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HEIMKINO Spektakel mit allen Schikanen


Kino zu Hause ist stark im Kommen. Aber damit die Vorführung auch Spaß macht, müssen erst mal die richtigen Geräte her.

Heimkino hat Konjunktur. Hollywood-Produzenten lassen es sich in ihre Riesenvillen in Beverly Hills bauen, George W. Bush hat eins im Weißen Haus. Und auch deutsche Filmfans mit Platz und Budget bauen sich ein stilechtes »Home Theater«. Dort nehmen dann Dutzende von Gästen auf plüschigen Sesseln Platz. In schnöden Wohnungen und Reihenhäusern genügen schon Rundum-Sound wie im Multiplex und ein möglichst großes Videobild zum Cineastenglück. Aber das Angebot an Geräten wird täglich unübersichtlicher. Was taugt das Komplettpaket für wenige hundert Euro? Ist das mehrere Zehntausend Euro teure System aus Einzelbausteinen sein Geld wert?

Unverzichtbar: eine Bild- und Tonquelle

Basis des Rundum-Bild-und Tonvergnügens ist immer eine Bild- und Tonquelle, also ein DVD-Spieler oder ein HiFi-Videorecorder. So genannte Decoder bereiten den Rundumklang auf - aktuelle Geräte sollten die Verfahren Dolby ProLogic II und Dolby Digital beherrschen - und leiten in den meisten Fällen die Töne an fünf Leistungsverstärker weiter, auch Endstufen genannt. Diese befeuern ebenso viele Lautsprecher. Fürs Bild sorgt das TV-Gerät, ein Projektor oder ein Flachbildschirm.

Komplettsysteme mit Vor- und Nachteilen

Komplettsysteme (so genannte DVD-Receiver) bringen bis auf den Bildschirm alles fürs Heimkino mit. Manche Hersteller bieten sogar schon TV-Geräte mit integriertem DVD-Laufwerk, Dolby-Technik, Verstärkern und Boxen an. Die Vorteile der Universalisten: Sie sind - meist - einfach zu bedienen, leicht aufzustellen und recht kompakt. Nachteile: Streikt ein Gerätepart, muss das komplette System in die Werkstatt. Steigen die Ansprüche, muss eine völlig neue Anlage her. Und oft genügen die beigepackten Simpel-Lautsprecher auch den Ansprüchen genügsamer Hörer nicht.

Einzelkomponenten sind die bessere Wahl

Besser sind Einzelkomponenten. Sie müssen nicht zwangsläufig teurer sein als Komplettpakete. Außerdem gibt es keinen Grund, alle Bausteine gleichzeitig zu kaufen - fürs Erste reichen TV-Gerät und DVD-Spieler. So genannte AV-Receiver beherbergen Dolby-Technik und Verstärker. Ein Lautsprecherset komplettiert das Heimkino.

Auch Laien sollte es nicht schwer fallen, die richtige Wahl zu treffen. Fangen wir bei den DVD-Spielern an. Sie gibt es bereits ab 100 Euro - aber natürlich auch für mehrere tausend. Zusehends entwickeln sie sich zur Multimediazentrale im Wohnzimmer, die alles abspielen kann, was sich mit modernen Computern auf CD oder DVD brennen lässt.

Billigheimer: oft laut und klapperig

Über die Formatvielfalt gerät aber gerade bei Billigplayern der eigentliche Zweck des Geräts ins Hintertreffen, nämlich DVDs perfekt abzuspielen. Bei Palettenware vom Lebensmittel-Discounter stören Laufgeräusche den Heimkinospaß oft ganz erheblich. Klappernde Schubladen und wacklige Tasten mindern das DVD-Vergnügen ebenfalls. All diese Punkte lassen sich im Laden checken: einfach eine DVD einlegen und ein paar Sequenzen abspielen. Auch ein Blick ins so genannte Setup-Menü - hier können die Grundeinstellungen verändert werden - lohnt sich. Billiggeräte lassen sich oft wesentlich schlechter bedienen.

Die Preis-Untergrenze für ein akzeptables Markengerät liegt bei etwa 250 Euro - wenn es als Angebot noch günstiger ist, schadet dies natürlich nicht.

Composite-Signal: schwacher Standard

Für Bild und Ton sollte der Player möglichst viele unterschiedliche Anschlüsse mitbringen: Standard für die Verbindung zum TV-Gerät ist die breite Scartbuchse. Sie kann drei Arten von Bildsignalen mit unterschiedlicher Qualität transportieren. Standard für alle Arten von Scartverbindung ist der Transport des so genannten Composite-Signals. Composite funktioniert mit jedem TV-Gerät, die Bildqualität ist aber nicht optimal. Besser: Der DVD-Spieler offeriert noch S-Video (auch Y/C genannt) und RGB (Rot-Grün-Blau) via Scart. Damit gibt es ein schärferes Bild mit weniger Farbschlieren.

