Energieversorgung Elektronik mit Auspuff


Egal, ob Laptop, Handy oder Taschencomputer: Wenn es wichtig wird, ist oft der Akku leer. Brennstoffzellen könnten das Problem lösen.

Ab und zu kann man am Flughafen einen Geschäftsmann sehen, der über sein Laptop gebeugt sitzt und ein blau-silbernes Kästlein neben sich stehen hat, etwa von der Größe dreier gestapelter Videocassetten. Es summt leise und versorgt den Rechner augenscheinlich mit Strom. Wenn andere Reisende neugierig werden und fragen, was das sei, erklärt ihnen Manfred Stefener, dass so die Zukunft aussieht - ein Laptop, das zehn Stunden läuft, ohne dass ihm der Strom ausgeht.

Noch kleine Schritte nötig

"Die Reaktionen sind durchweg positiv", sagt Stefener, 34, Gründer und Chef der Münchner Firma "Smart Fuel Cell". Aber leider hat die Sache einen Haken: Normalsterbliche müssen auf die Zukunft noch etwas warten. Stefeners Kasten ist nur der Prototyp einer tragbaren Brennstoffzelle, etwa ein Kilo schwer und zu klobig für den Hausgebrauch. Auf der Cebit wurden Nachfolger präsentiert, die etwa ein Drittel kleiner und leichter sind. Geplanter Verkaufsstart: 2005. "Die Technologie ist fertig", erklärt Stefener, "aber es sind noch viele kleine Schritte nötig."

Die Ära des Akkus geht zu Ende

Eigentlich sollte schon 2004 das Jahr der Brennstoffzelle werden. Die Technikwelt wartet ungeduldig auf den Nachfolger des antiquierten Akkus, der viel zu schnell schlapp macht. "Computerchips", sagt Atakan Ozbek, Analyst beim Marktforscher ABI Research, "sind in den letzten zehn Jahren etwa 3000-mal leistungsfähiger geworden - die Kapazität von aufladbaren Batterien aber hat sich nicht mal verdoppelt." Denjenigen, die etwas Besseres entwickeln, winkt ein Geschäft von etwa fünf Milliarden Dollar im Jahr. Deshalb versuchen derzeit mehr als zwei Dutzend Firmen, Mini-Brennstoffzellen zu entwickeln, darunter Konzerne wie Motorola, NEC und Sony genauso wie Stefeners SFC und andere Jungunternehmen. Einige wollen in den nächsten sechs Monaten ihre Produkte vorstellen.

Einfach – und doch so schwierig

Die Technik ist eigentlich ganz einfach - und doch unendlich kompliziert: Eine Brennstoffzelle erzeugt Strom, indem sie Wasserstoff mit Sauerstoff zusammenführt. Bei der chemischen Reaktion wird Energie frei. Aber noch hat niemand einen Weg gefunden, den flüchtigen Wasserstoff als Energieträger kompakt zu speichern. Die meisten setzen auf Methanol, eine brennbare Flüssigkeit, aus der sich mit ein paar Tricks Wasserstoff gewinnen lässt.

Laptop mit Auspuff

Der Nachteil dieser Lösung ist, dass so aus der simplen Zelle ein hochkomplexes Liliput-Kraftwerk wird, mit Pumpen und Kühlungssystem. Obendrein erzeugen die Zellen Kohlendioxid und Wasserdampf, was dazu führt, dass künftige Laptops einen Auspuff haben könnten. Noch ein Problem, denn Elektronik verträgt sich schlecht mit Feuchtigkeit. "Dazu kommen viele wirtschaftliche und bürokratische Hürden", sagt Analyst Ozbek. Es gibt bisher weder einen Standard für die Kartuschen, mit denen die Zellen wieder aufgetankt werden können, noch ein Vertriebsnetz. Auch müssen Flugbehörden entscheiden, ob eine brennbare Flüssigkeit wie Methanol überhaupt mit an Bord darf.

Sicher scheint nur, dass das Abenteuer Technik für diejenigen, die ihrer Zeit voraus sein wollen, teuer wird: Stefeners SFC verkauft seit August eine knapp zehn Kilo schwere Zelle als Generator für Campingwagen. Sie kostet 2680 Euro. Eine Laptop-Ladestation soll "eher im Tausender-Bereich" liegen.

Karsten Lemm print

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