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Virtual Reality: In der virtuellen Realität werden Literatur-Klassiker zu einem interaktiven Trip

Literatur von Franz Kafka oder James Joyce kann man lesen oder mit einer Virtual-Reality-Brille neu entdecken. "Die Verwandlung" spürt man am eigenen Leib, der Wälzer "Ulysees" amüsiert als gemütliches Game.

Literatur-Klassiker werden zu einem interaktiven Trip

Literatur to go: Wer sich eine Virtual-Reality-Brille aufsetzt, schlüpft in den Körper des Insekts, in das sich Gregor Samsa in der Kafka-Erzählung "Die Verwandlung" verwandelt hat

Der amerikanische Schriftsteller William Faulkner hatte ein einfaches Rezept für unwiderstehliche Literatur. "Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will. Und dann immer so weiter." Zum Glück gibt es eine Menge Erzähler auf der Welt, die diese Kunst beherrschen. "Als Erstes ist da der Geruch von Blut und Kaffee." Herrndorf. "Tschick". "Mr. und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nr. 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar." Rowling. "Harry Potter". "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen ­erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt." Kafka. "Die Verwandlung". Woran es jedoch zunehmend mangelt, sind Leser.

Die Zahl der Buchkäufer sank hierzulande zwischen 2012 und 2016 um sechs Millionen, und der treue Rest widmet sich gern Krimis, Thrillern und Sachbüchern. Vor ­allem jüngeren Menschen bleiben die Klassiker häufig fremd, es ist schwer, sie vom Display wegzulocken und für literarische Fantasie­welten zu begeistern. Längst ist die große Literatur deshalb umgezogen – heraus aus der Komfortzone zwischen zwei Buch­deckeln, hinein in die neuen Medien: Hörbücher, E-Books, ­Social-Media-Kanäle.

Literatur to go

Kürzlich erhielt beispielsweise Michael Sommer den Grimme Online Award für seine Filmsammlung auf Youtube, in der er Klassiker der Weltliteratur witzig und lehrreich in Szene setzt – mit Playmobilmännchen. "Sommers Weltliteratur to go" erzählt Tolstois "Krieg und Frieden" sowie Büchners "Woyzeck" in zehn Minuten und "Winnetou I" in 11:25 Minuten. Während Sommer noch mit relativ einfachen Mitteln arbeitet, setzt der Amerikaner Mika Johnson ganz neue Maßstäbe. Der Regisseur und Kafka-Fan lehrt an der Prager Filmhochschule und hat aus einem Stück Weltliteratur einen virtuellen Trip in Kafkas Welt erschaffen. "VRwandlung" heißt Johnsons Kunstprojekt. Die Auftragsarbeit für das Goethe-Institut in Prag ist gerade auf Welttournee, nächster Halt in Deutschland wird am 25. und 26. August in Berlin beim Tag der offenen Tür im Auswärtigen Amt sein.

Um Kafka erlebbar zu machen, fertigten tschechische Modellbauer das klaustrophobisch kleine Zimmer Gregor Samsas von Hand. Beraten von der Kafka-Gesellschaft und mit rührender Liebe zum Detail: Im Regal stehen eine Goethe-Anthologie sowie Briefe van Goghs und Grimms Märchen. Die Tape­tenmuster sind originalgetreu aufgemalt. Die Installation wurde hochauflösend fotografiert und in eine dreidimensionale, begehbare digitale Kulisse übertragen. "Ich wollte vermeiden, dass die Wände, das Holz und die Objekte wie in einem Computerspiel aussehen", sagt Johnson.

Mika Johnson ließ das Zimmer für VRwandlung zunächst von Modellbauern in Prag anfertigen. Danach wurde es gescannt und animiert.

Mika Johnson ließ das Zimmer für VRwandlung zunächst von Modellbauern in Prag anfertigen. Danach wurde es gescannt und animiert.

Ausgestattet mit einer Virtual-Reality-Brille sowie mit Sensoren an Händen und Füßen, verwandelt der Besucher sich in dieser Kulisse dann selbst in Gregor Samsa: Dazu wird der Körper gescannt, von Infrarotkameras gemessen und die Position im virtuellen Raum laufend berechnet. Der Besucher sitzt zu Beginn des Trips auf einem einfachen Metallbett, umgeben von düsteren Violin- und Celloklängen, und hört knackende, knirschende Geräusche, die bedrohliche Umbauprozesse in seinem Körper simulieren.