Beim Sound heißt es Cinchen

Alle Player bringen ein Cinchbuchsen-Pärchen für Stereoton mit. Den Kino-Rundumklang Dolby Digital transportiert eine eigene digitale Verbindung zum Decoder, der meist in einem AV-Receiver untergebracht ist. Doppelt hält auch hier besser: Gute DVD-Spieler nehmen für Digitalton Kontakt per Lichtleiter oder Cinch auf. Denn je nach AV-Receiver gibt es die Verbindung nur in einer der beiden Varianten.

Spiele-Computer wie die Playstation 2 und die Microsoft X-Box spielen zwar auch DVDs ab - aber Lüfter- und Laufwerksgeräusche sind bei diesen Spielekonsolen deutlich störender als bei reinen DVD-Spielern. Die Playstation lässt sich nur umständlich über den Game-Controller steuern, die X-Box verlangt nach einer zusätzlichen, aufpreispflichtigen Fernbedienung (ca. 30 Euro), bevor sie überhaupt DVD-Video abspielt. Wer eine der Konsolen hat, kann sie natürlich fürs Erste als Basis eines Heimkinos nutzen - sie für diesen Zweck eigens zu kaufen ist aber keine gute Idee.

Wohin mit den Daten - der AV-Receiver weiß es

Als Schaltzentrale fungieren AV-Receiver. An ihnen wählt man die jeweils gewünschte Bild- und Tonquelle aus und leitet die Signale an Boxen und TV-Gerät oder Projektor weiter. Ihre wichtigste Aufgabe: den Fünfkanal-Datenstrom vom DVD-Spieler zu entschlüsseln und die Lautsprecher mit Leistung zu versorgen. Die Geräte gibt es ab etwa 300 Euro, für etwa 500 Euro erhält man schon sehr ordentliche Verarbeitungs- und Klangqualität.

Geschraubt hält besser

Wichtig: Auf der Rückseite des Geräts sollten dicke Schraubklemmen für alle Lautsprecher sein - gibt's nur winzige Kabelhalter für dünne Strippen, hat man's schwerer, die Anlage zu verkabeln. Für Tieftonboxen mit eigenem Verstärker (»aktiver Subwoofer«) sollte es einen Cinch-Ausgang geben, für Bildquellen wenigstens Cinch und die so genannten Hosiden-Buchsen für S-Video.

Dolby Digital ist Pflicht

Dolby Digital ist im Decoder für DVD-Genuss Pflicht. Aktuelle Geräte bringen auch durch die Bank ein Verfahren namens ProLogic II mit, das Dolby-Surround-codierte Filme von Videocassette oder TV fünfkanalig aufbereitet; auf Wunsch gibt es den - dann simulierten - Rundumklang sogar mit Stereoton von der CD. 100 Watt pro Kanal sollte ein aktueller Receiver über einen längeren Zeitraum liefern - die so genannte Sinusleistung. Ein kritischer Blick auf die Fernbedienung und das Installationsmenü des Geräts gehört ebenfalls zum Kauf.

Die Physik besagt, dass nur große Boxen tiefe Töne sauber und laut wiedergeben können. Aber ein wenig lässt sich die Natur doch überlisten. Die Kombination aus einer leistungsfähigen Bassbox und fünf kleineren, »Satelliten« genannten Kompaktboxen kann große Kisten gleichwertig ersetzen. Allerdings sollte die Front der Satellitenboxen wenigstens 25 Zentimeter Breite und 30 Zentimeter Höhe aufweisen. Die populären, manchmal nur noch faustgroßen Boxen klingen zwar passabel, zeigen aber die Grenzen des Satelliten-/Subwooferprinzips auf: Entweder deckt das Gesamtpaket den gesamten hörbaren Bereich ohne Löcher im Spektrum ab - dann spielt sich oft der Subwoofer in den Vordergrund. Oder die Bassbox hält sich bedeckt - dann klingen Stimmen meist hohl.

Surround-Simulationen sind nichts für Cineasten

In einem vollständigen Heimkino spielen wenigstens fünf Boxen - drei vor, zwei hinter dem Publikum oder seitlich von ihm. Wenn das zu viel ist: Manche AV-Receiver gaukeln mit cleveren Simulationsschaltungen die Anwesenheit der Rückboxen recht überzeugend vor. In einem Feingucker-Heimkino sind solche Tricks allerdings genauso verpönt wie raschelnde Chipstüten und taktloses Getuschel.

Karl-Gerhard Haas

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