Fusion AMD & ATI Viel Wind um nichts


Der US-Mikroprozessor-Hersteller AMD übernimmt den kanadischen Grafikchip-Spezialisten ATI. Das Ziel: Prozessor und Grafik auf einem Chip. Viel bewegen wird die Fusion jedoch wohl nicht.

Die bereits Juli von AMD angekündigte Übernahme von ATI ist abgeschlossen. Für 5,4 Milliarden US-Dollar kauft der Chipproduzent den Grafikprozessoren-Hersteller. Eine Fusion mit einer besonderen Note: Bei den Grafik- und Prozessorherstellern gibt es nur vier große, namhafte Hersteller, zwei davon werden nun eins.

Während sich AMD und Intel seit Jahren einen knallharten Technologie- und Preiskrieg liefern, bedienten die beiden Grafikspezialisten Nvidia und ATI beide Seiten mit wichtigen Bauteilen. Ein Zusammenschluss von AMD und ATI würde den Markt noch ärmer an Alternativen machen, so die Befürchtung von Branchenbeobachtern.

Doch tief greifende Veränderungen sind durch die Verschmelzung wohl nicht zu erwarten. "ATI besteht künftig zwar nicht mehr als Unternehmen, die Grafikkarten der Marke ATI werden jedoch wie gehabt als Einzelprodukt verkauft", sagte Gerhard Zehethofer, bei AMD zuständig für das Herstellergeschäft in Europa. ATI werde weiterhin den AMD-Erzrivalen Intel mit Chipsets beliefern. Umgekehrt werde der ATI-Konkurrent Nvidia wie gewohnt eng mit AMD zusammenarbeiten.

Analystenkritik, die Übernahme mache wirtschaftlich wenig Sinn, wiesen AMD und ATI zurück. Die beiden Unternehmen ergänzten sich mit ihren Produkten und könnten zusammen besser wachsen als getrennt, hieß es. Getrieben hat AMD wohl auch der ewige Rivale Intel. Der stellt bereits eigene Grafikchips her.

AMD will hingegen die erste Großfrucht der Verschmelzung Anfang 2009 ernten: Ein üblicher Prozessor und ein Grafikchip vereint auf einer winzigen Scheibe Silizium. In heutigen Computer sind beide Bauteile weit voneinander entfernt. Der Prozessor (CPU) sitzt auf der Hauptplatine des Computers, der Grafikchip (GPU) befindet sich auf einer Steckkarte.

Zwei in Eins macht stark

Dieser "zwei in einem"-Lösung prophezeit AMD eine große Zukunft. Der PC-Markt werde sich viel stärker von spezialisierten Geräten geprägt sein, so die AMD-Manager. Kostengünstigen Desktop-PC, Multimedia-Centern in HiFi-Bauform für das Wohnzimmer, Settopboxen und im Keller werkelnden Homeservern. Allen seien drei Dinge gemein: sie sollen kompakt sein, leistungsstark bei Grafik sowie Rechenleistung und vor allem kostengünstig. Eben diese Technik könne AMD durch den Zukauf von ATI anbieten.

Mit den Kombiplattformen wolle der Konzern künftig vor allem untere und mittlere Preissegmente bedienen, sagte Zehethofer. Komplettsysteme für 599 Euro bis 999 Euro also. Die Vorteile der Kombilösung sieht er vor allem in der Leistungsfähigkeit und im Fertigungspreis. Die vergleichsweise günstig zu produzierenden Grafik- und Hauptprozessoreinheit soll Rechenprozesse effizienter verarbeiten können, als zwei separat arbeitende Einzelsysteme.

Gerade mit Hinblick auf den im März kommenden Jahres erscheinenden Windows-XP-Nachfolger "Vista" verspricht sich AMD einen Wettbewerbsvorteil. Das hardwarehungrige System soll Dank "Fusion" auch auf Billigrechnern laufen. Nutzer, die besonders hohe Anforderungen an den Rechner stellen - Spieler etwa - will AMD jedoch mit den "Fusion"-Plattformen nicht erreichen. High-End-PCs würden auch künftig aus getrennten Grafik- und Prozessoreinheiten bestehen.

ule/hl

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