Der Herzschlag beschleunigt sich vom gewohnten Rhythmus zum Beat eines Insektenherzens. Senkt der Besucher den Kopf, erblickt er einen grauen Insektenpanzer. Bewegt er die Hände, bewegen sich sechs Arme. Klopfen und Rufe ertönen hinter den zwei Türen. Steht der Besucher auf, kann er durch das kleine Zimmer wandern, die Bücher auf dem Regal, die Fotos an der Wand studieren. Irgendwann folgt der Blick in den Spiegel: ein Schock, vor allem wenn man die Erzählung nicht kennt.

"Eine junge Japanerin stieß einen Schrei aus, als sie sich erblickte", erzählt Mika Johnson. Ein Student tanzte versonnen vor dem Spiegel, erfreute sich der ungewohnten, schwerfälligen Bewegungen seines ­Insektenkörpers, des Wogens der Fühler. Einzelne Besucher meinten sogar, die Fühler auf dem Kopf zu spüren. Ein kleiner Junge wollte nach der Begegnung mit Kafka in der virtuellen Realität unbedingt die ganze Erzählung lesen.

Der Prager Student Marek Lentvorsky erlebt zum ersten Mal VRwandlung. In einem geplanten Spielfilm wird er Franz Kafka spielen.

Der Prager Student Marek Lentvorsky erlebt zum ersten Mal VRwandlung. In einem geplanten Spielfilm wird er Franz Kafka spielen.

Spätestens nach vier Minuten ist der Trip vorbei. Wer den Schlüssel in einer Schublade des Sekretärs gefunden hat, kann das Ganze abkürzen und damit eine Tür öffnen. Das Finale. Ein himmelshelles, weißes Licht blendet den in Gregor Samsa verwandelten Betrachter. Eine wuchtige, getragene Melodie, gespielt auf einer Orgel, ertönt – Samsas düsteres Musikthema.

Was kommt als Nächstes?

Geht es nach Mika Johnson, schlössen sich an die "Verwandlung" weitere Kafka-Stoffe an: eine Szene aus dem "Prozess", ebenfalls nur einige Minuten lang, gefolgt von der "Strafkolonie". Johnson ist von dem Autor geradezu besessen. Eben hat er in Prag zehn Kafka-Doppelgänger ge­castet für einen geplanten Film über einen fiktiven Sohn Kafkas.

Kafka-Doppelgänger Marek Lentvorsky steht auf der Terrasse des Prager Goethe-Instituts und hält ein Modell des Insekts, in das sich Nutzer von VRwandlung verwandeln.

Kafka-Doppelgänger Marek Lentvorsky steht auf der Terrasse des Prager Goethe-Instituts und hält ein Modell des Insekts, in das sich Nutzer von VRwandlung verwandeln.

Klassikern mithilfe von digitaler Technik neues Leben einzuhauchen, das haben sich auch Studenten des Boston College in den USA vorgenommen. Und zwar dem Roman "Ulysses" von James Joyce, der über viele Hundert Seiten einen einzigen Tag
im Leben des Dubliners Leopold Bloom beschreibt. Die Handlungsorte, etwa ein Wehrturm mit Meerblick, wurden detailgetreu in die virtuelle Realität übertragen.

Die "Ulysses"-Erfahrung wirkt weniger eindringlich als die bei "VRwandlung", dafür wird der Entdeckerdrang geweckt. Objekte erwachen zum Leben, lassen sich bewegen und beäugen. Eine Katze streicht um die Beine des Spielers, der in der Gestalt des Protagonisten Bloom versucht, Leber mit schwarzem Pfeffer in Butter zu braten. Rauch steigt auf, als die Leckerei anbrennt. Zwei Dutzend IT-Studenten arbeiteten ­intensiv an dem literarischen Labyrinth. Das Ergebnis ist üppig, wenn auch etwas sperrig. Man sollte ein Grundinteresse an dem berühmtesten Buch irischer Dichtkunst mitbringen, es am besten gelesen haben, zumindest in Teilen.

Suchtgefahr

"VRwandlung" und "Joycestick" bereichern das Thema Virtual Reality (VR) um eine angemessene Variante: Die Orte sind überschaubar und beschränkt, das Erlebnis ist nicht überladen, aber trotzdem intensiv, die berüchtigte Übelkeit bleibt aus, die bei bewegungsintensiven VR-Spielen in Science-Fiction-Welten mit Bergen, Schluchten und endlosen Horizonten schnell zum Problem wird.

Kafka hätte die Verwandlung seiner Geschichte sicher gefallen. Er war begeisterter Kinogänger, in Sachen Unterhaltungstechnik also auf der Höhe seiner Zeit. Auch das Erfahren einer Virtual-Reality-Installation in einem Museum oder bei einem Festival ist etwas, nach dem man süchtig werden kann.

Virtual Reality Porno
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.