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Bergbau Falunrot – wie die Farbe aus einer alten Mine zum Symbol Schwedens wurde

Rote Flächen und weiße Balken - dieser Look prägt Schweden.
Rote Flächen und weiße Balken - dieser Look prägt Schweden.
© Wiki / Commons
Einst stand in Falun die größte Kupfermine Europas, dort stellte man die klassische rote Farbe her. Zum Symbol für Schweden wurde sie aber erst, als man die Armut in den Städten bekämpfen wollte.

Die ganze Welt kennt die rote Farbe, mit der die Schweden ihre Holzhäuser bemalen. Heute gibt es eine ganze Palette an "Schweden-Farben", aber der Ursprung ist das Falunrot. In der Zeit vor der modernen Chemie war es gar nicht so einfach leuchtende Farben zu gewinnen. Viele entstanden aus mineralischen Böden, die speziell behandelt wurden – meist wurden sie gebrannt. So auch das Falunrot.

Die Farbe ist nach ihrem Ursprung benannt, der Falun-Kupfermine in Schweden. Sie wurde seit dem 9. Jahrhundert betrieben, also seit dem frühen Mittelalter. Das war die größte Kupfermine in Europa, sie sorgte für Wohlstand in der Region. "Im 17. Jahrhundert kamen zwei Drittel der Kupferproduktion der westlichen Welt aus Falun", sagte Johanna Nybelius, Archäologin und Museumspädagogin der Mine zum "Smithsonian Magazine". "Zu dieser Zeit war Schweden eine der Großmächte Europas, und alles wurde mit Kupfer aus Falun bezahlt". Doch es scheint, dass die schwedische Expansionspolitik im 30-jährigen Krieg zu einem Raubbau in der Mine geführt hat. Ende des 17. Jahrhunderts war die Mine erschöpft.

Produkt aus den Resten des Bergbaus

Da kam man auf die Idee mit der Farbe. Eigentlich war das Grundmaterial der Farbe ein Abfallprodukt der Mine. Falunrot wird aus Gesteinsresten und eisenhaltigen Erzen hergestellt. Wenn das Eisen zu Eisenoxid verwittert, hat man die Grundlage für das Pigment. Das Oxid wird ausgewaschen, dann wieder getrocknet und schließlich gebrannt. Erst im Ofen entsteht aus dem gelblichen Material die leuchtend rote Färbung. Das trockene Pigment wird gemahlen und mit Wasser, Mehl und Leinöl gemischt, um so eine streichbare Farbe herzustellen.

Noch heute produziert Falu Rödfärg in der Mine die traditionelle Farbe . "In den ersten 200 Jahren war es eine helle Farbe, weil die Öfen nicht so heiß waren", sagte Martin Jansson, der Betriebsleiter. Heute kann man dank moderner Öfen verschiedene Schattierungen von Falunrot herstellen. In früheren Zeiten war das leuchtende Rot mehr als genug, denn gerade farbintensive strahlende Farben waren schwer herzustellen und begehrt. Außerdem ist die Farbe ein wirksames Konservierungsmittel. "In der Farbe ist Eisen- und Kupfervitriol enthalten", so Nybelius. "Eisen ist gut für die Konservierung und Kupfer ist ein Fungizid." Diese Substanzen führen dazu, dass die Leichen von verschütteten Bergmännern aus der aktiven Zeit der Mine heute mumifiziert geborgen werden. Im Vergleich zu modernen Farben lässt das Falunrot das Holz atmen. "Wenn Sie mit einer modernen Plastikfarbe arbeiten, erhalten Sie eine wirklich wasserdichte Schicht und Sie bekommen Probleme mit Schimmel."

Eigenes Haus für die Arbeiterklasse

Das Rot war seit dem 18. Jahrhundert beliebt, weil es einem Holzhaus das Aussehen von teureren Ziegeln verlieh. Doch es prägte Schweden erst mit einem sozialen Wohnungsbauprojekt. Mit der Industrialisierung und der wachsenden Bevölkerungszahl in den Städten stellte sich auch in Schweden die "soziale Frage" des 19. Jahrhunderts: der Pauperismus. Um der Armut in den Städten zu begegnen und bessere Wohnbedingungen zu schaffen, wurde 1904 ein Gesetz verabschiedet, das Darlehen für den Bau eigener Häuser auf dem Land vorsah. Jeder Arbeiter, der nüchtern vorsprach, erhielt finanzielle Hilfe für den Bau eines eigenen Hauses. Alkoholismus galt in Schweden in dieser Zeit zurecht als große Gefahr für die Volksgesundheit. Diese Häuschen wurden meist Rot gestrichen und so wurde das Falunrot zur schwedischen Farbe schlechthin.

Die traditionelle Farbe gibt es weiterhin, doch das Abfallmineral aus der Mine ist begrenzt. 80 bis 100 Jahre wird es noch reichen. Wegen der Atmung ist die Farbe auch heute noch interessant. Mit Falunrot kann man auch verwittertes sägeraues Holz einfach überstreichen. Die Farbe ist zwar nicht waschfest, dafür wird sie bei Alterung nicht rissig und sie platzt nicht auf. Es gibt nur einen Abrieb. Das erleichtert den Neuanstrich. Die alte Farbe muss lediglich abgebürstet werden. Die Originalfarbe ist, anders als man vermuten könnte, sogar vergleichsweise billig.

Quelle:  Smithsonian MagazineFalu Rödfärg

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