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Lego: Baukasten zum Schießen

Zwei ehemalige Lego-Designer präsentieren die Gummi-Zwillen der Zukunft: Voll-automatisierte Gewehre und Süßigkeiten-Katapulte. In ihrem Buch "Forbidden Lego" zeigen sie, wie sich aus Lego-Steinen harmlose Waffen bauen lassen.

Von Kathrin Warncke

An Maschinengewehre hat der Däne Ole Kirk Christiansen nicht gedacht, als er seine ersten Spielklötzchen baute. Er taufte die Steine auf den Namen "leg godt", dänisch für "spiel gut" und gründete das Unternehmen Lego, das noch heute für Spielzeuge mit pädagogischem Wert bekannt ist. Ein ehemaliges Entwicklerteam von Lego hat nun ein Buch mit Bauanleitungen veröffentlicht, das sich so gar nicht an die didaktischen Vorgaben halten will. In "Forbidden Lego" stellen zwei Autoren, Ulrik Pilegaard und Mike Dooley, Anleitungen für selbstgebaute Waffen aus Legosteinen vor.

Darin werden vier verschiedene Waffen-Projekte vorgestellt, die sich in 47 bis 70 Schritten zusammenbauen lassen. Für eine solche Waffe braucht es die passenden Legosteine und übliche Haushaltsgegenstände. In Schritt-für-Schritt-Anleitungen kann sich jeder eine Tennisball-Kanone bauen oder eine Maschine zusammenfriemeln, die Süßigkeiten in die gewünschte Richtung katapultiert. Die Autoren wollen mit ihren Anleitungen die Zeit beenden, in denen es für eine Gummi-Flitsche nur Baumzweige und Gummibänder brauchte.

Spielkinder outen sich in Videos

Schon jetzt kursieren zahlreiche Videos mit den Lego-Waffen auf Videoportalen wie Youtube und Myvideo, in denen Fans ihre Werke präsentieren. Süßigkeiten und Lego-Steine werden quer durch den Raum gefeuert. Stolz schießen die Bastler auf Holzklötze und Plastik-Männchen, die einer nach dem anderen unter Beschuss umfallen. Die Filme zeigen häufig vorab den Aufbau der Waffen und die Vorbereitung zu jedem Schuss. Mit den Videos outen sich viele Spielkinder, die schon lange auf solche Art von Anleitungen gewartet haben.

Mit ihrem "Forbidden Lego", zu deutsch verbotenen Lego, sorgen Ulrik Pilegaard und Mike Dooley für Aufsehen in der Spielewelt. Pilegaard war jahrelang als Designer in der Entwicklung der Lego Mindstorm Roboter tätig, Mike Dooley als Produktmanager. Sie wirken wie Wild-West-Cowboys, die die heile Spielewelt ein wenig aufmischen wollen. Rebellisch klingt es schon in der Unterzeile des Buches an: "Build the Models Your Parents warned You Against!", kurz, "Bau' die Modelle nach, vor denen deine Eltern dich gewarnt haben." Der Satz ist Programm: Die Bausätze, aus denen sonst Pony-Farmen und Flughäfen entstehen, wachsen mit jedem Stein zur Selfmade-Wumme.

Erfüllte Kinderträume nach verbotenem Spielzeug

Mit ihren unorthodoxen Anleitungen wollen die Autoren den Nerv der Bastler und Tüftler treffen. Sie veröffentlichten das Buch über einen amerikanischen Bücherverlag, der sonst hauptsächlich Computerbücher verlegt. Obwohl sich besonders erwachsene Bastler mit dem Buch beschäftigen, lassen Pilegaard und Dooley offen, an wen sich das Buch richtet. Schließlich erfüllen die Bauanleitungen auch Kinderträume nach verbotenen Spielzeugen. Eine Warnung vor den Waffen und deren Handhabung lassen die Autoren aus. Nur mit Ironie vermerken sie am Rande, dass das Buch dann gefährlich werden könnte, wenn man es nach jemand wirft.

Pilegaard und Dooley möchten ihr Legowaffen-Projekt nicht falsch verstanden wissen. Sie selbst bezeichnen ihre Schussgeräte als nutzlose, aber lustige Erfindungen. Nach Meinung der Autoren sollen die Anleitungen zu allererst Bastlern helfen, ihr kreatives Potenzial voll auszuschöpfen und die Vielfältigkeit der Baukästen zu erkennen.

Die Autoren brechen bewusst die Lego-Regeln, die es verbieten, dass Projektile und andere Bauteile für den Baukasten verwendet werden. Im Vorwort kritisieren sie diese Vorgaben und bezeichnen es als Vorwand, dass keine fremden Teile zum Bauen verwendet werden dürfen. Der Haussegen würde bei der Lego-Family mit einem solchen Projekt in jedem Fall schief hängen.

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