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Tod mit 99 Jahren: Billy Graham - "Maschinengewehr Gottes" und Darling von Konservativen und Schwarzen

Er war der Berater zahlreicher US-Präsidenten und einer der einflussreichsten christlichen Prediger der Welt: Der evangelikale US-Pastor Billy Graham ist tot. Beinahe die ganzen USA betrauen das "Maschinengewehr Gottes".

Billy Graham in San Diego

Billy Graham im Mai 2003 in San Diego, California

AFP

Er trug den Spitznamen "Maschinengewehr Gottes", gehörte zu dem meistbewunderten Figuren des Landes. Er "beriet mehrere US-Präsidenten und erreichte mit seinen Predigten weltweit ein Millionenpublikum: Der einflussreiche US-Evangelist und Fernsehprediger starb im Alter von 99 Jahren in seinem Zuhause in Montreat, North Carolina, wie die Billy Graham Evangelistic Association mitteilte.

Grahams Tod löste in den Trauer aus. US-Präsident Donald Trump nannte den Verstorbenen einen "großartigen Mann", der sehr besonders gewesen sei. Vizepräsident Mike Pence erklärte, Graham habe das Leben von Millionen verändert.

Auch bei Nicht-Konservativen beliebt 

Graham galt über Jahrzehnte als "Amerikas Pastor", war wegen seiner konservativen Moralvorstellungen aber auch nicht unumstritten. Der wegen seines leidenschaftlichen Redestils als " Gottes" bezeichnete Prediger wurde aber von vielen Seiten verehrt. Er unterhielt Kontakt zu sämtlichen US-Präsidenten von Harry Truman über George Bush sen. bis Barack Obama. Dem jüngeren Bush half er in den 1980er Jahren beim Kampf gegen seine Alkoholsucht.

Zum Eklat kam es 2002, als ein 1972 vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon heimlich mitgeschnittenes Gespräch mit Graham veröffentlicht wurde. Der Prediger sprach darin von einem jüdischen "Würgegriff" auf die Medien, der gebrochen werden müsse. Er entschuldigte sich später für die Aussagen, behauptete jedoch, er könne sich nicht an sie erinnern. In den 50er Jahren weigerte er sich, Weiße und Schwarze in seinem Publikum räumlich voneinander zu trennen - weshalb ihm ein Einfluss auf das Ende der Rassentrennung in den Südstaaten der USA zugeschrieben wird.

Graham wurde 1918 als Sohn eines Bauern in geboren. Mit 16 wurde er von einem reisenden Evangelisten zum Baptismus bekehrt. Nach einer Ausbildung zum Pfarrer begann er seine Arbeit als "Erweckungsprediger" und erregte schon mit einer seiner ersten Veranstaltungen große Aufmerksamkeit. Das zunächst nur für drei Wochen geplante Event in Los Angeles musste auf mehr als acht Wochen verlängert werden, weil das Zelt jeden Tag brechend voll war.

Billy Graham auf 700 Sendern zu hören

1950 gründete der Massenprediger die Billy Graham Evangelistic Association. Mehr als 50 Jahre lang ging jeden Sonntag sein Radioprogramm "Stunde der Entscheidung" weltweit über 700 Sender. Daneben gab es Fernsehsendungen, Filme, tägliche Zeitungskolumnen und vor allem die Massenevangelisationen rund um die Welt. Auch in Deutschland war er mehrmals.  Zudem war er als Autor aktiv und verfasste 31 Bücher, von denen die meisten in mehrere andere Sprachen übersetzt wurden.

Billy Graham an der Stamford Bridge

Billy Graham predigt in den 60er Jahren an der Londoner Stamford Bridge während der Halbzeit des Spiels FC Chelsea gegen Newcastle United

Getty Images


In  den vergangenen Jahren war es allerdings still um Graham geworden. Wegen seiner zunehmenden Gebrechlichkeit lebte er zurückgezogen in seinem Heimatstaat. Davor war er über sechs Jahrzehnte lang unermüdlich als Missionar unterwegs gewesen - nicht nur in den USA, sondern der gesamten Welt. Graham reiste unter anderem nach China, in die frühere Sowjetunion - und auch zwei Mal in den neunziger Jahren nach Nordkorea.

Mit seiner 2007 verstorbenen Ehefrau Ruth Bell Graham war er fast 64 Jahre lang verheiratet, aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Einer seiner Söhne, Franklin Graham, trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls ein berühmter evangelikaler Prediger. Er litt an Prostatakrebs und Parkinson. 2005 verabschiedete er sich mit einem dreitägigen Event mit mehr als 230.000 Besuchern in New York in den Ruhestand. Damals sagte er: "Ich freue mich darauf, bald Gott ins Gesicht zu sehen."


nik/DP/AFP