen, davon sind bestimmt zwei Drittel von Cessna", schätzt Thomalla. Genauso wie der VW-Käfer über alle Kontinente fuhr, flog auch die Cessna 172 schon weltweit: Rundflüge auf australischen Inseln oder über deutschen Großstädten, Waldbrandüberwachung, Seehundzählung, Hilfsflüge und selbst militärische Einsätze standen auf dem Programm. Einer der spektakulärsten Flüge führte 1987 mit Matthias Rust am Steuer auf den Roten Platz in Moskau.

Bei Air Hamburg fliegt die neue Cessna zu vielen Zielen. "Wir trainieren damit angehende Piloten, fliegen aber auch im Liniendienst auf die Nordseeinseln", sagt Strobel. Die kleine 172er braucht keine lange Startbahn und aufwendige Bodendienste: Koffer ins Gepäckfach, Passagiere können neben dem Piloten und auf der Sitzbank dahinter Platz nehmen. "Hier hat jeder einen Fensterplatz", sagt Strobel.

Heiko Stolzke/DPA / DPA
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