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Microsoft-Gründer Eine Rede aus dem Jahr 2015 macht Bill Gates zur Zielscheibe von Verschwörungstheoretikern

Bill Gates wird zum Opfer von Verschwörungstheoretikern.
Bill Gates wird zum Opfer von Verschwörungstheoretikern.
© Indraneel Chowdhury/ / Picture Alliance
Bill Gates ist einer der reichsten Menschen der Welt. Er nutzt seine Milliarden, um die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen. Nun wird der Microsoft-Gründer zur Zielscheibe von Hasskampagnen: Kritiker werfen ihm vor,  er nutze Corona zur massenhaften Überwachung der Menschheit aus.

Der nächste Ausbruch trifft uns unvorbereitet. Das war der Name des knapp achtminütigen Vortrags, den Microsoft-Gründer Bill Gates im März 2015 im Rahmen einer TED-Konferenz hielt. Seine Botschaft an das Publikum lautete: Die Welt solle sich weniger vor einem Atomkrieg und mehr vor einem globalen Ausbruch eines Virus sorgen. Schließlich konnte 2014 die weltweite Ausbreitung des Ebola-Virus nur dank Tausender selbstloser Gesundheitshelfer und sehr viel Glück verhindert werden, argumentierte er. Und beim nächsten Mal gehe die Sache womöglich anders aus.

Nun, fünf Jahre später, ist Gates' damals noch abstrakte Warnung Realität geworden. Das Coronavirus hat sich in beinahe alle Regionen auf der Welt ausgebreitet, der Alltag von Milliarden Menschen ist von harten Einschnitten geprägt. Zahlreiche Branchen stehen vor den größten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Welt, glauben viele Experten, werde nach der Coronakrise eine andere sein.

Bill Gates wird Ziel von Verschwörungstheorien

Dass Bill Gates in seinem TED-Talk bereits vor einigen Jahren auf die Gefahren einer Pandemie aufmerksam machte, könnte man als Voraussicht eines analytisch denkenden Mannes einordnen, der seit vielen Jahren Milliarden Dollar in die Bekämpfung von Krankheiten steckt. Auch jetzt investiert Gates jede Menge Geld, um "vielversprechende" Fabriken für Corona-Impfstoffe zu finanzieren, erklärte er vor zwei Wochen US-Talkshow-Host Trevor Noah. Dadurch soll die Entwicklung beschleunigt werden, um "Monate zu sparen, denn jeder Monat zählt".

Andere wollen lieber sinistere Motive vermuten. Sie glauben, Gates habe in Wahrheit in den acht Minuten der Rede, die nun auf Youtube erneut ihre Kreise zieht, seinen eigentlichen Plan vorgestellt. Impfgegner, Rechte, Verschwörungstheoretiker - sie alle behaupten, der Tech-Milliardär mache sich die Coronakrise zunutze, um Milliarden zu verdienen und die Gesundheitssysteme dieser Welt unter Kontrolle zu bekommen. Einige vermuten sogar, er selbst stecke hinter dem Virus und wolle die Impfung nutzen, um den Menschen Chips zu implantieren, um sie so zu überwachen.

Einer Untersuchung der "New York Times" mit Zignal Labs - einem Unternehmen, das Medienquellen analysiert - zufolge ist Gates derzeit das Lieblings-Hassobjekt im Zusammenhang mit Corona-Fehlinformationen. Von Februar bis April wurde Gates der Auswertung zufolge 1,2 Millionen Mal erwähnt, auf dem zweiten Platz folgt die Verschwörungstheorie, welche den Mobilfunkstandard 5G mit Covid-19 in Zusammenhang bringt (lesen Sie mehr dazu hier).

Die zehn beliebtesten Youtube-Videos, die Falschinformationen über Gates und das Virus verbreiten, wurden im März und April insgesamt fast fünf Millionen Mal angesehen. Auf Facebook wurden in diesem Jahr 16.000 Beiträge über das Thema verfasst, die fast 900.000-mal kommentiert wurden. 

Gates kritisiert immer wieder Trump

Dass Gates zum Opfer von Hasskampagnen wurde, dürfte auch damit zusammenhängen, dass der Milliardär ein unverblümter Kritiker von US-Präsident Donald Trump ist. Erst vor wenigen Tagen sagte er, ohne Trump beim Namen zu nennen, der WHO das Geld zu entziehen sei "so gefährlich, wie es klingt". Seiner Meinung nach werden die Corona-Tests in den USA "immer noch völlig falsch priorisiert", er bezeichnete das Vorgehen der Regierung und Behörden sogar als "völlige Misswirtschaft".

Gates selbst weigerte sich, die entsprechenden Berichte zu kommentieren. Mark Suzman, Geschäftsführer der Bill & Melinda Gates Foundation, sagte jedoch gegenüber der "New York Times", es sei "erschreckend, dass es Menschen gibt, die Fehlinformationen verbreiten, obwohl wir doch alle nach Wegen suchen sollten, zusammenzuarbeiten und Leben zu retten".

Quellen: Youtube, "New York Times"

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