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Wissenschaftliche Untersuchung Wasserdampf oder Chemiekeule? Das ist die Wahrheit hinter Chemtrails

Kondensstreifen am Himmel über Brandenburg
Kondensstreifen am Himmel über Brandenburg
© picture alliance / zb
Für die einen sind es harmlose Kondensstreifen, für die anderen der Beweis für die kontrollierte Vergiftung der Menschheit: Chemtrails sind eine der populärsten Verschwörungstheorien überhaupt. Nun haben Wissenschaftler das Phänomen untersucht.

Wenn Flugzeuge am Himmel fliegen, hinterlassen sie weiße, flauschige Streifen. Für die meisten sind es nur harmlose Kondensstreifen am Himmel, quasi Überbleibsel der kondensierten Flugzeugabgase. Ein Teil der Bevölkerung erzählt aber eine spannendere Geschichte: Für sie sind es gefährliche Chemiewolken, mit denen die Mächtigen dieser Welt entweder die Erde verändern wollen (Geoengineering), das Wetter manipulieren oder gleich systematisch die Bevölkerung vergiften wollen.

Doch was ist dran an der sogenannten Chemtrails-Theorie, einem Kunstwort aus Chemikalien und "Contrails" (englisch für Kondensstreifen). Wissenschaftler der University of California, Irvine, der Carnegie Institution for Science in Stanford und der Non-Profit-Organisation "Near Zero" haben mit 77 Experten aus dem Bereich der Atmosphären-Forschung und Geochemie gesprochen.

76 von ihnen antworteten, dass sie keinen Beleg für großflächige Sprühkampagnen von Chemikalien finden konnten. Nur einer berichtete, dass er einmal ungewöhnlich hohe Bariumwerte in der Atmosphäre entdeckte - das sei aber noch kein Beleg für Chemtrails. Eine Beobachtung der Verschwörungstheoretiker konnten die Wissenschaftler aber bestätigen, nämlich dass Kondensstreifen heutzutage länger zu sehen sind.

Was steckt in dem Dampf?

Den Befürwortern der Chemtrails-Verschwörung zufolge ist eines der Hauptindizien für den Chemieeinsatz, dass die Streifen oft minutenlang am Himmel zu sehen sind. Einfache Abgasrückstände müssten jedoch viel schneller verschwinden, behaupten sie - weshalb sich ihrer Meinung nach giftige Zusatzstoffe wie Barium oder Aluminium in dem Dampf befinden müssen. Das würden auch erhöhte Menge in Stichproben aus Wasser- oder Schneeproben am Boden belegen.

Diese Behauptung konnten die Wissenschaftler eindeutig widerlegen: Die Kondensstreifen entstehen hinter den Triebwerken, wenn die Abgase des Kerosins (im Wesentlichen Kohlendioxid, Wasserdampf und Ruß) auf die kalte Luft treffen. Weil durch den modernen Reiseverkehr aber immer mehr Flugzeuge unterwegs sind, müssen diese immer höher fliegen - weshalb die Chemtrails länger zu sehen sind. Moderne Motoren würden außerdem mehr Wasserstoff in die Atmosphäre abgeben. Die kreuzenden Kondensstreifen, die gelegentlich am Himmel zu sehen, sind für die Forscher nichts weiter als ein Beleg für den dichteren Flugverkehr.

Dass die Kondensstreifen unterschiedlich dick sind, liegt den Forschern zufolge einerseits an verschieden starken Motoren, andererseits an unterschiedlichen Flughöhen.

Kein Beweis für Chemtrails

Und was ist mit den angeblich giftigen Substanzen, die in Wasser- und Bodenproben gefunden wurden? Die Untersuchung zeigt, dass die Ergebnisse nicht verwertbar seien, weil die Proben nicht fachgerecht entnommen wurden und eine Verschmutzung so nicht ausgeschlossen werden kann. "Um Metalle in Proben zu untersuchen, muss das Glas zunächst mit einem Säurebad gereinigt werden, um jegliche rückständigen Metalle zu entfernen. Alternativ kann man auch Plasik nutzen", erklärt einer der Experten.

Am Ende hatte kein "Beweismittel" der Verschwörungstheoretiker Bestand gegen die wissenschaftliche Untersuchung.

cf

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