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Gespräch: "Die Schule ist Schuld an der Technik-Feindlichkeit in Deutschland"

Deutschland ist ein Technik-feindliches Land, findet Wolf Peter Fehlhammer, Direktor des Deutschen Museums in München. Schuld daran sei der falsche Unterricht in den Schulen.

Defizite im Schulunterricht sind nach Ansicht des Direktors des Deutschen Museums, Wolf Peter Fehlhammer, verantwortlich für die Technik-Feindlichkeit in Deutschland. "Die Kinder verstehen am Ende ihrer Schullaufbahn nicht mehr die technisch-naturwissenschaftliche Welt, in der sie leben", sagte der Chef des weltweit größten Wissenschaft- und Technikmuseums im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa)."«Wenn das so weitergeht, laufen wir Gefahr, auf lange Zeit den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Anschluss zu verlieren."

Experimentierfreude im Kindesalter wecken

Die Studentenzahlen in den Naturwissenschaften seien rückgängig. Dabei könnten die Universitäten heute schon nicht mehr den Personalbedarf der Wirtschaft decken. Der naturwissenschaftliche und technische Unterricht sei nicht umfangreich und attraktiv genug. Er dürfe nicht erst in der Pubertät beginnen, wenn die Kinder nur noch schwer zu erreichen seien, verlangte Fehlhammer. Das Deutsche Museum beginne schon bei Kindern im Vorschulalter, sie mit spielerischen Versuchen und Forschungslaboren für Wissenschaft und Technik zu begeistert. "Das kommt hervorragend an", sagte er. "Es ist ein Unding, dass man die Kinder so lange von diesem Vergnügen fern hält."

"Selbst forschen ist wichtig"

Auch der Frontalunterricht mit langweiligen Lehrervorträgen sei "total unattraktiv" für die Kinder. "Wissenschaft und Forschung - wenn man selbst damit umgeht - macht einen riesigen Spaß. Das müssten wir in Deutschland mehr ermöglichen", schlägt der Chef des weltweit größten Wissenschafts- und Technikmuseums vor.

Viele kleine Science-Center

Ein wichtiger Baustein zur Förderung der Naturwissenschaften wäre seiner Ansicht nach der Aufbau eines flächendeckenden Netzes kleiner Wissenschafts-Zentren. "Wir müssen dabei eine Dichte erreichen, bei der jede Familie an einem Wochenende ein solches Science-Center besuchen kann", sagt Fehlhammer. In diesen könnten Kinder - wie im Deutschen Museum - in ihrer Freizeit freiwillig experimentieren und sich dabei spielerisch naturwissenschaftliches Wissen aneigenen. "Ohne es zu merken, hätten wir plötzlich Ganztagsunterricht, aber nicht immer bei dem gleichen Lehrer sondern in Museen - und die Kinder hätten Spaß dabei."

Von den Briten lernen

In Großbritannien gebe es bereits rund 100 solcher Einrichtungen, während in Deutschland nur eine Hand voll Zentren dieser Art existierten. Die meisten seien wenig bekannt. "Es mangelt in der Öffentlichkeit und der Politik am Bewusstsein, wie wichtig solche Einrichtungen sind und welche Leistungen sie erbringen", bemängelte Fehlhammer. Er plane, die "deutsche Science-Center-Szene" zusammenzuführen. Das Deutsche Museum mit seiner 100-jährigen Erfahrung sei bereit, als Plattform für ein deutschlandweites Netz von Wissenschafts-Zentren zu dienen.

DPA
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