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F.C. Gundlach: "Müssen Ende des chemischen Films hinnehmen"

Namhafte Kamerahersteller wie Nikon ziehen sich aus der Herstellung analoger Kameras zurück. Ist das Ende des chemischen Films in Sicht? Ja, sagt der Fotograf F.C. Gundlach, und die Fotokunst werde sich deswegen auch verändern.

Nach Ansicht des Hamburger Kunstsammlers und Fotografen F.C. Gundlach könnte das Ende des chemischen Film in zehn Jahren gekommen sei. "Wir müssen damit rechnen, dass es in zehn Jahren keinen Film mehr gibt", sagte er im DPA-Gespräch. Gundlach stieg in den 60er Jahren zum gefeierten Modefotografen auf. Später gründete er ein erfolgreiches Dienstleistungsunternehmen für Fotografen (PPS). Heute ist der vitale, annähernd 80-Jährige international ein renommierter Fotosammler mit Kontakten zu den Großen seiner Zunft. "Das markiert eine Zäsur", sagte er mit Blick auf die Entwicklung bei Nikon und in der ganzen Fotobranche. Der japanische Kamerahersteller will sich bis auf zwei Modelle auf dem Markt für analoge Fotoapparate zurückziehen (siehe auch "Mehr zum Thema").

Der Amateurmarkt ist ausschlaggebend

Die den Fotomarkt beherrschenden Firmen wie Kodak, Fuji oder eben Nikon richteten ihre Entscheidungen nach den Umsätzen auf dem Amateurmarkt. "Der professionelle Markt hatte immer nur einen Anteil von zehn Prozent, und wenn sich da ein Produkt nicht rechnet, dann fliegt es raus", sagte der Fotograf. Zwar ließe sich an die kulturelle Verantwortung der Unternehmen appellieren, aber das werde wohl kaum gehört. "Ich glaube, man muss es hinnehmen", sagt der Sammler zum möglichen Ende der analogen Fotografie. Es habe immer wieder fotografische oder andere künstlerische Prozesse gegeben, die verschwunden seien. Dazu zählen in jüngster Zeit unter anderem das Pocket- oder APS-Format. "Wir haben das immer erlebt, auch bei Agfa. Die hatten wunderbare Fotopapiere, die aber nach und nach ausgelaufen sind. Weltberühmte Fotografen wie Robert Mapplethorpe oder Joel-Peter Witkin arbeiteten nur auf Agfa und waren verzweifelt, als es nicht mehr zu haben war."

Dass sich der Wechsel vom Dia oder Negativ hin zum Chip in einem derart Atem beraubenden Tempo vollziehe liege daran, dass die Agenturen und Verlage den Transfer von Bildern digital vornähmen, auch die Layouts entstünden nur noch auf dem Bildschirm. Und: "Ein digital aufgenommenes Bild steht sofort weltweit zur Verfügung. Die Zeitverzögerung zum Fernsehen wird damit aufgehoben", ergänzt Gundlach. "Hauptsache, es ist schnell. Und schnell ist digital." Eine ganze Reihe von Fotografen wird ihre Existenz verlieren, weil sie nicht in der Lage sind, den Sprung zum Digitalen zu machen - oder wollen, erwartet er.

Veränderung der Kunst

"Mit jeder neuen Technik kam auch eine Veränderung der Kunst", berichtete Gundlach weiter. Die Erfindung der Tubenfarbe zum Beginn des 19. Jahrhunderts habe den Malern erstmals erlaubt, mit ihrer Staffelei nach draußen zu gehen. Erst das habe den Impressionismus möglich gemacht. "Ich habe geglaubt, dass es auch durch die Digitalisierung viele inhaltliche Änderungen geben wird." Das habe sich zunächst nicht ergeben. Das gelte neben den Bildern der Amateure insbesondere für die Künstler. "Erst jetzt beginnen Künstler mit der neuen Technik genuine digitale Bilder zu schaffen. Aber das ist eine neue Generation, die mit dem Gameboy aufgewachsen ist."

DPA / DPA
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