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Brandstiftungen Wegen Coronavirus: Verschwörungstheoretiker fackeln immer mehr 5G-Masten ab

Abgefackelter Mobilfunkmast
Abgefackelter Mobilfunkmast im britischen Huddersfield
© Oli Scarff / AFP
Steht der neue Mobilfunkstandard 5G im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie? Das glauben einige Verschwörungstheoretiker und fackeln immer wieder Mobilfunk-Masten ab. Vor allem in Großbritannien sind die Feuerteufel los.

Gegner hatte die 5G-Technologie auch schon vor der Pandemie. Kritiker fürchten die Strahlenbelastung, die durch den Aufbau des neuen Mobilfunkstandards und der zugehörigen Masten entsteht. Doch seit sich in Onlineforen Verschwörungstheorien um einen Zusammenhang mit dem Coronavirus verbreiten, eskaliert mancherorts die Lage.

In Großbritannien fackelten Brandstifter allein am Osterwochenende 20 Mobilfunkmasten ab. Insgesamt mehr als 60 Masten sind in dem Land in den vergangenen Wochen angezündet worden. Die Attacken ereignen sich verteilt über das gesamte Land. Erst am Freitag nahm die Polizei einen 47-jährigen Mann fest, der für eine Brandstiftung im Städtchen Kirkby verantwortlich sein soll. Auch aus anderen europäischen Ländern wie Irland und den Niederlanden werden vermehrte Brandstiftungen gemeldet, während die Lage in Deutschland noch ruhig ist. Videos der brennenden Masten werden im Social Web fröhlich geteilt.

"Völliger Quatsch"

Die kursierenden Verschwörungstheorien setzen die Ausbreitung des Coronavirus in einen direkten Zusammenhang mit dem Ausbau der 5G-Infrastruktur. Einige glauben, dass die 5G-Strahlung das Immunsystem des Menschen schwächt, sodass dieser anfälliger für eine Infektion mit dem Coronavirus ist. Andere meinen gar, das Coronavirus sei nur erfunden worden, um während der Quarantäne das 5G-Netz ausbauen zu können (mehr zu den Theorien lesen Sie hier).

Experten weisen einen Zusammenhang zwischen Virus-Verbreitung und 5G-Strahlung zurück. "Das ist völliger Quatsch", sagt etwa Simon Clarke, ein Zellbiologe der Universität von Reading der "BBC". "Die Vorstellung, dass 5G unser Immunsystem schwächt, lässt sich nicht halten", erklärt er. Zwar könnte Strahlung grundsätzlich den Körper aufheizen und dadurch auch auf das Immunsystem einwirken. "Aber das Energieniveau von 5G-Strahlen ist niedrig und nicht annähernd stark genug, um unser Immunsystem zu beeinflussen."

Attacken auf Krankenhaus-Mast - und auf Vodafone-Techniker

Dass die 5G-Bandstifter nicht sonderlich informiert sind, erkennt man auch daran, dass einige der angezündeten Mobilfunkmasten in Großbritannien noch gar nicht auf 5G aufgerüstet waren. Zudem machten sich britische Brandstifter unter anderem ausgerechnet an einem Mast zu schaffen, der ein öffentliches Notfall-Krankenhaus in Birmingham mit der benötigten Netzverbindung versorgt. "Masten niederzubrennen beschädigt wichtige nationale Infrastruktur", empörte sich Nick Jeffery, Chef von Vodafone UK gegenüber dem britischen "Guardian". Neben Attacken auf 20 von Vodafone betriebenen Masten berichtet er auch von Angriffen auf seine Mitarbeiter. 39 Ingenieure der Firma seien verbal oder physisch von Menschen angegriffen worden, die fälschlicherweise denken, 5G befördere das Coronavirus, erklärte Jeffery.

Keine Zunahme in Deutschland 

In Deutschland erkennen die Netzbetreiber derzeit noch keine vermehrten Brandstiftungen. Telekom, Telefónica und Vodafone berichten dem "Handelsblatt" lediglich von einzelnen Sabotageaktionen, die sie auf herkömmlichen Vandalismus zurückführen. "Eine Zunahme sehen wir aktuell nicht, weshalb auch keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen erfolgen", sagte die Telefónica-Sprecherin dem Blatt.

Dennoch macht sich der Branchenverband Bitkom auch hierzulande Sorgen um die Akzeptanz von 5G. In einer aktuellen Bitkom-Umfrage, die das "Handelsblatt" zitiert, äußerten 45 Prozent der Befragten Sorgen aufgrund von elektromagnetischer Strahlung von Funkmasten. Erst kürzlich habe es in Berlin einen Brandanschlag auf ein Telekommunikationsnetz gegeben, berichtet Bitkom-Präsident Achim Berg.

Quellen: Guardian / BBC / Vice / Handelsblatt 


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