Feierlichkeiten Jubiläumsflug wurde zum Hüpfer


Die USA haben mit einer großen Flugshow den ersten Motorflug vor genau 100 Jahren gefeiert. Der Höhepunkt der Feiern, der Flug eines nachgebauten "Wright Flyers", klappte aber nicht wirklich.

Die USA haben mit einer großen Flugshow das 100-jährige Jubiläum des ersten motorisierten Flugs in der Geschichte gefeiert. Zehntausende Besucher und viele Legenden der Luft- und Raumfahrt versammelten sich an der "Geburtsstätte des Motorflugs" in Kitty Hawk an der Küste North Carolinas, wo Orville Wright am 17. Dezember 1903 mit einem nur zwölf Sekunden langen Flug die Luftfahrtära eingeläutet hatte.

Vergebliches Warten auf Wiederbelebung des Mondfluges

Präsident George W. Bush würdigte die Brüder bei der Feier am Mittwoch als große Pioniere, die alle Schwierigkeiten überwunden hätten, um ihren Traum zu erfüllen. Entgegen vieler Gerüchte kündigte Bush keine Rückkehr der USA zum Mond an - auch nicht, als Hollywoodstar und Flugenthusiast John Travolta erklärte, er melde sich hiermit als erster für den Mondflug an.

Erst verschoben, dann verflogen

Zwar fiel der geplante Höhepunkt der Feiern, der Flug einer originalgetreuen Nachbildung des historischen Fliegers von Orville und Wilbur Wright, zunächst buchstäblich ins Wasser, da starker Regen einsetzte. Zum ersten Flugversuch kam es einige Zeit später - fast erfolglos: Gerade einmal eine Sekunde war der Nachbau des "1903 Wright Flyers" mit dem Piloten Kevin Kochersberger am Steuer in der Luft, bevor er wieder zu Boden gedrückt wurde.

Am späten Nachmittag versuchten der Erbauer des Flugzeugs, Ken Hyde, und Kochersberger, dessen Vater aus Deutschland stammt, einen weiteren Anlauf. Der kleine Motor knatterte unter dem tosenden Applaus der Zuschauer los, doch der Wind war nicht stark genug, um dem Doppeldecker genügend Auftrieb zu geben.

Für viele der Flugfans waren die fünftägigen Feiern dennoch der Höhepunkt des Jahres - und die vielleicht letzte Gelegenheit, die alternden großen Flug- und Raumfahrtpioniere des 20. Jahrhunderts noch einmal in so großer Anzahl vereint zu sehen.

Luftfahrt-Legenden stehen Schlange

Bei jedem neuem "Helden der Flug- und Raumfahrtgeschichte", der während der Feiern auf die Bühne gerufen und für seine Verdienste geehrt wurde, ging ein Raunen der Bewunderung durch die Menge: John Glenn, der erste Amerikaner im Orbit, Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond oder Chuck Yeager, der erste Pilot der Welt, der die Schallmauer durchbrochen hat, sowie sowie die Urgroßnichte der Gebrüder Wright, Amanda Wright Lane, und der Enkel des Atlantiküberfliegers Charles Lindbergh, Eric Lindbergh.

"Der aufregendste Tag seit Jahren"

Der Weltkriegs- und Koreaveteran Bob Moore, der selbst 60 verschiedene Flugzeuge geflogen hat und auf 14.000 Flugstunden verweist, kann es gar nicht fassen, dass er noch eine Karte bekommen hat und nun in so unmittelbarer Nähe der Flughelden ist. Für den 81-Jährigen aus Virgina Beach ist es "der aufregendste Tag seit Jahren". Am liebsten würde er als sein 61. Flugzeug die Nachbildung des Wright-Flyers von 1903 fliegen, doch für heute reicht es ihm schon, den winzigen Motor knattern zu hören. Auch der 46-jährige John Sample aus Illinois, der mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und seinem Vater für eine ganze Woche nach Kitty Hawk gereist war, ist begeistert. So ein Ausflug in die Geschichte sei einfach etwas besonderes.

Ein Foto zum richtigen Augenblick

Begonnen hatte die Geschichte des Motorflugs hier auf den Outer Banks. Am 17. Dezember 1903, nach jahrelangen Tüftelarbeiten, hatten die Fahrradmechaniker Orville und Wilbur Wright mit ihrem Flyer-Doppeldecker erstmals eine motorbetriebene Maschine gebaut, bei der sie absolut sicher waren, dass sie fliegen würde. Und so kleideten sie sich für die Gelegenheit auch in Sonntagsmanier mit Mantel und Hut und gaben einem Mitarbeiter selbstbewusst Anweisung, wann er den Auslöser drücken solle.

Orville, der nach der Auslosung mit einer Münze an der Reihe war, legte sich bäuchlings in das "Cockpit" und flog mit einem zwölf Sekunden-Hüpfer in die Geschichte. Und im Gegensatz zu anderen Erfindern, die ebenfalls Anspruch auf den Titel erhoben, konnten die Brüder nach dem ersten Flug Orville Wrights ein Foto vorweisen, auf dem der historische Flug festgehalten ist. Es zeigt den zerbrechlichen Doppeldecker mit Orville am Steuer knapp einen Meter über dem Boden.

Thomas Müller, dpa DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker