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Aber warum? Ziemlich eklige Werkzeuge: Forscherteam baut tote Spinnen zu Greifarmen um

Eine tote Spinne greift ein elektronisches Bauteil
Warum eine Pinzette nehmen, wenn man eine tote Spinne nutzen kann?
© Preston Innovation Laboratory/Rice University
Spinnen sind unschlagbar, wenn es darum geht, Insekten zu fangen. Doch ein Forscherteam aus Texas vertritt die Meinung, dass sich die acht Beinchen für allerlei andere Dinge nutzen lassen – sobald die Spinne tot ist.

Beim Anblick einer toten Spinne an einen Umbau zum Greifarm zu denken, erfordert viel Fantasie. Ein Forscherteam der texanischen Rice University tat genau das. Als Projekt im Bereich der "Soft Robotics" nahm man tote Wolfsspinnen und machte sich deren Beine als Greifarme für empfindliche elektronische Bauteile zunutze. 

Das Team nennt diese neuartige Form der Robotik "Necrobotics", eine Wortneuschöpfung aus den Begriffen "Necro" und "Robotics", was soviel bedeutet wie "Leichenrobotik". Bei den Spinnen kommt für die Steuerung der toten Tiere eine Spritze zum Einsatz, die Luft in den Vorderleib der Spinne pumpt.

Beinchen raus, Beinchen rein

Diese Technik funktioniert, weil Spinnen keine gegenläufigen Muskelpaare zur Beinbewegung nutzen, sondern sich über hydraulischen Druck fortbewegen. Pumpt das Tier – oder die Spritze – Flüssigkeit in die Beine, strecken diese sich aus. 

Nachdem der "Umbau" geglückt war, ermittelten die Forschenden die Greifkraft der Spinne. Gemessen wurden 0,35 Millinewton, was zum Beispiel für das Aufheben winziger Bauteile reicht, die mit herkömmlichem Werkzeug leicht Schaden nehmen würden.

Aber nur weil etwas funktioniert, muss es nicht gleich massentauglich sein. Nach Ansicht des Forscherteams ist es das aber durchaus. So heißt es in der wissenschaftlichen Arbeit und dem Video der Wissenschaftler:innen: "Das in dieser Arbeit vorgeschlagene Konzept der Nekrobotik macht sich einzigartige, von der Natur geschaffene Konstruktionen zunutze, die künstlich nur schwer oder gar nicht nachgebildet werden können. Eine der Anwendungen, für die wir uns dies vorstellen können, sind feine Arbeiten, zum Beispiel bei mikroelektronischen Geräten."

Publikum ist wenig begeistert

Die Kommentare auf Youtube sind eher kritisch. Eine Person schreibt, es gäbe so viele Alternativen zu dieser Erfindung, dass er eigentlich nur Nachteile sehe. Zum Beispiel die Verwesung der Werkzeuge oder den Platz, den die ausgestreckte Spinne benötigen würde, um das Ziel zu erreichen. Eine andere Person kritisiert die Idee, Spinnen zu züchten, nur um sie als Greifarme zu missbrauchen.

Das Gros ist lediglich angewidert und fragt sich, warum man mit toten Spinnen rumspielt. Nur wenige ermutigen die Forschenden, die Experimente fortzusetzen.

Quellen: Advanced Science, Rice University

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