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Britischer CEO gesteht "Wir haben allen Angestellten das gleiche Gehalt bezahlt: Es ging schief"

Der CEO eines britischen Start-ups zahlte allen Angestellten dasselbe Gehalt. Zu mehr Zufriedenheit führte das nicht.
Der CEO eines britischen Start-ups zahlte allen Angestellten dasselbe Gehalt. Zu mehr Zufriedenheit führte das nicht.
© Blend Images/Sam Diephuis/ / Picture Alliance
Als Calvin Brenton sein Start-up gründete, zahlte er allen Angestellten das gleiche Gehalt . Er dachte, das würde für ein harmonisches Zusammenarbeiten sorgen. Eingetroffen ist das Gegenteil.

Online-Plattformen, die eine Psychotherapie von zu Hause ermöglichen, sind in den letzten Jahren sehr gefragt. Als Sohn zweier Psychotherapeuten und als studierter Informatiker kombinierte Calvin Brenton sein Wissen aus beiden Fachgebieten und gründete vor zweieinhalb Jahren die Plattform "Spill". Das Start-up richtet sich vor allem an Unternehmen und bietet Online-Therapie über den Messenger-Dienst "Slack" für deren Mitarbeiter an. Brentons Business-Traum: Alle verdienen das gleiche Gehalt. So gäbe es seiner Meinung nach keine Ungleichheiten im Team und alle arbeiteten harmonisch miteinander. Zunächst ging das auch noch gut.

"Wir waren fünf Leute, und jeder hat so ziemlich das Gleiche geleistet", sagt Brenton gegenüber BBC. "Also versuchten wir dieses Experiment, bei dem wir jedem von uns das gleiche Gehalt zahlten – unabhängig von der Erfahrung, unabhängig von der Position. Wir wollten das traditionelle Gehaltsmodell in Frage stellen. Wir entschieden uns für 36.000 Pfund (circa 41.000 Euro) pro Jahr für alle. Unseren Berechnungen nach war das ein angemessener Lebensunterhalt, um in London zu leben", so der Gründer. Seinen eigenen Angaben zufolge habe auch Brenton selbst diese Summe verdient. 

Mit dem Start-up wuchsen auch die Probleme

Im letzten Jahr ist "Spill" vor allem auch wegen der Corona-Pandemie extrem gewachsen. "Wir haben eine explosionsartige Zunahme der Nachfrage erlebt", erzählt der CEO. Mittlerweile seien die Umsätze um etwa 40 Prozent gestiegen und Brenton beschäftige über 13 Psychologen in Vollzeit sowie einige in Teilzeit. Im Januar 2020 bekam das Start-up eine Finanzspritze von 2,2 Millionen Pfund (rund 2,5 Millionen Euro) durch Investoren. Doch damit kamen auch die Probleme.

Denn Brenton musste weitere Mitarbeiter einstellen, wie zum Beispiel Softwareantwickler, Vertriebsmitarbeiter und weitere Büroangestellte. "Softwareentwickler sind sehr gefragt, und sie bekommen in der Regel ein höheres Gehalt als 36.000 Pfund", berichtet Brenton. "Vertriebsmitarbeiter werden normalerweise auf Provisionsbasis bezahlt. Kein Modell, das besonders zu einer der beiden Branchen passt."

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Er habe große Schwierigkeiten gehabt, Senior-Talente für die Position des Softwareentwicklers zu finden. Nach rund drei Monaten hätten die Vertriebsmitarbeiter gefragt, ob sie nicht doch auf Provisionsbasis bezahlt werden können, wenn sie ihre Verkaufsziele erreichten. Gleichzeitig sei Brenton mit Bewerbungen für die Büro-Stellen überschwemmt worden, da er in diesem Fall überdurchschnittlich gut bezahlte. "Sie wollten einfach nur dieses hohe Gehalt beziehen, anstatt bei Spill arbeiten zu wollen, weil sie an unsere Mission glaubten."

Brenton hinterfragte sein System

Je mehr Mitarbeiter der CEO eingestellt habe, desto mehr habe sich gezeigt, dass manche mehr arbeiteten als andere. Schnell habe sich die Frage gestellt, ob die härter Arbeitenden auch eine Gehaltserhöhung verdient hätten. Und tatsächlich: Calvin Brenton musste sich nach einem Jahr wohl eingestehen, dass sein Experiment gescheitert ist und eine Gehaltsstruktur entwickeln, die auf Betriebszugehörigkeit und Position ausgerichtet war.

Lehrerin

"Wir haben erkannt, dass wir auf die Marktmechanismen achten müssen", gibt der Gründer zu. "Manche Praktiken werden aus einem guten Grund so ausgeübt." Etwas Gutes hatte Brentons Experiment dennoch: Er entschied sich, offen zu kommunizieren, wer welches Gehalt bezieht. "Seit unsere Gehaltsregelung transparent ist, gibt es keine Gerüchte mehr darüber, wer was verdient. Das hat dem Miteinander im Büro enorm geholfen. Und wenn man im Therapiegeschäft tätig ist, ist es wichtig, Harmonie am eigenen Arbeitsplatz zu schaffen."

Quelle:  BBC 

yak

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